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Veröffentlicht: 17.03.2014, 16:28 Uhr

Digitale Aufklärung Ein gefährlicher Pakt

Das digitale Denken reduziert unsere Welt auf messbare Objekte. Das Gewinnstreben verpasst jedem dieser Objekte ein Preisschild. Am Ende ist alles Ökonomie. Da sollten wir nicht mitspielen.

von Ranga Yogeshwar
© REUTERS Als User akzeptieren wir es, auf die Summe unserer messbaren Attribute reduziert zu werden.

Die schützenden Wände unserer Privatsphäre sind feucht geworden. Schimmelflecken werden sichtbar, doch die ersten Reparaturversuche versagen kläglich: No-Spy-Abkommen, Delegationen in Washington, Kommissionen im Bundestag, Obamas Reden, Merkels Appelle: Es hilft nichts, das Problem ist weiterhin virulent, und immer mehr dunkle Flecken tauchen auf - überall.

Das demokratische Gebäude nimmt Schaden, und die Quelle des Übels lässt sich nicht abstellen. Die Daten fließen munter weiter - von uns an sie: Bankdaten, Einkaufspräferenzen, Ortsangaben. Die wohl erstaunlichste und erschreckendste Erkenntnis seit dem letzten Sommer ist unsere Unbekümmertheit: Wir wissen, dass sie unsere privatesten Dinge speichern und auswerten, aber wir ändern nichts und posten und chatten hemmungslos weiter. Warum ist das so?

Vielleicht fehlt derzeit das sichtbare Beispiel, das sichtbare Opfer dieser Datendestillation. Jemand, der seinen Job verliert oder jemand, der unschuldig im Gefängnis sitzt. Anders als bei Gestapo und Stasi werden wir nicht Zeugen, wie unser Nachbar frühmorgens aus dem Bett geklingelt und verhaftet wird. Keine Gefangenen, keine Folteropfer, keine Verletzten, und so ziehen wir alle einen fatalen Schluss: Das digitale Tier ist lieb und tut keinem etwas! Warum also Angst haben?

„Es ist so bequem, unmündig zu sein“

Talkshows, Leitartikel, Podiumsdiskussionen und Appelle jedweder Art schaffen es nicht, das gesellschaftliche Bewusstsein zu ändern - im Gegenteil. Die digitale Alltagserfahrung ist ungemein praktisch: Die App zum Auffinden des Restaurants, die schnelle und bequeme Art des Online-Ladens und das vibrierende Smartphone mit der nächsten Whatsapp-Mitteilung. Es ist so bequem und wunderbar einfach.

Immanuel Kant hatte in seiner Definition der Aufklärung auf das eigene Denken hingewiesen - das „sapere aude“. Der Großmeister hatte in einem Atemzug vor dem Gift unserer Bequemlichkeit gewarnt: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen. . . es anderen so leicht macht, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.“ Seine Gedanken hallen nach, doch im aufbrechenden digitalen Zeitalter droht aus der Unmündigkeit eine vollständige selbstgewählte Entmündigung zu werden.

Um diese Verschärfung zu begreifen, muss man die Auswirkungen mehrerer Entwicklungen in ihrer synergetischen Kraft verstehen:

Zunächst steht da der immense technische Fortschritt. Heutige Mobiltelefone besitzen die Speicherkapazität ganzer Rechenzentren meiner Studienzeit, die Datenverarbeitung unserer Desktops übertrifft die Leistung der besten Supercomputer im Kalten Krieg um ein Millionenfaches. Die Integrationstechnik stößt mit Nanosensoren in neue Dimensionen und die zunehmende Vernetzung aller Apparate verstärkt das große Gewitter des Fortschritts. All das ist gleichermaßen faszinierend und unfassbar, selbst für Eingeweihte, und dabei nimmt die Entwicklung gerade erst Fahrt auf.

Intelligente Vielfalt folgte auf Sklaverei

Betrachtet man die Konzepte im Detail, dann offenbaren sich fundamentale Veränderungen in der Art und Weise, wie wir denken. Dazu ein kurzer Exkurs in die Informationstechnik. Frühere Programmiersprachen verliefen noch nach stur imperativen Ansätzen: Befehl und Gehorsam. Master and Slave. Die Codes waren linear und in sich geschlossen, gefangen in einem abgekapselten Teil unserer Realität.

