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Desinformation in Tschechien : Prager Frühling der Freunde Moskaus

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Bekennender Kremlfreund: Der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman. Bild: AP

Fragwürdige Preispolitik: Putins Propagandisten gewinnen in Tschechien an Einfluss, treffen aber auch auf intellektuellen Widerstand.

          Im Vergleich zu Polen hat Moskau in Prag einen guten Stand. Über die Verbandelung des tschechischen Präsidenten Miloš Zeman mit russischen Politikern und einheimischen Geschäftspartnern Russlands haben die tschechischen Medien in den vergangenen Jahren ausgiebig berichtet. Manche behaupteten sogar, dass der kremltreue Zeman, der lange zurückgezogen lebte und viel trank, diesem Beziehungsnetz sein Comeback als Politiker 2013 verdanke. Mit seiner prorussischen Haltung trat Zeman in die Fußstapfen seines Amtsvorgängers Václav Klaus, ebenfalls bekannt für seine vielfältigen Russland-Kontakte und für seine Putin-Apologetik. Wegen Letzterer trennte sich 2014 die einflussreiche liberale amerikanische Denkfabrik „Cato Institute“ von ihm, aber Klaus hatte vorgesorgt und schon 2012 sein „Václav Klaus Institute“ gegründet, das die Ideen seines Namensgebers international verbreitet - auch hierzulande, wo Klaus selbst mittlerweile als bekennender „Fan“ der „Alternative für Deutschland“ und Redner auf ihren Veranstaltungen sowie als Autor eines Buches über die derzeitige „Völkerwanderung“ unterwegs ist.

          In Václav Klaus’ Umfeld ist Unterstützung für Moskau nicht nur Gebot. Aus diesem Kreis wird auch in Richtung Vereinigte Staaten - wie auch Berlin - rhetorisch scharf geschossen. Petr Hájek, lange Jahre Pressesprecher des tschechischen Ex-Präsidenten, hatte nach den Anschlägen in Brüssel vor drei Monaten den amerikanischen Botschafter in Prag, Andrew Schapiro, als „Terroristen“ bezeichnet. Hajék störte sich an der aus seiner Sicht zu toleranten Haltung des Amerikaners - Nachkomme tschechisch-jüdischer Schoa-Überlebender - gegenüber dem Islam. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kam nicht sonderlich gut weg. Ihr und ihren „Brüsseler Komplizen“ warf Hajék vor, dem militanten Islam „ihren Segen“ zu geben. Übrigens wurde Schapiro in der Prager Burg vor einem Jahr zur Persona non grata erklärt, weil er die Absicht des tschechischen Präsidenten kritisierte, der Feier zum 70. Jahrestag des sowjetischen Sieges über NS-Deutschland beizuwohnen.

          Petr Hajéks Schimpfkanonade wurde auf der prorussischen tschechischen Website mit dem Offizialität vortäuschenden Namen „Parlamentní listy“ (Parlamentsblätter) veröffentlicht. Es sind Verbalattacken wie diese auf Kritiker Russlands, die zwei Politikwissenschaftler von der Universität Brno (Brünn) unlängst veranlassten, die im tschechischsprachigen Internet agitierenden Handlanger des Kremls unter die Lupe zu nehmen. Für ihre vor kurzem publizierte Studie analysierten Miloš Gregor und Petra Vejvodová mehr als zweitausend Beiträge von der genannten und drei weiteren einschlägigen Internetseiten, darunter auch dem einheimischen Ableger von „Sputnik“. Auf plakative Jubelrhetorik für Moskau stießen die Wissenschaftler selten, auch systematische Versuche, Putins Widersacher zu dämonisieren, waren marginal: Hier stachen neben dem verunglimpften Schapiro der „Lügner“ Poroschenko und der „feige“ Erdogan ins Auge. Der größere Anteil der Internetbeiträge bestand vielmehr aus „Schuldzuweisungen“ (knapp vierzig Prozent) und „Fabulierungen“ (34 Prozent), was die Autoren als „subtile und ausgeklügelte“ Taktik einstufen.

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