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Reformation des Islam : Mohammed war ein Mann der Politik und des Schwerts

  • -Aktualisiert am

Minarette der Mohammed-Moschee in Medina Bild: Reuters

Mekka gegen Medina: Der Islam braucht eine Reformation, die seine fatalen politischen Ausprägungen unterbindet. Ein Gastbeitrag.

          Den Muslimen wird immer wieder vorgeworfen, dass der Islam eine rückwärtsgewandte, wissenschaftsfeindliche und mittelalterliche Religion sei. Mit Recht, wenn man die gegenwärtige Situation der islamischen Welt in Bezug zum wissenschaftlichen und technischen Fortschritt setzt. Ein Exkurs in die Geschichte der islamischen Wissenschaft zeigt jedoch, dass dies nicht immer der Fall war. Zwischen dem neunten und dem dreizehnten Jahrhundert erlebte die islamische Wissenschaft in einigen Kulturzentren wie Bagdad und Cordoba eine Blütezeit. Während des Abbasiden-Kalifats (750-1258) gelang es den muslimischen Gelehrten anhand der Übersetzungen des griechischen Erbes ins Arabische Wissensgebiete wie Mathematik, Medizin, Chemie und Astronomie zu revolutionieren.

          Auch die islamische Theologie erlebte eine goldene Zeit. Beeinflusst von der griechischen Philosophie entstand eine rationale und diskursive Theologie, die von den Mutaziliten in sunnitisch-schiitischen Wissenskreisen vertreten wurde. Sie betonte nicht nur die Vernunft als hermeneutischen Zugang zur Religion, sondern auch die Willensfreiheit des Menschen in seinen Entscheidungen. Seit die beiden wichtigsten Wissenschaftszentren der islamischen Welt erobert wurden - Cordoba ging 1236 im Zuge der spanischen Reconquista verloren, Bagdad wurde 1258 von den Mongolen erobert und verwüstet -, ist es um die islamische Welt schlecht bestellt, und zwar heute mehr denn je.

          Die historische Begegnung des „muslimischen Morgenlands“ mit dem „christlichen Abendland“ im Zeitalter der Kolonisierung machte die Unterlegenheit der muslimischen Welt deutlich sichtbar. Die koloniale Epoche, die als Wendepunkt im kollektiven Bewusstsein der Muslime haften blieb, brachte zum Ausdruck, dass sich nicht nur die islamische Welt, sondern auch der Islam in Stagnation befand, während gleichzeitig Europas Stärke und Macht durch technische und wissenschaftliche Entwicklungen wuchsen. Diese historische Begegnung der islamischen Kultur mit der westlichen Zivilisation verschärfte die Sinnkrise des Islams und der Muslime und das Unbehagen an ihrer kulturellen Identität.

          Der Feind ist die westliche Vernunft

          Die oft beschworene frühislamische Glanzzeit nach der Entstehung des Islams im Jahre 610, aus der die Muslime ein Überlegenheitsgefühl schöpfen, ist inhaltslose Nostalgie, die der gegenwärtigen Realität des Islams und der Muslime in der islamischen Welt und den muslimischen Gemeinden im Westen nicht entspricht. Eine entschiedene Trennung von weltlichen und religiösen Angelegenheiten kam nie zustande. Die Freiheit des Individuums ist dem Islam bis heute fremd.

          Der Kern der westlichen Aufklärung, die Relativierung der Religion, wird seit Jahrhunderten von konservativen Gelehrten und politischen Despoten mit der Unterstützung der Laien verhindert. Seit der napoleonischen Invasion Ägyptens (1798-1801) spürten einige Gelehrte die Notwendigkeit, den Islam zu erneuern. Sie beriefen sich auf verschiedene Koranverse und die Tradition des Propheten, in denen ihres Erachtens die Muslime zur Verbreitung der Reform (islah) innerhalb ihrer Gemeinde aufgerufen würden.

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