Es gab eine fast monarchistische Grundstruktur. Im Zentrum die „Central Processing Unit“, umgeben von ihren Sklaven. Doch dann kamen Mikroprozessoren und Internet und stürzten die zentralistischen Weltbilder der Informationswissenschaft. Die Sklaverei wurde abgeschafft, und eine intelligente Vielfalt entstand.

Heutige Software ist ein Gemisch aus zahlreichen nebeneinander laufenden Streams und Ereignissen, die wiederum andere Ereignisse auslösen. Die Welt wird dabei häufig mit „objektorientiertem“ Code abgebildet, und, für alte Programmierer gewöhnungsbedürftig, moderne Software ist erschreckend offen und ungebunden. Bibliotheken und Klassen werden von überall importiert, Methoden auf fremden Systemen abgerufen und geladene Skripte abgefeuert im guten Glauben, dass sie auch das leisten können, was sie versprechen.

Internet der Dinge © dpa Vergrößern Nicht nur Computer und Smartphones sind ans weltweite Netz angeschlossen, sondern alle möglichen Geräte - von der Waschmaschine bis zum Garagentor.

Kaum ein Laie macht sich ein Bild davon, wie immens der Anteil des „Vertrauens“ beim heutigen Programmieren ist. Man steckt vielfach Einzelteile zusammen, ohne wirklich zu wissen, was innerhalb der Softwareschnipsel alles abläuft. Das Verhalten moderner Softwaresysteme ist dabei derartig komplex geworden, dass ein profundes Austesten immer schwerer wird.

Im „Weltbild“ dieser Programme leben unzählige „Objekte“ - virtuelle Akteure mit Eigenschaften, die Aufträge erledigen, ihren Zustand verändern und sich mit anderen Objekten austauschen. Die veränderten Paradigmen und Gedankenmodelle der Softwarebranche haben schon längst unsere reale Welt infiziert.

Als ich vor etwa dreißig Jahren in einem Vortrag Alan Kay, den Vater der objektorientierten Programmierung, hörte, klangen seine Visionen noch kühn und abstrakt: „Alles ist ein Objekt!“ Inzwischen feiern wir das „Internet der Dinge“, und unbemerkt beginnen die Computersysteme damit, auch uns Menschen, unser Zuhause, unser Verhalten und unsere Biographien als Objekte zu behandeln: Sie wenden Methoden an, um unsere Attribute zu lesen und zu verändern, sie bilden uns ab als digitales Profil und, ohne es zu merken, beginnen wir damit, ihren Kategorien zu entsprechen.

Computer programmieren unsere Schönheitsideale

Glauben Sie nicht ? Ich sage nur: Antifaltencremes! Die Titelbilder vieler Zeitschriften sind digital nachbearbeitet. Die hübschen Frauen sind Avatare, denn durch digitale Bildbearbeitung wurden ihre Falten geglättet, Sommersprossen entfernt und Augenlider aufgehellt. Am Ende sieht dann alles „schön“ aus, und wir, die wir in der Wirklichkeit zurückbleiben müssen, werden mit diesen provokant perfekten Artefakten konfrontiert.

Die Konsequenz: Wir versuchen dem vorgelegten Ideal zu entsprechen, glätten unsere Falten, straffen unsere Haut und beginnen, unseren Körper zu formen. Die „ästhetische Medizin“ boomt, und das „Body-shaping“ erfasst immer jüngere Menschen. Wenn Sie immer noch zweifeln, dann schauen Sie sich die Zähne der Politiker vor vierzig Jahren an. Damit würde heute niemand mehr eine Wahl gewinnen! Die digitale Welt ist schön und fordert die reale Schwester heraus. Computer und Mensch - wer programmiert am Ende wen?

