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Langjähriger SZ-Feuilletonchef : Musikkritiker Joachim Kaiser ist gestorben

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Beim Besuch der Frankfurter Buchmesse, 2008: Joachim Kaiser (1928 - 2017). Bild: Hauri, Michael

Er war einer der führenden Feuilletonisten der vergangenen Jahrzehnte, einzig in seinem Ton und Stil. Nun ist der Kritiker Joachim Kaiser im Alter von 88 Jahren gestorben.

          Der Musikkritiker, langjährige Feuilletonchef der „Süddeutschen Zeitung“ und frühere Mitarbeiter der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Joachim Kaiser, ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 88 Jahren in München, wie die Zeitung mitteilte. Kaiser zählte zu den einflussreichsten Feuilletonisten in Deutschland.

          Kaiser wurde im Dezember 1928 als Sohn eines Landarztes im ostpreußischen Milken geboren worden, ging in Hamburg zur Schule und studierte in Göttingen, Tübingen und Frankfurt am Main Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie. Zu seinen Lehrern zählte Theodor W. Adorno.

          Joachim Kaisers journalistische Laufbahn begann 1951 als Mitarbeiter der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Frankfurter Hefte“. Von 1954 bis 1958 war er Redakteur beim Hessischen Rundfunk. 1959 wurde er Kritiker und Leitender Redakteur im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“. Neben dieser Tätigkeit übernahm er 1977 eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart (bis 1996).

          Kaiser zählte zu den wichtigsten Kritikern der „Gruppe 47“ um Hans Werner Richter. Er begleitete über mehr als ein halbes Jahrhundert das literarische, das Musik- und das Theaterleben im deutschsprachigen Raum mit produktiver Besessenheit und pflegte dabei einen überaus persönlichen, unverwechselbaren Ton und Stil. Als Kritiker war er mehr den Zwischentönen zugetan und den Nuance statt schneidender Eindeutigkeit. Im negativen Urteil verlangte er sich stets mehr Argumente ab als im Lob, was den früheren Herausgeber der F.A.Z., Joachim Fest,  zu der Feststellung veranlasste: „Je sanfter seine Stimme wird, desto erbarmungsloser fällt am Ende das Verdikt aus, als bitte er schon im Zustoßen um Vergebung.“

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          Am 31. Oktober 1993 wurde Kaiser in der Frankfurter Paulskirche mit dem erstmals verliehenen Ludwig-Börne-Preis geehrt, über dessen Vergabe in alleiniger Verantwortung der frühere Literaturchef der F.A.Z. Marcel Reich-Ranicki, entschied. In der Begründung für den Preis schrieb Reich-Ranicki: „Er, der Sachwalter der Vernunft und der Toleranz, der leidenschaftliche und heitere Aufklärer im Reich der Kunst, ist der einzige deutschsprachige Kritiker von Rang und Format, der gleichermaßen unterhaltsam und belehrend, geistreich und urteilssicher über Musik, Literatur und Theater zu schreiben vermag.“

          Quelle: FAZ.NET

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