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Jewgeni Kaspersky : Der Nachtwächter des Internets hat auch Ihren Schlüssel!

Erhalten auch Viren Zutritt zum Kaspersky-Fanclub? Der russische Unternehmer gilt in seiner vom Zynismus infizierten Heimat als eine Art Volksheld, der auf digitale Sauberkeit achtet. Bild: Kaspersky labs

Ihm vertrauen Millionen von Computernutzern und 200.000 Firmen weltweit: Der Russe Jewgeni Kaspersky hält die Rechte an weitestverbreiteten Virenschutzprogrammen, aber er selbst bleibt der große Unbekannte.

          Außer dem Maschinengewehr Kalaschnikow und milliardenschweren Rohstoffoligarchen hat Russland auch eine erfreuliche Erfolgsgeschichte hervorgebracht: die von Jewgeni Valentinowitsch Kaspersky, dem Krieger gegen die globale Internetkriminalität, der mit seiner Computersicherheitsfirma Kaspersky Lab die Welt vor dem virenerzeugten Chaos bewahren will. Tausende, ja, Zehntausende neuer virtueller Ungeziefer würden heute täglich in Umlauf gesetzt, mahnte der Unternehmer, der seit mehr als zwanzig Jahren Infektionssoftware jagt, jüngst auf einer russischen Internet-Konferenz, und sie vermehrten sich exponentiell. Das anonym nutzbare Internet sei für diese Schädlinge wie eine öffentliche Toilette oder ungeschützter Geschlechtsverkehr, eine Börse und Brutstätte von Krankheitserregern, predigt der Netzhygieniker Kaspersky jetzt aus London den Lesern seines russischen Blogs, weshalb der Pfad, auf dem die Menschheit derzeit noch wandelt, sie geradewegs in die Hölle führen werde.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wenn man den Russen, der für das internationale Publikum seinen Vornamen in „Eugene“ anglisiert, im Fernsehen erlebt, glaubt man eher, einen moralisch gefestigten Farmer aus Kansas vor sich zu haben als einen Mann aus dem Schwarzmeerhafen Noworossijsk, der noch vom KGB als Textverschlüsseler ausgebildet wurde. Der kybernetische Krieg habe längst begonnen, verkündet der sympathische Internet-Gendarm, der zumeist in Turnschuhen und legeren Hemden mit aufgekrempelten Ärmeln auftritt.

          Illustrierend erinnert er an den offenbar durch Viren verursachten Stromausfall an der amerikanischen Nordostküste 2003; an die Botnet-Attacke, womit russische Spammer 2007 Estland paralysierten; an den viral herbeigeführten Internetcrash in Südkorea oder an die aktuelle Infektion des amerikanischen Drohnennavigationszentrums. Umso entschiedener verteidigt Kaspersky seine Sache der „guten Jungs“ und duldet keine Sympathie für die „Bösen“. Vaterländischen Programmierern, die gestehen, sie bewunderten Schöpfer von Viren, entgegnet er per Videokamera streng, sie gehörten hinter Gitter; dabei sprühen seine jungenhaft blauen Augen Funken. Gern nennt er dann auch die Strafgesetzparagraphen und das Strafmaß. Einen Hacker, und sei der auch noch so begabt, würde er niemals einstellen.

          „Kabasidschi“ heißt sein Name auf Mandarin

          Seine klare Position macht den weltweit angesehenen Datenräuberschreck in seiner zynismusinfizierten Heimat geradezu zum Pop-Helden. Es gibt mehrere Kaspersky-Fanklubs. Jüngeren, die von seinem Erfolg lernen wollen, empfiehlt er, viel zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Die nützten immer, auch wenn es schiefgeht. Doch oft komme das Geld plötzlich von allein. Wichtig sei nicht zuletzt die beflügelnde Idee, wie für ihn die vom besten Antivirus. Vor allem aber dürfe man nie und niemals, sagt Kaspersky, sein eigenes Karma verderben.

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