29.06.2012 · Nach vier Jahren stößt die Methode Merkel an ihre Grenzen: Ihre Worte sind ausgewildert und betäubt. Die Gruppe von Menschen, die an eine Lösung in der Krise glaubt, wird immer kleiner.
Von Nils MinkmarRichtlinien für Lesermeinungen
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Endlich mal einer, der die Floskeln von Merkel auseinandernimmt und feststellt, was wir von Merkel erwarten können. Nichts!
Herr Minkmar, glauben Sie dieser Person noch ein Wort? Haben Sie zu
dieser Regierung noch Vertrauen? Fühlen Sie sich von diesen
Parlamenten, die wir mit zweistelligen Milliardenbeträgen bezahlen,
noch repräsentiert? Ich nicht und wir steuern wieder auf eine
Anarchie zu, wie es nach dem braunen und rotem Sozialismus gewesen ist.
Diesesmal ist es der schwarze Sozialismus. Denn jetzt schickt man keine
Waffen oder Mauern mit Stacheldraht, nein es langt ein Blechstück
namens EURO.
Früher überfiel man Banken mit Pferd und Colt, dann mit Auto
und Maschinenpistole, heute räubert man Banken mit Notebook und
Kaffeetasse aus. So ändern sich die Zeiten, aber Verbrecher waren
und sind es immer noch.
Unsortierte Anmerkungen... (Telegramstil wg. 1000 Zeichenbegrenzung)
Sehr schoene Merkel Betrachtung. Merkel kann fuer den Krisenbeginn
nichts, fuer den derzeitigen Krisenumfang traegt sie durchaus
Mitverantwortung. Berlin will mit der Brechstange D im Euro halten,
obwohl "das Volk" laengst einen Schritt weiter ist .... ohne
Bodenhaftung kann man es nicht merken.... Und machen wir uns nichts
vor, an der Dolchstosslegende 2.0 wird gerade gestrickt.... Weil die SPD
die Unterzeichnung von Merkels "pet" Fiskalunion/ESM mit dem
(nutzlosen) Wachstumspakt, hat Monti gut verhandelt (und den eigenen
Stuhl noch gerade so gerettet) - und Merkel erpresst - ohne
Schleusenoeffnung - kein Wachstumspakt, kein ESM, kein Fiskalpakt....
Abgrund....
Die offensichtliche Unfaehigkeit in Berlin, strategisch zu denken - und
das eigene Interesse (wahlpolitische Position - SPD) vor das
Gesamtinteresse gestellt - und schon ist der Schlamassel da. Da
reichen Floskeln nicht, da ist Durchgreifen gefragt. Schade eigentlich...
... ist das richtige Wort. Doch Konzepte vermisst man allgemein. Allein
das Grundverständnis fehlt (nicht nur) der Kanzlerin (Wobei ich
glaube, dass sie es tatsächlich hat), sondern vor allem unserem
Bildungsbürgertum und den daraus entstammenden Abgeordneten. Sie
sind halt zu braven Befehlsempfängern erzogen worden. Da fällt
das selber nachdenken und eigene Meinung haben eben schwer. Und was mich
am meisten nervt ist, dass die meisten Journalisten eine Mischung aus
neoklassischen Durchhalteparolen und leeren Worthülsen (noch aus
der Vorkrisenzeit) liefern. Andere versuchen sich an halbausgegorenen
Ideen (Hurra, wir tilgen!) oder geben wenigstens zu, dass sie auch von
den Ereignissen überfordert sind.
Meine Meinung zu diesem Thema ist: Die Zeit für echte
Änderungen ist noch bei weitem nicht reif. Das, was wir z.Z. im
Politzirkus erleben, ist doch allenfalls Krisenkosmetik. Solange noch
von Beruhigung der Märkte geredet wird, sind wir jedenfalls noch
nicht weiter als in 2009.
Was das "alte Europa" jetzt braucht, ist ein Gorbatschow
der das EUdSSR-Konstrukt auf halbwegs zivile und humane zum Einsturz bringt. Und keine Merkel, die bis zum Ende ihrer Tage von einem Möchtegern- "Katharina die Große"-Syndrom getrieben wird. Im Gegensatz zu ihrem Phantom-Vorbild fehlen der Kanzlerin jegliches Talent und Grösse.
... wenn diese Klima-, Euro-, Rettungskanzlerin sich zur Abwechslung mal
mit den Leuten beschäftigen würde, die dieses Land zu dem
gemacht haben, was es ist?
Frau Merkel fehlt es ganz sicher nicht an Flugmeilen .... ihr fehlt es
an Bodenhaftung und Verwurzelung bei den Menschen, die durch ihre Arbeit
überhaupt ermöglichen, dass Frau Merkel mal hier 120
Milliarden, mal dort 700 Milliarden "auf den Tisch legt".
