26.09.2011 · Facebooks „Open Graph“ ist der beängstigende Versuch, ein Netz im Netz zu schaffen. Wer es betritt, braucht es nie wieder zu verlassen: ein gläserner Käfig für die Nutzer und das Paradies für die Werbewirtschaft.
Von Frank RiegerRichtlinien für Lesermeinungen
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In meinem Umfeld gelten diejenigen als cool,
die nicht bei facebook sind. Auch wenn (oder gerade weil) sich trotzdem im Laufe der Zeit viele angemeldet haben.
Ich habe grad mein Profil gelöscht. Ich habe keine Lust mehr auf solch eine nutzlose und auch noch vielleicht gefährliche Geschichte. Das Wesentliche im Leben im Blick zu behalten ist Aufgabe unserer Generationen und keine Spielereien die uns nicht weiterbringen und unsere knappen geistigen und auch körperlichen Energieressourcen anzapfen.
Stellt Euch vor, alle User würden Facebook kündigen!!! Das wäre ein Spaß.
Die wirkliche Bedeutung von Facebook
Die von Herrn Rieger angesprochenen Entwicklungen und Gefahren sind von weitreichender Bedeutung. Auch wenn mancher Leser hier noch eine gewisse Abstandshaltung bewahren kann oder für sich wahrnimmt, so liebt die entscheidende Bedeutung für junge und zukünftige Generationen in Facebook darin, ein Medium der eigenen Profilsuche und -bestimmung zu besitzen. Gerade in der persönlichen Orientierungsphase können Jugendliche mit Art und Inhalt der von ihnen publizierten Äußerungen ihren eigenen Standpunkt finden. So werden sie in unnatürlicher Weise auch emotional an ein Medium gebunden, welches auf der Serverseite ausschließlich rationale Ergebnisse liefert, die verschiedenen ökonomischen Aspekten - und irgendwann auch politischen Aspekten - und deren Lenkern dient.
There is no such thing like a free lunch
Diese Weisheit hat angeblich der Nobelpreisträger Milton Friedmann seinem Sohn eingebläut. Im Klartext: "Es gibt nichts kostenfrei"!
Wenn ich hier lese, dass man von der neuen besseren Welt träumt und irgendwann auf Staaten und "all das altmodische Zeugs" verzichten kann, läuft es mir kalt den Rücken runter. Facebook und Google sammeln Daten. Unsere Daten! Diese Daten werden dann gewinnbringend vermarktet. Die Frage stellt sich, wenn wir auf Staaten verzichten können, wer regiert uns dann? Mr. Zuckerberg? Dann wären wir wieder bei der Diktatur angekommen, weil Facebook dann sicherlich nicht mehr auf freiwilliger Basis ablaufen wird. Zudem wird einerseits der Datenschutz hochgehalten, auf der anderen Seite macht man sich selbst zum gläsernen Menschen. Vielleicht findet es der Ein oder Andere sexy, maßgeschneiderte Angebote zu bekommen, ich erlaube mir den Luxus eine eigene Meinung zu haben und nicht auf einen bestimmten Konsumpfad gelotst zu werden.
Letztlich ist es noch eine freie Entscheidung bei Facebook teil zu nehmen oder nicht. Ich möchte nur darauf hinweisen: There is no such thing like a free lunch!
Der Art. und auch Ihr Beitag stimmen mich nachdenklich. Das Problem daran ist, dass die allermeisten erst dann beginnen nachzudenken, wenn es mehr oder weniger irreparabel ist. Gerade junge Menschen finden es praktisch und auch wichtig dazu zugehören. Das war früher nicht anders. Wer zu meiner Jugend nicht den "richtigen" Parka trug, die falschen Boots und ganz schlimm die falsche Frisur war nicht "uncool", den Begriff kannten wir noch nicht, aber er/sie gehörte nicht dazu. Man wurde nicht auf die angesagten Parties eingeladen etc. etc. Das war es dann aber auch. Nach wenigen Jahren war das Thema abgehakt. Vielleicht gab es noch ein paar "Freunde", die den einen oder anderen Sachverhalt, peinlichen Fehltritt etc. im Gedächnis (Festplatte) hatten, aber das hatte keinerlei Relevanz. Durch FB und andere "soziale" Netzwerke ändert sich der Sachverhalt grundlegend. Privatsphäre verkommt zu einem Fremdwort. Sorge macht mir in diesem Zusammenhang der mögliche soziale und eventuell auch ökonomische Druck, der von außen auf etwaige Verweigerer entstehen kann. Wenn ich schon heute aufgrund einer Nielsen Analyse eine schlechtere Bonität haben kann ohne, dass sonstige harte Fakten vorliegen, dürfte das zukünftig noch an Brisanz gewinnen.
