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Zukunft im Nahen Osten : Wir müssen Israel aus seiner Lebenslüge wecken

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In den Tagen nach dem Mord an den drei Jugendlichen Naftali, Eyal und Gilad durch die Hamas wurden in der israelischen Öffentlichkeit Stimmen laut, die dazu aufriefen, dass Israel nun zusammenstehen müsse. An Tagen wie diesen, hieß es, gebe es kein links und kein rechts mehr, sondern nur noch Einigkeit. Zugleich aber erklärte ein Mitglied des konservativen Likud, dass die arabischen Israelis nunmehr so zu behandeln seien, dass sie eines verstünden: Die Vergangenheit und damit die Zeit der Annäherung sei endgültig passé. Ein Minister der amtierenden Regierung forderte das Militär dazu auf, die Häuser im Gazastreifen „zum Erschüttern“ zu bringen. Und Naftali Bennett, Handelsminister und Vorsitzender einer Regierungspartei, die der Siedlerbewegung nahesteht, forderte Blut; bei ihm nichts Ungewöhnliches. Wir erleben, dass eine aufgestachelte Volksmenge Araber auf den Straßen verfolgt, es wird ein palästinensischer Junge ermordet, sein Cousin Tarek von israelischen Polizisten zusammengeschlagen, und die jüdischen Hardliner, die in ihren illegalen Siedlungen auf Palästinensergebiet ausharren, rufen dazu auf, immer weitere Siedlungen zu errichten: als angemessene Reaktion auf das Morden.

Vermeintliche Moral verhüllt die Wirklichkeit

Es hört eben nicht auf in Israel. Es gibt immer rechts und links. Es gibt jene, die brüllen, und jene, die schweigen. Die Mehrheit der Israelis hat sich in einem höchst komplizierten Verleugnungssystem eingerichtet, das sie von der Wirklichkeit trennt. Sie wollen die Tatsachen nicht wahrnehmen. Sie wollen nichts wissen über die beiden Jugendlichen aus Baituniya, die von israelischen Soldaten ermordet wurden. Sie wollen nichts wissen von der Entführung palästinensischer Jugendlicher. Weil Fakten das Verleugnungssystem, in dem viele hier verharren (und das die israelische Medien wissentlich mit immer neuen „Gewissheiten“ versorgen), in Gefahr bringen würden. Dieses Verleugnungssysten bestimmt dann zum Beispiel, dass unsere jüdischen Kinder grausam ermordet wurden. Und wenn ein palästinensisches Kind ums Leben kommt, dann steht die Rechtfertigung schon parat, die in roboterhafter Rezitation aus den Nachrichten aller Fernsehkanäle hallt.

Da sind die Kinder, die niemandem etwas getan haben und von den Schüssen der israelischen Soldaten getötet werden, wie jetzt in Baituniya. Es gibt die Häuser in Gaza, die bombardiert werden. Und Dutzende Fälle von unschuldigen arabischen Jugendlichen, auf die geschossen wurde. Sie alle sind in den Augen der Palästinenser ermordete Kinder. Damit haben die Palästinenser recht.

Nir Baram (rechts) sitzt am Dienstag zusammen mit den Freunden des ermordeten Jugendlichen Mohammed im Zelt der Familie Abu Chedir

In den israelischen Nachrichten heißt es immer wieder, dass Israels Heer „keine Kinder ohne Grund tötet“. Die Israelis nicken mit moralistischen Mienen. Wie kann man das heute behaupten, angesichts der Tatsache, dass im vergangenen Jahrzehnt mehr als dreizehnhundert palästinensische Kinder durch die israelische Armee getötet wurden? Das roboterhafte Rezitieren solcher Unwahrheiten und die vermeintliche moralische Überlegenheit, an der ein Großteil der israelischen Bevölkerung festhält, verhüllt die Wirklichkeit und verursacht ein falsches, gefährliches Gefühl, ausschließlich Opfer und Verfolgter zu sein.

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