Wenn es etwas gibt, was den Berliner Politikbetrieb kennzeichnet, dann
ist es seine Bürgerferne. Ich kann mich nicht erinnern, zu Zeiten
der Bonner Republik jemals so eine Entfremdung zwischen der angeblichen
"Elite" und den Menschen im Lande wahr genommen zu haben.
Die "Methode Merkel" - das ist Unaufrichtigkeit, das sind
Nebelkerzen, das ist Biegsamkeit und - was am schlimmsten ist - die
Vermeidung jeglicher konkreter Aussage.
Ich bin es so leid, von dieser Frau ständig verhöhnt zu werden.
Der "Zusammen"-arbeitsstil der BK Merkel
ist -richtig beobachtet- offensichtlich sehr Ich-bezogen. Beispiel: Den plötzlich von ihr betriebenen Atomausstieg hat sie auf mehreren Versammlungen unter anderem damit begründet, ".....dass ich nach Fukushima persönlich sehr betroffen war." Menschlich ehrt sie das. Aber ich hatte bislang gedacht, dass die Zeit der Königinnen und Regierungschefinnen vorbei sei, in der persönliche Betroffenheit Gesetzeskraft wird.
im Volksmund sagt man zu dem, was die Kanzlerin bietet, ganz einfach:
„Phrasen dreschen“. Wenn Substanz gefragt ist, fehlt es
einfach. Deshalb kann ein Herr Monti, erfahren in Wirtschaft und
Finanzen leicht eine Front gegen Merkel im Ministerrat organisieren.
Substanz mag Merkel in ihrer Umgebung in Deutschland auch nicht, die
wird einfach „entsorgt“. In Deutschland hat sie mit dieser
Politikstrategie großenr Erfolg. Aber so langsam dämmert es
auch den Wählern, daß da nur heiße Luft kommt,
hoffentlich nicht zu langsam.
Substanz vs. Geld
Das Thema Substanz geht noch deutlich tiefer. Von 1945 bis vor wenigen
Jahren hat Deutschland international vor allem als Geldgeber,
nachgeordnet auch als Steller von UN-Truppen stattgefunden. Ein eigenes
nationales Interesse wurde weder formuliert noch verfolgt, sondern
intern bekämpft - von der Kritik an Horst Köhlers
Äußerungen zu Militäreinsätzen über fehlende
Rohstoffsicherungspolitik und bis hin zu fehlender
Außenkommunikation. Begründet wurde und wird das vor allem
mit der deutschen Pflicht zur Zurückhaltung nach dem Dritten Reich
und der daraus folgenden Unterordnung unter ein supranationales Europa.
Stattdessen wird innen wie außen großzügig Geld
gegeben, das keine inhaltliche Unterlegung braucht um respektiert zu
werden. Mit Schulden à la Kraft lassen sich Wahlen gewinnen, und
das Geld läßt sich per ESM erzwingen wenn es nicht willig
kommt. Das reicht nicht für mittelfristige Tragfähigkeit. In
die deutsche Politik sollte etwas Ernsthaftigkeit zurückkehren.
Die Welt hat wieder mal Riesenglück, denn keiner will mehr sein Geld zurück
Wenn das noch zu Zeiten Merkels geschehen sollte, dann wird sie ewige Kanzlerin bleiben, dann braucht es auch keine EUROBONDS etc.
"Experten der Boston Consulting Group - keine Linken - haben errechnet, dass nur eine Abgabe von
durchschnittlich zwanzig Prozent der europäischen
Privatvermögen einen Weg aus der Dauerkrise eröffnet."
Soso. Nur so wird die Überschuldungskrise beendet? Vollkommener
Unsinn, lupenreinste Propaganda, geschickt lanciert.
Tatsache ist, dass vollkommen andere Mechanismen notwendig sind, siehe
z.B. "Wie die Überschuldungskrise innerhalb von Wochen beendet
werden kann".
Die funktionieren auch. Garantiert. Zu 100%.
@ B. Hayes:
Mal unabhängig von möglichen anderen Mechanismen ist es doch ratsam, über die 20% nachzudenken, denn das ist doch schon mal ein Aufhänger für Politiker, per Notstandsgesetz eine entsprechende Zwangsanleihe auf alle Sparguthaben und eine gleichgroße Zwangshypothek auf Wohneigentum zu beschließen. Und wie ich unsere Abgeordneten kenne, werden die das auch in einem Hauruckverfahren zwischen Nachmittagskaffee und Feierabend beschließen so wie gestern Fiskalpakt und ESM. Und dazu genauso genüßlich grinsen wie auf den gestrigen "Siegerphotos" in dieser Zeitung. Mit Erfolg den Wähler zu besch.... scheint mittlerweile zum Abgeordnetensport geworden zu sein.