Wir haben uns da auf ein faszinierendes Spiel eingelassen: Zunächst ist es eine ergreifende Erfahrung, denn sie verleiht dem Programmierer das Gefühl größter Freiheit und Macht. Wir können auf völlig neue Weise unsere Welt gestalten und erfinden, wenn wir nur die Spielregeln dieser Denkart übernehmen. Wir müssen die rationale Reduktion und Abstraktion erlauben. Die feinen individuellen Unterschiede, Auslegungen, Zufälle, Launen und Vorlieben, eben genau das, was uns so menschlich macht, werden ignoriert, damit wir in das digitale Raster berechenbarer Größen passen.

Wir akzeptieren stillschweigend, dass der Mensch auf die Summe seiner messbaren Attribute reduziert wird, eben zu einem digitalen Objekt wird. Und genau hier verläuft der Faustsche Pakt: Wir erhalten Macht, wenn wir dafür einen Teil von uns selbst opfern.

The winner takes it all

Das Motiv all dieser Modellierungen ist ein ökonomisches Kalkül, und damit sind wir beim zweiten Motor dieser synergetischen Entwicklung.

Die Ökonomie profitiert auf immense Weise von diesem Wandel, denn die Welt digitaler Transparenz, Messbarkeit und Vergleiche ist der ideale Nährboden für das perfekte Businessmodell. Wer hier die Regeln beherrscht, wird mächtiger als jeder andere, denn für den Zweiten gibt es bald keine Existenzberechtigung mehr. The winner takes it all. Die digitale Denkart reduziert unsere Welt auf messbare Objekte, und die ökonomische Gesinnung verpasst jedem Objekt ein Preisschild.

Dieser Pakt zwischen Ökonomie und digitalem Denken akzeptiert keine Grenzen, denn aus allem kann man ein Businessmodell machen. Selbst mit „Liebe ist kein Zufall“ wirbt ein Online-Partnerportal. Wenn Menschen zu kalkulierbaren Objekten werden, dann kann man diese Objekte auch sortieren und miteinander kombinieren: „Digitale, arrangierte Heirat - so habe ich deine Mutter kennengelernt, doch dann kam ein Update und wir haben uns getrennt. . .!“

Geheimdienste überwachen und keiner wehrt sich

Im Gegensatz zu Europa verfolgen die Vereinigten Staaten eine konsequente Strategie und fast täglich erreichen uns Meldungen neuer vereinnahmter Kolonien: Google hat zum Beispiel vor wenigen Wochen das kleine Thermostatunternehmen NEST gekauft - für Insider ist diese Akquise logisch: Google wird demnächst an ihre Tür klopfen, die Lichtschalter austauschen und an ihrer Heizung drehen. Der Datenriese wird bei Ihnen einziehen mit bunten Apps und energiesparenden Smartpads. Sie selbst werden ihm die Tür weit aufreißen und ihn hereinlassen, wie einst die Eingeborenen die portugiesischen Seeleute begrüßten.

Damals staunten die Schiffschronisten über den freundlichen Empfang, den die Eingeborenen den Fremden bereiteten, über ihre Offenheit und ihren Mangel an Besitzdenken. Frauen liefen nackt herum, denn sie hatten „nichts zu verbergen“. Auf den neuen Glasperlen steht der Spruch: „Weil er Ihr Leben so bequem macht“, und auch heute glauben viele, dass sie nichts zu verbergen haben.

Noch stehen wir am Anfang dieser globalen Übernahme, und spätestens seit letztem Sommer, seitdem der Whistleblower Edward Snowden der Welt diesen Masterplan offenbarte, sollte jedem von uns die ungeheure Dimension deutlich sein. Doch was hat Deutschland, was hat Europa zu entgegnen? Nichts! Wo bleiben die europäischen Reaktionen auf den NSA-Skandal, wo die spürbare Widersetzung gegen diese fulminante Verletzung unserer Grundrechte?

Freibrief für das Ausspähen von Nichtamerikanern

Die amerikanische Hochnäsigkeit wird achselzuckend akzeptiert. Und die gutgläubige Hoffnung auf ein „No-Spy-Abkommen“ dokumentiert die beängstigende Ignoranz unserer Politik. Ein Blick in die amerikanische Gesetzgebung reicht aus: Caspar Bowden, ehemaliger Privacy-Experte bei Microsoft, sezierte die Organe des Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA).

