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„Denkmal der Schande“ : Stelenfeld neben Haus von Björn Höcke vorerst geschlossen

  • Aktualisiert am

Neben dem Privathaus des AfD-Politikers Höcke: Das Grundstück, auf dem das „Zentrum für politische Schönheit“ sein „Denkmal der Schande“ errichtet hat. Bild: WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Strafanzeigen, von denen die Aktivisten noch nichts gehört haben, eine Kündigung, die sie für gegenstandslos halten, Kritik an der Polizei: Das „Denkmal der Schande“ beschäftigt nicht nur den thüringischen Ort Bornhagen.

          Das von Künstlern nachgebaute Holocaust-Mahnmal neben dem Wohnhaus des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke im Eichsfeld ist vorerst nicht mehr öffentlich zugänglich. Polizeischutz und Sicherheitslage vor Ort seien nicht ausreichend, sagte eine Sprecherin der Künstlergruppe „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) an diesem Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es habe zahlreiche Morddrohungen gegeben.

          Am Donnerstag hatte eine Sprecherin der Polizei der Darstellung des ZPS widersprochen, das Mahnmal zu schützen: Die Polizeipräsenz in Bornhagen sei „zunächst einschließlich des Wochenendes“ erhöht worden, um die öffentliche Ordnung zu gewährleisten. „Für den Schutz privaten Eigentums ist jeder selbst zuständig.“

          Schon zu Beginn der Kunstaktion im thüringischen Wohnort Höckes am Mittwoch war es laut Polizei bei Protesten von Bürgern und AfD-Anhängern zu einem Handgemenge an dem Grundstück gekommen. Die ZPS-Sprecherin sprach von einem „braunen Mob“. Sie hoffe aber, dass das Mahnmal ab kommender Woche öffentlich zugänglich sein wird.

          Die Aktionskünstler haben einen Ableger des Berliner Holocaust-Mahnmals aus 24 Stelen auf einem angemieteten Grundstück neben dem Wohnhaus Höckes errichtet. Hintergrund ist eine Rede des AfD-Rechtsaußen vom 17. Januar in Dresden, in der er mit Bezug auf das Berliner Mahnmal von einem „Denkmal der Schande“ sprach. Unter anderem forderte der frühere Geschichtslehrer eine 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungskultur.

          „Eher ein Denkmal für die Ewigkeit“

          Auch der künstlerische Leiter des ZPS, Philipp Ruch, kritisierte die Polizeipräsenz als vollkommen unzureichend. „Wir sind am Tag drei der Aktion und haben noch keinen Ansprechpartner bei der Polizei“, sagte Ruch dem epd. So gebe es von Seiten der Polizei auch keine Informationen über die Bedrohungslage. Als Begründung habe die Polizei mitgeteilt, es werde gegen Mitarbeiter des ZPS wegen einer Strafanzeige ermittelt. Ruch erklärte dazu: „Wir wissen nichts von einer Strafanzeige.“ Das ZPS habe aber seinerseits nun beim Landeskriminalamt Berlin wegen Todesdrohungen Strafanzeige gestellt.

          Am Donnerstag hatte eine Sprecherin der Landespolizeidirektion Nordhausen erklärt, es werde wegen der Kunstaktion neben dem Wohnhaus Höckes der Verdacht auf Nachstellung, Nötigung und Diebstahl geprüft. Das ZPS hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

          Die Künstler bestätigten zugleich den Eingang einer Kündigung für das angemietete Grundstück durch den Vermieter. Diese sei jedoch nicht berechtigt, sagte die Sprecherin des ZPS. Die Künstler hatten am Mittwoch angekündigt, bis mindestens 2019 das Grundstück nutzen zu wollen. In einer Crowdfunding-Aktion wurden dafür bis Freitagmittag rund 90.000 Euro im Internet gesammelt. Damit seien die Kosten für mindestens fünf Jahre gesichert, hieß es: „Das wird eher ein Denkmal für die Ewigkeit.“

          Nach Angaben des ZPS wohnten schon seit mehreren Monaten Aktionskünstler in Höckes Nachbarschaft. Die Beobachtung des Politikers durch den von den Künstlern ins Leben gerufenen „Zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz Thüringen“ werde erst eingestellt, wenn Höcke einen Kniefall vor einem der beiden Mahnmale – in Berlin oder in Bornhagen – mache. Auf diese Aussagen stützen sich laut Polizei die Ermittlungen wegen des Verdachts der Nachstellung und der Nötigung.

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