Natürlich ist es ihre freie Entscheidung bei FB mitzumachen oder nicht, aber sie reden von Fehlern die Facebook macht, ohne überhaupt einen Einblick zu haben.
Desweiteren sind sie hier im FAZ-Socialnetwork angemeldet, nur weil nicht Facebook drauf steht ist dieses nicht weniger "verwerflich".
MFG
.. das überhaupt noch über den Sinn oder Unsinn von Facebook diskutiert wird. Es ist da, und es wird so schnell auch nicht wieder verschwinden.
Hier im Forum und im Beitrag zeigt sich sofort die typisch deutsche Nörgelei an allem was neu und ungewohnt ist. Dabei werden leider die Möglichkeiten des "neuen" unter den Tisch gekehrt und nur das negative betrachtet.
Ich sehe in Facebook (und dem gesamten Web 2.0) die Zukunft unseres Planeten. Für einige vielleicht erschreckend, hat sich im Web bereits eine eigene Kultur entwickelt an der Milliarden Menschen teilnehmen. Von daher lehne ich es ab, Facebook als Phänomen oder Hirngespinst abzutun.
Leute, seid bereit für Neues, denn künstliche Grenzen schaden nur der Entwicklung und Verbesserung unserer Gesellschaft.
Für die Zukunft stelle ich mir eine Welt vor in der z.B. Staaten (in welcher Form auch immer) wie wir sie heute kennen nicht mehr existieren. Die Globalisierung, ein friedliches und produktives Miteinander der gesamten Weltbevölkerung sollte das Ziel unserer Zivilisation sein; und auf dem Weg zur Verwirklichung dieser Idee hat uns das Internet als Intrument schon sehr geholfen.
Marc Zuckerberg ist ein Freigeist und wir brauchen noch viel mehr davon!
@shoppe57: Freiwillig? Nein. Facebook führt Dossiers über Nichtmitglieder
Ich bin nicht bei Facebook. Facebook schickt mir eine Mail im Namen eines Bekannten X, der Mitglied ist, und lädt mich ein, auch Mitglied zu werden. In der Mail heißt es: "Weitere Personen auf Facebook, die du vielleicht kennst:", und es folgen Namen und Fotos einiger Leute, die ich tatsächlich kenne - die aber, wie ich telefonisch nachprüfe, alle keine Bekannten von X sind. Das gleiche hat sich einige Male abgespielt, mit jeweils verschiedenen als Absender vorgeschobenen Bekannten.
Die Mitglieder haben Facebook ihre Adressbücher gegeben, damit sie dort treuhänderisch verwahrt werden. Facebook benutzt diese fremden Daten aber für eigene Zwecke: Es werden Schnittmengen der Adressbücher gebildet und so findet Facebook über mich, der ich kein Mitglied bin, heraus, wen ich alles kenne.
"Freiwillig" haben vielleicht die Mitglieder ihr OK zu langen kleingedruckten Geschäftsbedingungen gegeben, in denen Facebook sich das Recht reserviert, mit den ihm freiwillig anvertrauten Daten zu machen, was es will.
Ich aber habe Facebook keine Erlaubnis gegeben, über mich ein Dossier mit meinem Bekanntenkreis anzulegen. Deshalb geht der Vergleich Facebook - Stasi genau in die richtige Richtung.
Ihre Gutgläubigkeit möchte ich haben, Herr Boventer
Sie meinen also, dass Facebook ja auch nichts anderes tut als jeder X-beliebige Werbeverlag ? Das sehe ich allerdings etwas anders. Wie würde es Ihnen denn gefallen, wenn dieser X-beliebige Werbeverlag Ihnen nicht nur hin und wieder ungefragt Werbebroschüren in den Briefkasten steckt, sondern Sie anschliessend auch dabei beobachtet, welche dieser Broschüren Sie mitnehmen, welche Sie gleich in den Müll werfen. Dann schaut er bei Ihnen vielleicht noch heimlich durchs Fenster um zu beobachten, welchen Seiten der Werbebroschüren Sie sich überdurchschnittlich lange anschauen. Dann durchwühlt er vielleicht in der Nacht noch Ihren Hausmüll um zu untersuchen, ob Sie in den Werbebroschüren bestimmte Artikel angekreuzt haben (oder vielleicht nur die junge Dame, die die Pyjamas präsentiert). Und weil der Werbevertreter ja nun sowieso schon bei Ihnen im Müll herumwühlt und alles protokolliert, kann er ja auch gleich noch aufschreiben was er da sonst noch so findet: Adressen von Freunden, einen Rest vom Joint, vielleicht paar Kontoauszüge, eine schwarzgebrannte DVD, leere Viagra-Packung usw. Da kann man schon viel mehr über eine Person lernen, als es sich die Staasi jemals erträumt hatte. Und genauso geht Facebook vor, nur eben im Virtuellen.
