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Der Politiker und das Netz : Ich beginne zu begreifen

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Zum Twittern bekehrt: Peter Altmaier, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Bild: Hans Christian Plambeck/laif

Peter Altmaiers Weg zum vernetzten Politiker: Nach vier Wochen wird aus dem Internet-Gelegenheitsnutzer ein Dauertwitterer. Eine Chronologie.

          Sonntag, 18. September: Die Piratenpartei erreicht bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus sensationelle 8,9 Prozent der Wähler. Das erreicht man normalerweise nicht aus dem Stand. Und Plakate oder Anzeigen der Piraten habe ich eigentlich kaum gesehen. Mir dämmert, dass wir etwas verpasst haben.

          Mittwoch, 21. September: Bei Anne Will in der Talkshow zum Wahlerfolg der Piraten. Christoph Lauer von den Piraten hat ein Heimspiel: Drei Viertel des Publikums sind junge, höfliche und begeisterungsfähige Piraten. Wo sie plötzlich herkommen, ist ein Rätsel. Ich denke an Twitter und Facebook, und ich habe eine Ahnung.

          Donnerstag, 22. September: Mein Auftritt bei Anne Will wird im Netz diskutiert. Besonders mein Satz zu Bärbel Höhn von den Grünen, "Ich fürchte, je länger Sie reden, desto mehr Prozente verlieren Sie an die Piraten", findet lebhafte Zustimmung und verbreitet sich in Windeseile. Mein Interesse ist geweckt.

          Freitag, 23. September: Ohne Rücksprache reservieren meine Mitarbeiter vorsorglich den Twitter-Account @peteraltmaier. Noch bevor ich den ersten Tweet gelassen habe, melden sich mehr als 150 Follower. Ich bin fasziniert.

          Sonntag, 25. September: Ich mache den ersten harmlosen Tweet und stelle fest, dass im Netz ein Tsunami tobt. Siegfried Kauder, der Vorsitzende im Rechtsausschuss, hat Internetsperren angekündigt für User, die wiederholt das Urheberrecht verletzen. Alles, was Dorothee Bär, Peter Tauber und Thomas Jarzombek über Jahre aufgebaut haben, ist gefährdet. Kurz entschlossen tweete ich: "Kauder-Strikes geht gar nicht: Wer Bücher klaut, ist kriminell, aber man nimmt ihm nicht die Lesebrille weg." Das Echo ist gewaltig, der Spruch wird mehr als einhundert Mal retweetet, erreicht Zehntausende User. Zwei Tage später steht er in vielen Zeitungen. Ich beginne zu begreifen.

          Freitag, 30. September: Das Plenum debattiert über Entwicklungspolitik. Plötzlich sehe ich, dass Volker Beck über Twitter seine Followers agitiert: Die Koalitions-Bänke seien leer, die Kanzlerin nicht da - skandalös! Ich sitze zwei Bänke vor ihm und tweete zurück: Die Kanzlerin ist in Polen, und die Oppositionsbänke sind noch leerer. Beck droht über Twitter mit Hammelsprung, ich lasse vorsorglich die Fraktion alarmieren: "Bitte ins Plenum kommen, wir haben keine Mehrheit." Die Reihen füllen sich, Volker Beck grinst. Ich habe was gelernt.

          Donnerstag, 13. Oktober: Fünfhundert Tweets und 1700 Followers später. Ich habe getweetet zur gescheiterten SPD/Grünen-Koalition in Berlin, zum Euro, zum Staatstrojaner, zu Arbeitsbedingungen in China und zum Tode von Steve Jobs. Fragen beantwortet, so gut ich konnte, argumentiert, gescherzt und gekämpft. Jedes Mal, wenn ich mich im Netz melde, gibt es prompt Reaktionen, Kritik, Hinweise, Wünsche, manchmal auch Komplimente, Ermutigung und Lob. Ich kenne viele User mit ihren Stärken und Schwächen. Ich fühle mich hier zu Hause, die Sache macht mir richtig Spaß.

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