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Bloggerkonferenz „re:publica“ : Die Digitale Gesellschaft befragt das Internet

  • -Aktualisiert am

Homepage der re:publica XI Bild: re-publica.de

Deutschland interessiert sich zu wenig für Netzpolitik. Das will die „Digitale Gesellschaft“ ändern, die auf der heute eröffneten Bloggerkonferenz re:publica gegründet wurde. Vorbild sind ökologische Organisationen wie Greenpeace.

          Das Internet gehört zum Alltag der Menschen in Deutschland, die Internet-Politik nicht. Facebook, Twitter, Google Maps, Youtube-Filmchen und viele andere Angebote werden einfach genutzt. Fragen, wie die freundlichen Netzhelfer das Internet selbst verändern, wenn sie große Server-Systeme betreiben, alte Bücher digitalisieren oder Freundschaftsbeziehungen auswerten, werden selten gestellt.

          Das will die „Digitale Gesellschaft“ verändern, ein Berliner Verein, der Lobbyarbeit für „Netzpolitik“ betreiben will. Zur Eröffnung der Blogger- und Twitterer-Konferenz re:publica wurde die Webseite des Vereins
          (digitalegesellschaft.de) freigeschaltet. Als erste Lobby-Aktion wurde ein Mitmach-Wettbewerb namens „#Warum?“ gestartet: Internet-Nutzer sollen Fragen an Politik und Wirtschaft stellen, die die „Digitale Gesellschaf“ bündeln und weiterleiten will.

          Das eigene Warum-Erelbnis

          „Warum gibt es nicht 1% der Rundfunkgebühren fürs Netz?“ „Warum ist dieses Video in meinem Land nicht verfügbar?“ „Warum können verwaiste Werke nicht in Public Domain überführt werden?“ Diese bislang gesammelten Fragen im Wettbewerb zeigen die Richtung, in welche die „Digitale Gesellschaft“ gehen will. Mit einfachen Beispielen soll begreiflich gemacht werden, wie komplex Netzpolitik sein kann.

          „Jeder Nutzer im Internet hat sein eigenes Warum-Erlebnis,“ so Vereinsgründer Markus Beckedahl gegenüber der F.A.Z., „hinter solchen Fragen stehen politische Themen, auf die die etablierte Politik selten Antwort gibt.“ Rund zwanzig Mitstreiter hat Beckedahl zum Start im Verein versammelt, das Gros aus der Berliner Netz-Szene, die ohnehin in Austausch mit Politik und Wirtschaft steht und etwa die Enquete-Kommission „Internet und Gesellschaf“ des Bundestages beschickt.

          Das folgenlosen Engagement des Couchsurfers

          Die „Digitale Gesellschaft“ hat ihre Vorbilder in Organisationen wie BUND, Nabu oder Greenpeace, die ökologische Fragen in die Gesellschaft tragen und spektakuläre Aktionen durchführen. UnterEine klassische Netzorganisation wie die 20 Jahre alte amerikanische „Electronic Frontier Foundation“ (EFF) gehört nicht dazu. „Die EFF sammelt nur Gelder und bezahlt davon Anwälte, die irgendetwas verteidigen. Und der Chaos Computer Club (CCC) deckt technische Missstände auf. Das alles wollen wir nicht, wir wollen aufklären“, sagt Markus Beckedahl.

          Spannend wird es zu beobachten sein, mit welchen Mitteln die „Digitale Gesellschaft“ ihre Kampagnen umzusetzen gedenkt, und wie die Resonanz aus dem Netz ausfällt. Mit digitalen Schlauchbooten vor schwimmenden Facebook-Freundschaftstankern kreuzen, den Schlot einer Serverfarm von Google erklettern, all das ist im digitalen Leben nicht möglich - oder es ist sehr einfach: Ein Klick und schon prangt ein Protest-Button auf einem Blog, ein weiterer Klick und schon ist eine E-Petition gezeichnet. Kritiker sprechen hier vom Slacktivismus, dem ebenso bequemen wie meistens folgenlosen Engagement des Couchsurfers.
          Die „Digitale Gesellschaft“ steht vor der Herausforderung, genau diese Form der E-Enthaltung zu überwinden

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