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Amerikanische Reaktionen auf Grass-Gedicht : „Eine ineffiziente Denunziation“

Günter Grass mit seinem Gedicht in der „Süddeutschen Zeitung“ Bild: dpa

Moralisch hohl, politisch beschämend: Amerikanische Kommentatoren zeigen sich entsetzt über Grass’ Gedicht und die Zustimmung, die es erfährt.

          Mit der Verbreitung der unterschiedlichen Übersetzungen von „Was gesagt werden muss“ im Internet wächst nun auch in den Vereinigten Staaten die Empörung über das Israel-Gedicht von Günter Grass. Die großen Zeitungen des Landes beschränken sich zwar noch auf Korrespondentenberichte, räumen aber nach der Reaktion der israelischen Regierung, Grass zur unerwünschten Person zu erklären, dem Thema nun etwas mehr Platz ein.

          Jordan Mejias

          Feuilletonkorrespondent in New York.

          So machen Ethan Bronner und Nicholas Kulish in der „New York Times“ (die entgegen ersten Behauptungen das Gedicht nicht abgedruckt hat und es auch gar nicht angeboten bekommen hatte) darauf aufmerksam, dass viele Leser der Internetausgaben deutscher Zeitungen, namentlich auch der F.A.Z., sich mit ihren Diskussionsbeiträgen auf die Seite von Grass schlügen.

          Schnipsel in Glückskeksen

          Ganz anders der Sturm im Internet. Für die Zeitschrift „The Atlantic“ hat Heather Horn versucht, die „unnötig teutonischen Konstruktionen zu entwirren“, und kommt zum Ergebnis, dass „nicht eben die hübscheste Prosa im deutschen Original“ zu finden sei und es sich auf Englisch auch nicht viel besser lese. Das Gedicht hält sie für „offen und verwegen politisch“ und bezeichnet es als „eine ineffiziente Denunziation - als wolle jemand einen Absatz mit soliden Begründungen schreiben, schneide ihn dann aber in Stücke und stecke die Schnipsel in Glückskekse.“

          Die „New Republic“ überlässt den Kommentar Jeffrey Herf, Professor für moderne europäische Geschichte an der University of Maryland, der Grass’ Prosagedicht „moralisch hohl und politisch beschämend“ nennt. Herf erinnert an frühere Kontroversen des Literaturnobelpreisträgers und beschreibt dessen „Konfusion über internationale Politik“ als eine altbekannte Sache, „a matter of long standing“. Jacob Heilbrunn ergreift das Wort für „The National Interest“ und ist nicht nur entsetzt über Grass’ „widerwärtige Aussagen“ und dessen „wilde und fiebrige und verleumderische“ Sprache: „Ein ehemaliges Mitglied der SS, um es milde zu sagen, hat nicht das moralische Recht, Israel zu kritisieren. Sein Schweigen zu brechen, wie er es ausdrückt, ist kein Zeichen von Mut, sondern eine Schande.“ Der Vorwurf des Antisemitismus werde allzu häufig gegen Kritiker Israels erhoben, sei in diesem Fall aber leider voll verdient. „Das hier muss jetzt wirklich gesagt werden: Grass hat das Unmögliche fertiggebracht. Er hat seinen Ruf noch mehr beschädigt.“

          Steigende Flut des Antisemitismus

          Auf der Website von „Commentary“ zieht Jonathan S. Tobin eine Verbindung zur „steigenden Flut des Antisemitismus in Europa“, wobei „führende Intellektuelle“ für Tobin eine niederträchtige Rolle spielen. „Das Spektakel eines ehemaligen Nazis, der eine Rationalisierung eines Regimes vorlegt, das zu einer ähnlichen Art von Hass gegenüber Juden aufhetzt, mag jämmerlich sein. Aber dass eine solche Person als Gewissen seiner Nation angesehen wird, spricht Bände über den heruntergekommenen Zustand des intellektuellen Diskurses im gegenwärtigen Europa. Dank Gestalten wie Grass und anderen führenden Persönlichkeiten der Kulturszene wie Großbritanniens Emma Thompson sind für Antisemiten die besten Tage in Europa angebrochen, seit der Schriftsteller in der SS Hitler salutierte.“

          Im Weblog „Heeb“, das sich vor allem an junge amerikanische Juden wendet, wundert sich Fabian Wolff, dass Leute sich überhaupt noch darüber aufregen, was Grass, ein Autor von „überreizten und hochgejubelten Haufen des Nichts“, zu sagen habe. Das Gedicht sei „lächerlich schlecht“, „fast völlig unlesbar“ und „im Grunde nichts anderes als ein Artikel für die Meinungsseite mit umbrochenen Zeilen“. Grass äußere sich so grantig und selbstgerecht über Politik, als warte die ganze Welt nur auf die Meinung „of this altekacker“. 

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