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Das Unglück von Eschede Kondoliert wird nur bei gültiger Fahrkarte

Vor fünfzehn Jahren starben beim Zugunglück von Eschede 101 Menschen. Statt Hinterbliebene und Überlebende um Verzeihung zu bitten und anständig zu entschädigen, entschuldigt sich die Deutsche Bahn selbst.

© dpa Vergrößern Der Gedenkstein für die Opfer von Eschede

„Ich werde mich im Namen der Bahn bei den Opfern und ihren Angehörigen für das entstandene menschliche Leid entschuldigen“, verkündete Bahnchef Rüdiger Grube in einem Interview mit dieser Zeitung wenige Tage vor dem fünfzehnten Jahrestag des ICE-Unfalls von Eschede am 3. Juni 1998. Eine Bitte um Verzeihung ist das nicht - der Bahnchef führt öffentlich Entschuldigung durch. Das soll heißen: Wir sind unschuldig.

Ein zerbrochenes Rad hatte das „Flaggschiff der Deutschen Bahn“, das „Wunderwerk der Technik“ zerschellen lassen - 101 Tote, 105 Verletzte, doch niemand will dafür verantwortlich sein. „Hier hat es kein Versagen irgendwelcher Sicherheitseinrichtungen gegeben“, hatte schon ein paar Stunden nach der Katastrophe der damalige Bahn-Vorstand Peter Münchschwander behauptet. „Die Radreifen-Technologie war zugelassen und durfte eingesetzt werden“, hat Bahnchef Grube nun im Interview noch einmal bekräftigt (F.A.Z. vom 25. Mai).

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Tatsache ist, dass die gummigefederten Räder 1992 nach deutlich verkürzter Erprobungszeit eingeführt wurden, um den „kommerziellen Erfolg des ICE“ zu sichern. Dabei wusste der Bahnvorstand vom „gewissen Risiko wegen der fehlenden Betriebserfahrung“. Die „laufenden Kontrollen“ der Räder, die der damalige Bahnvorstand Roland Heinisch bei deren Einführung zugesichert hatte, fanden nicht statt. Die Festigkeit der Räder wurde nicht durch regelmäßige Untersuchungen überprüft.

Mit der in den ICE-Betriebswerken München und Hamburg praktizierten Ultraschalluntersuchung ließen sich Risse im Innern der Räder, wo die höchsten Spannungen auftreten, nicht feststellen. Zuletzt hatte bei der Kontrolle des ICE 884 im Münchner Betriebswerk in der Nacht vor dem Unfall ein Disponent am defekten Rad eine Rundlaufabweichung festgestellt, die fast das Doppelte des zulässigen Grenzwerts betrug. Das Rad hätte laut Dienstanweisung zwingend ausgetauscht werden müssen, zumal Zugbegleiter in den Wochen davor achtmal die Flachstelle gemeldet hatten.

Kein Schuldeingeständnis seitens der Bahn

Ein Polizist der Sonderkommission Eschede berichtete später, bei der Überprüfung der Raddurchmesser am ICE 884 sei in der Zeit vor dem Unfall fast die Hälfte der Messungen offensichtlich unglaubwürdig gewesen. Teilweise hätten die Messgeräte angezeigt, die abgefahrenen Radreifen seien um drei Zentimeter „gewachsen“.

Der Bahnvorstand solle ihn um Verzeihung bitten für den Tod seiner Frau und seiner beiden Kinder im ICE, sagte Erwin Weidmann aus Schwabach. Doch auf ein solches Schuldeingeständnis warten die Hinterbliebenen und Überlebenden seit nunmehr fünfzehn Jahren vergebens. Bei der Bahn entschuldigt man sich für ein paar Minuten Verspätung, nicht aber für 206 Tote und Verletzte. Udo Bauch, der nach dem Unfall mit dreißig Jahren als Schwerbehinderter erwerbsunfähig wurde, sagte, er habe den Eindruck, er solle sich bei der Bahn dafür entschuldigen, im ICE gesessen zu haben.

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