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Die Wurzeln des Glaubens : Ist Jesus der Prophet des Islams?

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„Das Christentum hat sich von unten durchgesetzt” (Ohlig): Papst Benedikt am Petersplatz Bild: AP

Vieles am Christentum, was Erbe der Antike ist, ist uns heute nur noch als Mythos verständlich. Ein Gespräch mit dem Theologen Karl-Heinz Ohlig über erfolgreiche Religionen und die Frage, wie man von Muhammad auf Jesus kommt.

          Vieles am Christentum, was Erbe der Antike ist, ist uns heute nur noch als Mythos verständlich. Ein Gespräch mit dem Theologen Karl-Heinz Ohlig über erfolgreiche Religionen und die Frage, wie man von Muhammad auf Jesus kommt.

          Herr Professor Ohlig, kann es sein, dass uns die Kirchengeschichte der Antike mehr angeht, als es den Zeitgenossen bewusst ist?


          Das stimmt schon deshalb, weil das Christentum damals die Gestalt angenommen hat, die dann als die christliche schlechthin von uns Abendländern übernommen wurde. Eine Gestalt, die aber jetzt in die Krise gerät.


          In welche ihrer vielen Krisen?


          Vieles am Christentum, was Erbe der Antike ist, ist uns heute nur noch als Mythos, nicht aber als Glaubensinhalt verständlich. Also muss man die Antike danach befragen, was ist wirklich das Christentum? Und was ist hellenistische Einkleidung, die heute nicht mehr gelebt und geglaubt werden kann.


          Wann immer apokryphe Evangelien, gnostische Texte wiederentdeckt werden, kommt einer und sagt: das sei das wahre Christentum.

          Das macht nur die Sensationspresse. Was ich meine, ist die historisch-kritische Erforschung der Texte, die Frage, welche kulturellen Einflüsse damals die Lesart der Texte bestimmt haben.


          Der Papst bezeichnet sich selbst als einen Mann der Vernunft.


          Der Papst meint, dass erst die Verbindung des Christentums mit dem Logos die eigentliche Form des Christentums ergeben habe, und setzt das, in seiner Regensburger Rede zum Beispiel, dem Islam gegenüber. Der Logos, das ist für ihn einzig die griechische Denkweise und Philosophie. Angesichts der geistes- und naturwissenschaftlichen Entwicklung hat heute „die Vernunft“ aber andere Parameter.


          Was schlagen Sie vor? Zurückkehren zu den Ursprüngen? Den Kanon neu zusammensetzen?


          Der Kanon bleibt die Basis. Aber wir müssen erkennen, dass die Hellenisierung des Christentums nur eine von vielen Möglichkeiten ist. Daneben gab es eine syrische Kirche, die übers Perserreich bis fast an die Grenzen Indiens reichte, die andere Inkulturationen durchlaufen hat. So etwas finden wir auch in der Gegenwart; in Asien, in Afrika, in Lateinamerika kommen neue Prozesse in Gang, die Gläubigen denken anders über Jesus, anders über Gott.

          Was war anders in der östlichen Kirche?


          Es war eine Kirche, deren Denken dem Judenchristentum nahestand. Es gab zum Beispiel nicht die griechische Sehnsucht nach Vergöttlichung, die ja bewirkt hat, dass Jesus eine Inkarnation Gottes sein musste. Für die syrische Kirche war die Ethik wichtig und Jesus der Mensch, den Gott gesandt hat, einer, der sich bewährt hat und dem wir, indem wir uns auch bewähren, nachfolgen sollen. Insofern entfiel dort auch die Basis für eine Trinitätslehre.


          Ist die Trinitätslehre heidnisches Beiwerk zum Christentum?

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