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Gespräch mit Daniel Suarez : Wir werden mit System erobert

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Wer sich vom Ziel der Hypereffizienz verabschiedet, den bestraft die Börse Bild: AFP

Die Computer haben von uns durch jede einzelne Google-Anfrage, durch jeden „I like“-Button gelernt. Jetzt beginnen sie, uns zu verändern. Der amerikanische Autor Daniel Suarez im Gespräch mit Frank Rieger.

          Frank Rieger: Ihre Romane beschreiben eine Welt, in der die Handlungen der Menschen von Algorithmen vorausgesagt und bestimmt werden. Der Computerpionier Sobol - irgendwie eine Mischung aus Steve Jobs und den Google-Chefs - hat ein Computerprogramm hinterlassen, dem es gelingt, die bereits hochgradig vernetzte und digital anfällige Welt unter seine Kontrolle zu bringen. Was mich als Informatiker am meisten überrascht: Vieles, was Sie beschreiben, ist wirklich technisch möglich, es finden sich praktisch keine Fehler in Ihrem Buch. Rechnen Sie mit größeren Durchbrüchen in der Produktivität und Qualität von Software, die es auch nur entfernt möglich machen werden, ein hyperkomplexes System von der Art Ihres „Daemon“ zu konzipieren und zu programmieren?

          Daniel Suarez: Nein, es ist kein größerer technologischer Durchbruch mehr erforderlich - nur ein weiterer Schritt.

          Rieger: Die „Hauptfigur“ Ihrer Bücher ist ein äußerst komplexes, unglaublich präzise arbeitendes Konglomerat aus AI-Systemen, die weit über die aktuellen Möglichkeiten der Softwareentwicklung hinausgehen. Sobol, der geniale Computerspielentwickler, der sie hinterlassen hat, muss übernatürliche Fähigkeiten besessen haben, um all diese Programme zu schreiben, zu testen und die möglichen Ergebnisse und Geschehnisse modellieren zu können. Oder glauben Sie, man wird sich selbst verbessernde Algorithmen demnächst auch bei der Entwicklung solcher Programme und Algorithmen erfolgreich einsetzen können, in denen man bisher auf harte geistige Arbeit angewiesen ist?

          Suarez: Der „Daemon“ ist natürlich Fiktion, aber unsere Welt ist zunehmend automatisiert, vernetzt und datengetrieben. Schon jetzt treffen beschränkte AI-Bots Entscheidungen, die das Leben weiter Teile der Menschheit verändern - man denke etwa an automatisierte Börsenhandelssysteme oder an die Blackbox-Algorithmen, mit denen die individuelle Kreditwürdigkeit berechnet wird. Diese proprietären Systeme verändern menschliches Verhalten, wenn wir uns bemühen, unsere Punktzahl innerhalb ihres Wertesystems hoch zu halten oder zu erhöhen - ganz ähnlich, wie Spieler in Computerspielen sich gedrängt fühlen, höhere Levels zu erreichen. Und wenn diese Systeme Fehler machen, haben sehr oft Menschen darunter zu leiden. Falls die Systeme profitabel sind, werden sie am Ende zu eigenständigen Institutionen, deren Wartung und Pflege einer Kaste von Hightech-Priestern obliegt, die allein deren dunkle Geheimnisse kennen - ganz so wie bei dem Daemon in meinen Büchern.

          Rieger: Wie würden Sie selbst den Daemon charakterisieren?

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