http://www.faz.net/-hzj-7jmr4

Sandro Gaycken, Cyberwar-Experte : Wirtschaftswunder brauchen Sicherheit

  • -Aktualisiert am

Sandro Gaycken Bild: Pilar, Daniel

Eine Revolution der Cybersicherheit würde die strukturellen Defizite der IT-Sicherheit beseitigen. Deutschland könnte von der Umsetzung enorm profitieren.

          Die Welt braucht sichere Computer. Daran kann nicht mehr gezweifelt werden. Die Aktivitäten der NSA sind nur die Spitze eines Eisbergs. Andere Nachrichtendienste genauso wie die großen kriminellen Syndikate haben dieses Mittel ebenso entdeckt. Und deren Fähigkeiten sind atemberaubend. Diese Angreifer kommen überall hinein und können ungestört alles tun.

          Die Gründe dafür sind strukturelle, also notwendige Defizite der kommerziellen Standard-IT und der parasitär auf ihr aufsetzenden und sie in ihren Defiziten am Leben haltenden IT-Sicherheit. Unkontrollierbare Komplexität und Marktagilität, unzählbare Mengen auszubeutender Sicherheitsprobleme, kaum kompetentes Personal, unsystematische, vorrangig an Marketing und Ereignissen entstandene Sicherungskonzepte – das sind die treibenden Paradigmen der Cybersicherheit. Kein Wunder, dass wir täglich von substantiellen Problemen lesen.

          Ein deutsches Silicon Valley

          Diese Paradigmen müssen abgeschafft werden. Das geht nur mit einem Neustart. Wir müssen den Computer neu erfinden. Das ist einfacher, als viele denken. Die Forschung und einige Nischenhersteller haben in den vergangenen Jahrzehnten einige Hochsicherheitstechnologien in Anwendungsnähe gebracht. Kennt man und bündelt man diese, ließe sich die Revolution zügig angehen. Viele Ideen sind marktreif. Sichere Chipkonzepte auf Basis solider Verschlüsselungen und sogenannter Harvard-Architekturen, Betriebssysteme mit minimaler Komplexität und sichere Programmiersprachen, die angreifbare digitale Missverständnisse nicht zulassen, sind nur einige Beispiele für Quantensprünge in der IT-Sicherheit.Außerdem: Hochsicherheits-IT ist maximal datenschutzsensibel. Denn ist der Rechner so sicher, dass er selbst von Nachrichtendiensten nur noch in Ausnahmefällen und mit hohen Kosten und Risiken angegriffen werden kann, können für solche Fälle Angreifer angenommen werden, die auch alle Spuren kontrollieren können, denn das ist immerhin ziemlich einfach. Mit anderen Worten: Hochsicherheits-IT macht Überwachung obsolet. Eine Win-win-win-Gelegenheit für Sicherheit, Freiheit und Wohlstand.

          Eine neue Generation von Produkten ist also nötig. Das erfordert Expertise, Geld und Mut, gebündelt in eine kluge Strategie, und neue Akteure, die sich nicht am Status quo orientieren. Aber die Belohnung wäre gigantisch. Ein neues Silicon Valley. Und Deutschland wäre prädestiniert dazu. Viele der Hochsicherheitstechnologien sind deutsche Entwicklungen. Man traut uns im Ausland mehr zu als den Großmächten, unsere neuen Produkte wären weit besser exportfähig. Und die nächste große Welle der IT wird in Maschinen stattfinden, in Produktionsanlagen, Transport und Großtechnologien, in klassischen Hoheitsgebieten des „German Engineering“.

          Ein neues deutsches Wirtschaftswunder wartet hier. Hoffentlich greifen wir zu.

          Topmeldungen

          Matteo Salvini und Silvio Berlusconi

          Salvinis Taktik : Finanzpoker mit Brüssel

          Rom macht zu viele Schulden. Ein Bußgeld droht. Doch statt zu zahlen, verhöhnt Innenminister Salvini die „Bürokraten in ihrem Brüsseler Bunker“, denn er hat noch ein paar Asse in der Hinterhand.
          Lächelnd im Konfettiregen: Alexander Zverev wandelt endgültig auf den Spuren von Boris Becker und Michael Stich.

          ATP-WM in London : Alexander Zverev überrollt Djokovic

          Das hätte ihm kaum jemand zugetraut: Der Hamburger besiegt den Weltranglistenersten in zwei glatten Sätzen und gewinnt beim ATP-Finale in London den bislang größten Titel seiner Karriere.
          Jörg Meuthen, Ko-Vorsitzender der AfD, schaut während des Parteitags der Rechtspopulisten im Magdeburg am 16. November auf sein Smartphone.

          AfD-Parteitag : Für ein Europa in Dunkelblau

          Die AfD stellt in Magdeburg ihre Liste für die Wahl zum EU-Parlament auf. Mit dabei sind einige Vertreter des radikalen Flügels.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.