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Die Homo-Ehe im internationalen Vergleich : Wenn Frauen Frauen küssen

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Zwei Frauen protestieren vor den Teilnehmern einer Demonstration gegen die Homo-Ehe und das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare in Marseille Bild: AFP

In Deutschland gibt es starke Ressentiments gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Doch wie denken die Menschen in anderen Ländern darüber? Unsere Korrespondenten berichten.

          Französische Schriftsteller geben sich progressiv

          Von JÜRG ALTWEGG

          In Frankreich, wo Bücher seit der Aufklärung neue Epochen einläuten und Worte schwerer wiegen als Gesetze, hat die Literatur einen bedeutenden Beitrag zur Emanzipation der Homosexuellen geleistet. Man kann sich im Nachhinein kaum mehr vorstellen, welche Reaktionen der Schriftsteller Roger Peyrefitte nach dem Krieg mit seinem Roman „Les amitiés particulières“ auslöste. Mit Peyrefitte und Jean-Louis Bory bekamen 1945 zwei homosexuelle Schriftsteller die wichtigsten Literaturpreise: den Renaudot und den Goncourt, dessen Jury 1970 Michel Tourniers „Erlkönig“ auszeichnete, einen homoerotischen Roman über den Faschismus. Die Annäherung an Vichy wurde auch in anderen Werken über das Thema Homosexualität versucht.

          Aber noch 1968, als die epochale Aufarbeitung der Vergangenheit in Gang kam, wurde Homosexualität noch als Geisteskrankheit eingestuft. Der Mai 1968 brachte die sexuelle Revolution und die militante Emanzipation der Minderheiten. Als die Linke 1981 mit Mitterrand an die Macht kam, schuf sie zuerst die Todesstrafe ab. Dann wurde die mit der „Kontrolle der Homosexuellen“ beauftragte Polizeieinheit aufgelöst, das Register vernichtet.

          Die Sozialisten standen dabei unter dem Einfluss des Philosophen Michel Foucault, der als eines der ersten Opfer an Aids starb, was von der Familie verschwiegen wurde. Aids hat seither die Literatur zum Thema Homosexualität beherrscht - für sie stehen radikale Autoren wie Hervé Guibert. Sie ersetzten die durchschaubare Verschleierung durch Exhibitionismus. In den Schulbüchern erscheint die einst tabuisierte Beziehung von Verlaine und Rimbaud heute fast schon als Schlüssel ihrer Poesie.

          Der Überwindung der Diskriminierungen folgten erste Maßnahmen der Gleichstellung zum Beispiel bei Mietverträgen. Von der sozialistischen Regierung Jospins wurde 1999 die Zivilehe „Pacs“ eingeführt, die unverheirateten Paaren praktisch die rechtliche Gleichstellung nicht nur beim Erben ermöglicht. Doch dabei wollte es die Linke nicht belassen. Die „Ehe für alle“ war ein Wahlversprechen von Hollande und ist ein Tribut an ihre Ideologie der Gleichheit und des Antiklerikalismus. Anstelle der Kirche soll die laizistische Republik den Paaren ihren Segen geben. Die Linke nahm gleichzeitig das Recht auf Adoption und künstliche Befruchtung sowie die Bewilligung der Leihmutterschaft (auch gegen Bezahlung) ins Programm. Sie wird von Elisabeth Badinter propagiert, von Sylviane Agacinski bekämpft und hat den Widerstand der Rechten wie der Kirche provoziert. Päderastie und Inzest befürchtete ein Bischof, die Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft unter dem Diktat einer Minderheit der Parteichef der UMP, Jean-François Copé. Auf den Formularen verschwinde die Unterscheidung von Mann und Frau, aus den Gesetzen der Begriff der Vaterschaft.

          Monatelang dauerte das nationale Psychodrama nach dem Muster des Kampfs zwischen Revolution und Gegenrevolution. Im Februar beschloss das Parlament die „Ehe für alle“ und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Die Homosexuellenverbände bedankten sich bei der Justizministerin mit einem Buch des Poeten Léon-Gontran Damas, den sie oft zitiert hatte. Mit seinen Gedichten hatte Damas den Kolonialismus bekämpft.

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