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Radio gegen Internet : Wir müssen über das digitale Radio reden

  • -Aktualisiert am

„Digital Audio Broadcasting“, kurz DAB, heißt die digitale Verbreitung des Radiosignals über Antenne. Sie sorgt für guten Klang. Bleibt die Frage, ob diese Technik nicht bloß Geld verbrennt. Bild: die bildstelle

Beim Fernsehen hat die Umstellung von analog auf digital geklappt. Beim Radio nicht. Kann es sein, dass die Hörer es nicht wollen? Bevor eine Milliarde Euro an Kosten entsteht, sollten wir eine Zwischenbilanz ziehen.

          Die Digitalisierung ist der Treiber in der Medienwelt. Sie verändert radikal die Art und Weise, wie mediale Inhalte transportiert und konsumiert werden. Daraus ergeben sich komplizierte Fragen hinsichtlich des medienrechtlichen Regulierungsrahmens. Zugleich stehen wir vor Weichenstellungen zur Zukunft des terrestrischen Rundfunks.

          Im terrestrischen Fernsehen ist die Umstellung von analog auf digital längst erfolgt. Die Umstellung auf den Übertragungsstandard DVB-T2 läuft an. Da scheint es logisch, das – nach einem vergeblichen ersten Anlauf – auch für das Radio anzugehen: weg von UKW, hin zu DAB+. Aber: Gegenwärtig ist vollkommen unklar, ob die Hörer DAB+ annehmen. Und für die Sender wird das richtig teuer. Deshalb sollten wir jetzt offen diskutieren: Ist DAB+ wirklich die digitale Zukunft des Radios?

          Das Internet konkurriert mit dem Radio

          Es ist und bleibt eine zentrale medienpolitische Herausforderung, auch im Radiobereich die Vielfalt zu sichern. Richtig ist, dass wir dank diverser Programme, die exklusiv über die digitale Antenne ausgestrahlt werden, schon heute eine Stärkung der Programmvielfalt erleben. Aber für die Radiosender, die über DAB+ verbreitet werden, ist die digitale Terrestrik nur einer von mehreren Verbreitungswegen.

          Es ist vor allem das Internet, das die Vielfalt im Radiobereich erhöht. Wir glauben: Die Vielfalt des Hörfunks, die wir in der UKW-Welt von lokal bis national in Deutschland haben und erhalten wollen, ist mit DAB+ nicht zu sichern. Dazu hat das Internet zu viel an Inhalten zu bieten, die dem Radio Konkurrenz machen, und dazu gibt es – zumindest für das werbefinanzierte Radio auf regionaler und lokaler Ebene – keine erfolgversprechenden Geschäftsmodelle. Anders ist etwa das enttäuschende Ergebnis eines „Call for interest“ in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten und für mögliche neue Privatradios attraktiven Bundesland, nicht zu interpretieren. Eine Einführung von DAB+ auf allen Ebenen – vor allem regional und lokal – ist deshalb aus unserer Sicht wenig sinnvoll.

          Auf Radioinhalte wird mobil zugegriffen

          Grundsätzlich gilt: Das Radio der Zukunft muss sich an den Interessen der Hörer ausrichten. Offensichtlich glauben nicht genug Menschen an die digitale Zukunft des Radios. Vielmehr sind sie interessiert an hybriden, linear-interaktiven, nichtlinearen und individuell konfigurierbaren Angeboten. DAB+ ist zwar digital, aber das Internet kann viel mehr. Zuhause, im stationären Bereich, existieren für eine intensive Internetnutzung längst die erforderlichen Bandbreiten.

          Im mobilen Bereich ist das bis auf weiteres zwar nicht der Fall, aber mittelfristig absehbar. Schon heute können wir Radioinhalte abonnieren und automatisch herunterladen, solange wir Zugriff auf ein W-Lan haben, und dann mobil und unabhängig unterwegs anhören – per Smartphone, per Tablet, zu Fuß, im Auto, im Zug, sogar im Flugzeug. Die Angebote werden zunehmen, insbesondere von privaten Anbietern, denn für solche Angebote gibt es Geschäftsmodelle der Refinanzierung über individualisierte Werbung.

          Die Umstellung von UKW auf DBA+ wird extrem teuer

          Wir bezweifeln, dass das digitale Antennenradio damit konkurrieren kann. Heute ist gerade einmal in zehn Prozent der Haushalte mindestens ein DAB+-Empfänger vorhanden. Warum sollten es deutlich mehr werden angesichts der UKW-Programme und dem wachsenden Angebot im Internet? Bietet DAB+ einen Mehrwert, der es ermöglicht, diesen Standard auf allen Ebenen durchzusetzen? Wir meinen: nein.

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