Er verfasste daraus ein offizielles Briefing für die EU: Nach amerikanischem Recht ist die massive Ausspähung privater Daten von nicht-amerikanischen Bürgern zulässig und rechtlich erlaubt. Die Gesetze des FISA-2008 Section 702 sind ein Freibrief für das Sammeln aller Daten von Nichtamerikanern.

Eine präzise Analyse der geltenden Rechtssituation in den Vereinigten Staaten, noch vor den Offenbarungen Snowdens, hätte bei jedem EU-Datenschützer Alarm auslösen müssen. Doch keiner dieser Beamten hat seine Hausaufgaben gemacht. Als die Bundeskanzlerin im vergangenen Jahr erklärte: „In Deutschland gilt deutsches Recht“, wurde offensichtlich, dass unsere Volksvertreter die im Grundgesetz verankerten Persönlichkeitsrechte von uns Bürgern auf fahrlässige Weise missachten. Stattdessen wurde der Google-Chef Eric Schmidt vom französischen Präsidenten wie ein Staatsgast empfangen.

Kreative Entfaltung des Bürgers als Chance des Internets

Martin Schulz unterstreicht in seinem bemerkenswerten Aufsatz („Technologischer Totalitarismus - Warum wir jetzt kämpfen müssen“, F.A.Z. vom 6. Februar), dass es eine soziale Bewegung braucht, damit wir aus der Abhängigkeit und Kontrolle der heutigen digitalen Großmächte befreit werden, unabhängig davon, ob es sich dabei um Nationalstaaten oder globale Konzerne handelt. Schulz hat recht, und bei ihrer Suche nach einer Neuorientierung müsste die FDP hellhörig werden.

Code.org © AP Vergrößern Die Initiative Code.org will bereits Kinder mit der Sprache der Programmierer vertraut machen und sie so an Informatik heranführen.

Das verdeckte Potential des Internets liegt nicht zwingend in der Stärkung von Großkonzernen und Geheimdiensten, sondern in der Entfaltung des Bürgers. Hier schlummert eine epochale Chance für die Demokratie, und an manchen Beispielen erkennt man bereits, wohin der Weg führen könnte. Wenn wir Bürger die Fesseln des stillen Konsumentendaseins ablegen, unsere eigene Kreativität entfalten und bündeln, dann wäre jeder Konzern in seiner Macht empfindlich eingeschränkt.

Der Open-Source-Gedanke ist ein direkter Angriff auf ein ökonomisches Denken, welches bislang nur Minderheiten zu den Gewinnern des Fortschritts macht. In der Softwarebranche etabliert sich allmählich eine alternative Kultur des Teilens: Unzählige offene Apps, Programme und Betriebssysteme schießen wie Pilze aus dem Boden. Ironischerweise zeigen auch hier die Vereinigten Staaten, wie es gehen könnte. Im vorigen Jahr formierte sich dort eine breite Initiative mit dem Namen code.org. Jeder Bürger sollte demnach seine Passivität abstreifen und die Sprache des 21. Jahrhunderts erlernen, also selbst programmieren lernen.

Zwanzig Millionen Menschen nahmen am einstündigen Schnupperkurs teil. Fünfhunderttausend von ihnen setzten den Kurs mit den ausführlichen online-tutorials fort. Infolge dieser Kampagne wurde in fünf amerikanischen Bundesstaaten in mehr als hundert Highschools der Informatikunterricht eingeführt oder grundlegend neu konzipiert.

Teilen statt Gewinnmaximierung

Auch hierzulande gärt es. Die sharing economy, bei der das Offenlegen und Teilen im Fokus steht, nimmt Fahrt auf. Crowdfunding und Crowdsourcing sind auf dem Vormarsch. Internetplattformen, bei denen jeder sich einbringen und neuen Ideen zu ihrer Realisierung verhelfen kann, verbuchen ein massives Wachstum. Kein Investmentbanker, keine Geheimniskrämerei, wie bei neuen Industrieprodukten, keine kapitalistische Gewinnmaximierung auf Kosten anderer. Hier spielt das Volk, also jeder von uns, seine Macht aus, und die einende Funktion des Netzes stellt selbst Großkonzerne in den Schatten.

