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Veröffentlicht: 10.01.2016, 12:37 Uhr

Die Angriffe von Köln Wären sie nur nicht so dumm

Warum es so schwer ist, von der Silvesternacht in Köln und deren Folgen zu sprechen. Und warum es trotzdem sein muss.

von
© Edgar Schoepal Der Kölner Hauptbahnhof mit seinem Vorplatz vom Kölner Domplatz aus gesehen am Dienstagabend, 05.01.2016. Einsatzkräfte der Polizei stehen mit Fahrzeugen in Bereitschaft um die Lage zu sondieren, wegen angekündigter Demos als Reaktion auf die Vorfälle der Angriffe in der Silvesternacht.

Etwas zu den Angriffen in Köln an Silvester zu sagen ist zum jetzigen Zeitpunkt aus zwei Gründen schwer. Erstens: Man weiß wenig über die Täter, außer, dass sie dem Aussehen nach größtenteils „nordafrikanischer“ (woran erkennt man einen Nordafrikaner?) oder „arabischer Herkunft“ waren, und dass darunter, laut den Aussagen von am Einsatz beteiligten Kölner Polizisten, auch Flüchtlinge waren.

Antonia Baum Folgen:

Etwas zu den Angriffen in Köln zu sagen ist zweitens schwer, weil sie in eine Zeit fallen, in der man eigentlich auf gar keinen Fall die bekannte problematische Geschichte des arabischen Mannes erzählen will, der nicht mit westlichen Frauen klar kommt und sie erniedrigt. Man will diese Geschichte nicht jetzt erzählen, wo so viele arabische Menschen nach Deutschland kommen, weil sie in ihren Herkunftsländern nicht mehr sicher sind.

Nicht jetzt, wo immer wieder Flüchtlingsunterkünfte brennen und AfD und Pegida gegen Flüchtlinge hetzen. Und schließlich will man diese Geschichte nach den sexuellen Angriffen in Köln noch viel weniger erzählen, weil sie all jenen, die sich vor der „Islamisierung des Abendlandes“ fürchten so hervorragend in den saublöden Kram passt, wobei natürlich niemand weiß, ob die Kölner Täter islamischen Glaubens waren, oder nicht.

Dieses plötzliche Interesse

Man will diese Geschichte nicht erzählen, weil sich jetzt plötzlich Männer für sexuelle Gewalt interessieren und empört sind, die sonst eigentlich immer im Stell-dich-nicht-so-an-Team waren und feministische Anliegen nervig fanden. Man will über diese Geschichte zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht laut nachdenken, weil jene Männer nun beleidigende Leserbriefe an Feministinnen schreiben, da die sich angeblich nicht trauten, sich zu der Gewalt in Köln zu äußern, weil die von Migranten ausgegangen sein soll (und dieser Vorwurf offenbart, unter dem Vorwand sich um die Belange von Frauen zu sorgen, eigentlich nur das frauenfeindliche, frauen-maßregelnde Klima, in dem hier gedacht und gelebt wird).

Nun, da es um die Frauen jener Männer, um ihre Frauen, um die deutsche Frau also, geht ist die deutsche Öffentlichkeit entsetzt. Sie ist beleidigt, weil gefährliche Araber etwas angefasst haben, das ihr gehört, und natürlich sind viele auch ein bisschen erleichtert, weil sich ihre diffuse Angst nun konkret manifestiert hat. Thank God, wir haben ein Problem!

Frauen als Verfügungsmasse

Wie beleidigen sich Männer gegenseitig am härtesten? Sie beleidigen die Frau oder die Mutter des Gegners. Worin besteht die maximale Erniedrigung des Feindes? Man vergewaltigt seine Frauen. Und was sind die verletzendsten Schimpfwörter in der deutschen Sprache? Hurensohn, Nutte, Schlampe, Fotze. Und wie beleidigt man einen Mann, wenn man seine Würde anfassen will? Genau so, man nennt ihn Hurensohn, Nutte, Schlampe, Fotze.

Die Herabsetzung erfolgt immer über das Weibliche, seit ich denken kann, und davor war es genauso. Inwieweit sich dieser Frauen-Herabsetzungsmechanismus auf der Seite der Täter in Köln und derjenigen, die diese Tat nun kommentieren, vollzogen hat, weiß ich nicht. Ich kann nur behaupten, dass es den Tätern in Köln wahrscheinlich großen Spaß gemacht hat, sich bei den anwesenden Frauen zu bedienen und dass damit ein Gefühl von Macht verbunden war, das sie sonst nicht so häufig erleben; und dass die eben erwähnte deutsche Öffentlichkeit dies als maximalen Angriff auf sich selbst versteht (als Rapper würde man sagen, die Araber ficken Deutschland, literally – die Araber, über die man sich erzählt, dass sie angeblich so potent sind).

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