Auch ich bin uncool - zumindest per Definition! Trotzdem fehlt mir nichts im Leben...
In einigen Kommentaren wurde erwähnt, das der Grad der "Seelenprostitution" immer vom Nutzer selbst bestimmt wird. Auf den ersten Blick ist es sicher auch so - aber wenn es zum "guten Ton" einer Gruppe gehört, gewisse Dinge auf FB offenzulegen, da man sonst nicht dazugehört? Quasi der altbekannte Gruppenzwang, nur neu verpackt?
Sollte wirklich jemand (oder etwas) einen für uns noch nicht absehbaren Nutzen aus dieser "Totalen Vernetzung" haben, könnte er es doch nicht einfacher haben...die Schäfchen werden ihm folgen!
P.S. Ich habe von einem aktiven FB-Nutzer gehört, dass seine Links zu alternativen Medien auf seinem Profil gelöscht wurden...GEFÄLLT MIR NICHT!
Der Haken: Wenn es FB nicht macht, macht es ein Anderer
Ich bin NICHT bei FB. Dank Laptopdefekt suchte ich kürzlich aus dem gesicherten geschäftlichen Netz mittels Google (ohne amazon, ohne ebay, fern von Paypal) nach diversen Geräten. Ein Geräte schaute ich über die Hompage des Herstellers etwas intensiver an, längst vermeintlich weit weg auch von Google.
Am nächsten Tag bekam ich von PayPal eine Mail, was für ein tolles Superangebot man da für mich habe ...... Es war just das Geät, welches ich intensiv angeschaut hatte.
Ich brauche FB nicht. Wer allerdings in den transparenten Informationen von FB das Feindbild schlechthin sieht, sollte sich hüten, die unsichtbaren Machenschaften der Anderen zu unterschätzen. Sie sind mindestens ebenso gefährlich, vielleicht sogar schlimmer, weil unsichtbar.
Ich erhalte mehr Werbe-Muell durch den guten alten Briefkasten, als durch Facebook oder Google. Diese permanente Angst gegenueber Offenheit sagt uns ebensoviel aus ueber die offline Personen wie ueber Facebooker. Dabei faellt es beiden Parteien leicht, sich gegenseitig online zu beleidigen, ich habe aber noch kein konkretes Pro oder Kontra gehoert, nur Aengste und Traeume. Beides ist uebertrieben.
Der Artikel ist auch nur ein weiterer Aufguss des ewigen Vorurteils, irgendwer würde im Internet ohnehin immer nur auf das Geld der Nutzer schielen und ihn irgendwann einmal mit sehr viel Werbung bombadieren. Meine persönliche Erfahrung dazu nach all den Jahren (auch bei CompuServe und AOL!) ist: es passiert nicht. Wo ist denn überhaupt die Werbung bei Facebook?
Herr Rieger kann wohl ohne digitale soziale Netzwerke nicht sein, sonst würde er die Bedeutung von "facebook" nicht so überbetonen. Facebook ist nicht essentiell für mein Leben und wird es wohl auch niemals sein. Bei vielen meiner Freunde ist dies genauso.
Für wesentlich gefährlicher als irgendwelche Werbung halte ich eher die Zeitverschwendung, zu der viele Angebote im Internet animieren. Da ärgere ich mich tatsächlich selbst manchmal, wieso ich meine Zeit nicht sinnvoller genutzt habe.
Ich habe Informatik studiert und bin 30 Jahre alt; typischer FB Kunde. Ich bin kein FB-Nutzer, war nie einer und werde nie einer sein. Ich bin uncool.
Der ganze Artikel enthält einen wirklich enorm wichtigen Satz: "Wer nicht mitmachen will [bei Facebook], ist schon per Definition uncool." Warum ist sojemand "uncool"? Wohl doch nur, weil derjenige sich das einreden lässt. Von wem einreden? Nicht von FB, oder "dem Internet" oder sonst irgendwem, sondern von seinem "sozialen Umfeld". Wer nicht den Mut einfach mal "uncool" zu sein, der geht halt eben zu FB und teilt seine Privatsphäre mit der Welt. Das ist aber sicherlich nicht der Fehler von FB. Es ist auch nicht der Fehler von FB, dass der Nutzer seine Privatspären-Einstellungen so wählt, das alles vom täglichen Gewichtsupdate bis zur Bettgeschichte öffentlich im Internet landet. Nein, es ist der Fehler des Menschen. Soviel zum "FB ist böse"-Gewäsch.
Der negative Höhepunkt des Artikels ist die "Stasi-Behauptung": Dieser Vergleich hinkt in allen Dimensionen; ein FB-Nutzer wird zu nichts gezwungen, muss nichts preisgeben und hat Werkzeuge, um die Informationspreisgabe genau zu steuern.