Immer mehr junge Menschen setzen auf das Prinzip „Nutzen statt besitzen“ und machen dem klassischen Konsumgedanken einen Strich durch die Rechnung. Selbst der Neukauf von Autos verbucht in den letzten Jahren in der Gruppe junger Menschen spürbare Rückgänge, denn Carsharing-Angebote verändern den Markt.

Die neuen Produkte setzen nicht Gewinnmaximierung an die erste Stelle, sondern ethische Normen und faire Entlohnung. In den Medien kaum beachtet, boomen kostenlose Lernplattformen, Repaircafés und Austauschbörsen. Selbst auf dem hart umkämpften Mobilfunkmarkt entstand im vergangenen Jahr über die Vernetzung der vielen das „Fairphone“. Der Erfolg dieses Produktes, bei dem die einzelnen Rohstoffe und detaillierten Herstellungsprozesse offengelegt werden, ist beträchtlich.

Das Internet als Geburtshelfer einer demokratischeren Welt

Der Designer Dave Hakkens sorgte sich um den wachsenden Berg an Elektronikschrott und präsentierte die Idee eines modularen Handys - phonebloks: Statt alle paar Jahre das neue Modell eines Smartphones zu erwerben, schlug er ein cleveres Modulsystem vor, bei dem sich Batterie, Display oder Prozessor einzeln austauschen lassen. Sein Konzeptvorschlag erreichte im Netz mehr als 360 Millionen Menschen, und die überwältigende Zahl von Unterstützern ließ aus seiner Idee ein Produkt werden.

Carsharing © dpa Vergrößern Sharing Economy: Der Neukauf von Autos geht zurück, stattdessen boomen Carsharing-Angebote.

Die Fließrichtung der Wirtschaft vom Produkt zum Konsumenten hat sich über Nacht umgekehrt und macht plötzlich die Industrie zum Dienstleister des informierten Kunden. An vielen Stellen zeigen sich erste feine Risse im Fundament unserer ökonomischen Struktur. Spinnt man diesen Gedanken weiter, entspringt daraus eine echte new economy.

Das Internet würde zum Geburtshelfer einer demokratischeren Welt. Dieser Weg wäre unsere Antwort auf ein System des Misstrauens, des Ausspionierens und der Verselbständigung globaler Finanzsysteme. Vertrauen, Offenheit und Fairness sind auf Dauer der zivilisiertere und ökonomisch günstigere Weg, jedoch bedarf es hierfür einer globalen Einsicht. Verspricht dieser Ansatz Realität zu werden, oder begraben wir diese Vorstellungen als reine Utopie?

Das digitale Misstrauen werden wir irgendwann bereuen

Der jetzige Kurs würde in seiner Entwicklung eine digitale Hochrüstung zur Folge haben und eine Welt von Firewalls, Kontrollen und Cyberkrieg zwischen Europa, den Vereinigten Staaten und China bedeuten. Ich meine, wir sollten Mut beweisen und den besseren Weg wagen.

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Erinnern wir uns: Die nukleare Hochrüstung erreichte im Kalten Krieg derart perverse Ausmaße, und die Explosion der Kosten beendete schließlich die Spirale des gegenseitigen Overkills. Heute gibt es einen globalen Konsens, dass Atombomben keine reale Option sind. Die Arsenale der Mächtigen schwellen ab.

Ranga Yogeshwar © dpa Vergrößern Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar: „Ich meine, wir sollten Mut beweisen und den besseren Weg wagen.“

Aus heutiger Sicht hätten wir uns dieses nukleare Spiel schenken können, und jede Nation hätte wohl davon profitiert, wenn wir etwas früher begriffen hätten. Vielleicht sollten wir uns von klugen Ökonomen die langfristigen Kosten des digitalen Misstrauens vorrechnen lassen. Unser Bewusstsein muss sich ändern, und genau dafür müssen wir jetzt kämpfen.

Glosse

Eine absolute Ausnahmeliste

Von Helmut Mayer

Erst befördert ein Spiegel-Redakteur das umstrittene Buch auf die Bestsellerlisten, nun befördert es das Magazin wieder heraus. Über einen kontraproduktiven Eiertanz. Mehr 20 144

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