@David Boventer: Die Angst vor dem Wandel
Ihre These "FB erfasst nur die Einzelheiten, die sie preisgeben" ist doch Kern der Problematik in dem Artikel. Zum einen werden diese Einzelheiten durch Harware und weiter Anbindungen vervollständigt und automatisiert. So ist klar beschrieben, dass jede Einzelheite, jede Minute, die nicht auf FB geteilt wird, für FB ein Verlust. FB optimiert dahingehend, dass Sie sich animiert fühlen, jede Einzelheit zu teilen. Dabei ist es nicht FB, das fragt, sondern ihre Freunde, Bekannte und Kollegen, die auf FB fragen. Denen teilen sie sich mit. Ihre Einzelheiten haben sie vlt. in 2 Wochen vergessen, aber FB vergisst nie eine ihrer Einzelheiten. Zum anderen, daher hier die Crux, führt FB ihre Einzelheiten zu einem großen und Ganzen zusammen. Sie werden in Ihrer Wahrnehmung, sowohl in Perspektive als auch Vielfalt, massiv beschränkt und nur noch auf subtile Werbebotschaften getrimmt.
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Ich wurde neulich von meinem Freund verärgert angehauen, warum ich denn die FB Einladung nicht angenommen habe. "Ich bin da schon lange raus und habe meine Daten und Account gelöscht", sagte ich. "Nö, du bist da noch mit Bild drin", sagte er. Mit meinen Daten anmelden kann ich mich aber nicht mehr.
die Freiwilligkeit, manchmal auch als Illusion der Entscheidung bekannt. Immerhin -wie an anderer Stelle hier in einem Blog erwähnt- leben wir im Alter des großen Narzissmus, der Pseudoaufklärung und dem Finden einer neuen Moral. Der Boom mit FB scheint auf drei Grundpfeilern zu beruhen: Aufebung der Privatsphäre, die Sinnhaftigkeit des Lebens durch seine (vornehmlich optische) Präsentation und das Bedürfniss sich zu vernetzen, in Gemeinschaft zu sein, dazu zu gehören (gruppenbildung). Als Zuckerberg vor Jahren die Aufhebung der Privatsphäre propagierte , ahnte er selbst wohl kaum, wie groß das Bedürfnis ist, sich in kleinsten Lebensbereichen abzugleichen und soziale Sicherheit durch Minikommunikation zu erhalten, auch wenn das meiste pseudo ist. Als Pedant zur phänotypischen Entwicklung eines Humangehirns (d.h die Vernetzung der Hirnzellen) scheint sich dies auf höherer Ebene zu wiederholen (Ontologie). Facebook nimmt dabei die Rolle des Rebells und meist oberflächlichen Konsumenten ein, auf der Suche nach Neuem, Aufregendem, Ablenkendem, Sinnhaftem. Für die gelangweilten User einer Demokratie eher Fluch, für das Aufbegehren z.B. in den arabischen Ländern eher ein Segen.
Hätte damals nie gedacht, dass Orwells Vision mal so nahe an die Möglichkeiten der Realität kämen. War völlig übertrieben. Dachte ich.
Der Unterschied ist heute aber nur, dass die Initiative, alle Infos gläsern zu machen, nicht vom Staat, sondern vom genau entgegengesetzten Punkt der Pyramide aus geht.
Dieser Text ist doch keinesfalls komplett gegen Facebook, sondern zeigt nur mögliche Folgen und einschitte in das Leben eines jeden Nutzers. Ich denke die Wenigstens wollen, dass jeder alles über Sie weiß und es kaum zu verhindern ist, dass intime Daten und Lebensstile aller Welt zugänglich sind. Aber gegen eine verantwortliche Nutzung ist ja nichts einzuwenden.
Eines wird leider ausgespart...
In diesem Artikel wird ein Aspekt leider ausgespart im Gegenüberstellen vom bisherigen Leben und das Leben mit/in einem sozialen Netz:
Der Autor tut so, als ob alle Veränderungen "neu" seien, insbesondere die Auswirkungen auf instabile, selbstunsichere Menschen, die von Google und Facebook in die Konsumfalle gelockt werden sollen...
Nein, das ist nicht neu! Nur anders! Bereits heute tragen viele Menschen bestimmte Kleidung, weil sie "cool" sein wollen, bereits heute reihen sich Menschen in soziale Offline Netzwerke ein und lassen sich beeinflussen.
Bereits heute konsumieren wir mehr unterbewußt gelenkt, als der Autor sich vorstellen mag.
Die mangelnde Kritik daran, die einseitige Fokussierung auf soziale Netzwerke zeigt, dass der herkümmliche Konsumismus es immer noch schafft intelligente Menschen zu täuschen.