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Causa Kirchhof Der Professor und das Nichts

 ·  Da öffnet ein Professor aus Heidelberg den Deutschen den sauber durchgerechneten Garten der Freiheit - und plötzlich haben alle Angst davor. Der Gärtner, der frisches Obst verspricht, wird als Phantast verschrien. Ein Tag mit Paul Kirchhof.

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Matthias Müller
Matthias Müller (MattiM) - 16.09.2005 14:55 Uhr

Inszenierte Wahrhaftigkeit

Mit Wahrhaftigkeit, so traurig es klingt, lässt sich nunmal bei Wahlen mittlerweile kein Blumentopf gewinnen. Mit inszenierter Wahrhaftigkeit jedoch durchaus. Und das ist das Schicksal in das sich die Politik zu fügen hat. Rückgängig kann diese Entwicklung, die schlicht in der Ambivalenz von Demokratie und Parteienkonkurrenz begründet ist, nicht mehr gemacht werden. Also hilft es keiner Partei, der Wahrhaftigkeit am Nächsten kommende Konzepte zu haben. Sie müssen sie auch vermitteln können, was offensichtlich bei einer besorgniserregenden hohen Zahl von Mitbürgern nur bedingt möglich ist. Und dieser Wahlkampf der Union ist in diesem Punkt teilweise ungeschickt verlaufen.

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B. Keim
B. Keim (bkeim) - 15.09.2005 19:52 Uhr

Wer wissen will, der lese...

Aber vielleicht ist das gerade auch das Problem in unserer Mediengesellschaft. Man läßt Meinung bilden, denn eigene Meinung setzt auch denn Willen zur Bildung voraus.
Vielleicht zeigt uns die Causa Kirchhof aber auch, wie weit wir uns von den Grundlagen einer ordentlichen Regierung entfernt haben. Da sind einerseits Politiker, die – wie es etliche Umfragen belegen - in der Glaubwürdigkeit ganz unten angesiedelt sind, auf der anderen Seite Spezialisten, die von der Sache mehr verstehen, aber auf kein Verständnis der Politik, der Medien und der Öffentlichkeit hoffen dürfen, da sie eines nicht besitzen: die Deutungshoheit.
Die Deutungshoheit liegt immer bei der Politik und in den Medien. Und so wird Kirchhof (die Frage darf erlaubt sein, wieviele Politiker und Journalisten tatsächlich seine Werke gelesen haben?) vor dem sensationslüsternen Publikum als ein weltfremder Trottel zur Schau gestellt.
Das Ganze hat etwas ziemlich Degoutantes.

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Medienwelt

Ein Artikel der mir aus dem Herzen spricht.

Angesichts dieser Auflistung von Tatbeständen der deutschen Mediokratie stellt sich nicht nur die Frage nach der Medikation unseres Finanz- und Wirtschaftsstandortes, sondern auch die Frage nach unserem Verhältnis zu Werten wie z. B. der Wahrhaftigkeit. Unser Gemeinwesen mit seiner (gottseidank) deregulierten (=unzensierten) Medienlandschaft wird in hohem Maße von der Öffentlichkeitswirkung von Äußerungen bestimmt. Leider ist es an der Tagesordnung, dass, statt wie anderswo die Schere des Zensors, die Quote über Art, Umfang, Stil und Unterton der Darstellung eines Sachverhaltes bestimmt.

Nicht also die Verpflichtung zur Wahrheit, sondern andere Kriterien bestimmen darüber wie uns Lesern, Sehern und Hörern Geschehenes erreicht.

Dies führt in einer Art Verhaltenskonditionierung zu einem politischen Stil der nicht mehr die Wahrheit über das, was dem Land nützt, in den Vordergrund der Äußerungen stellt, sondern die Öffentlichkeitswirkung. Letztlich geschieht dies nach dem Motto: Wer sägt schon auf dem Ast auf dem er höchst komfortabel sitzt. Nur ist hier nicht der Politiker zu schelten, der sich ja durchaus rational verhält (warum sollte er sich auch selbst schaden), sondern die "Verhältnisse" sind es die ihn zu verfälschenden Darstellungen verführen, will er denn erfolgreich sein.

Prof. Kirchhof und seine Erkenntnisse sind nur EIN prominentes Opfer dieses Systems. Bleibt die Frage: Gibt es Aussicht auf Heilung?

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Christoph Haas
Christoph Haas (lsrider) - 15.09.2005 14:33 Uhr

Spottfigur

"Früher habe ich mich gefragt, wie formuliere ich so, daß ich verstanden werde? Heute sage ich: Wie formuliere ich so, daß ich nicht verfälscht werden kann?”

... und wann fragt er sich wie er formulieren kann, dass er nicht verfälscht UND DENNOCH verstanden werden kann?

Unsere allseits beliebten Berufs-Politiker haben jedenfalls hierzu wohl noch keine Lösung gefunden ... aber wollen sie überhaupt eine finden? Denn dazu bräuchten sie eine Aussage, ein Konzept, etwas das es zu verstehen gilt.
Aber, selbst wenn sie eins haben, rücken sie damit nicht raus - wahrscheinlich genau aus diesem Grunde, oder weil sie befürchten verglichen zu werden.

Und daher:
„Ich kann mich nicht mit dem Konzept der Regierungsparteien vergleichen”, sagt er, „denn da ist nichts. Sie haben nichts vorgelegt. Ich kann mich nicht mit Nichts vergleichen.”

Was bleibt, ist die Unmöglichkeit eines Großteils der denkenden Wähler, sich entscheiden zu können. Wenn selbst diejenigen, die echte Konzepte formulieren, zu 'Spottfiguren' der Gegner werden, dann entscheiden nur noch jene Wähler, die sich von Äußerlichkeiten leiten lassen.

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auf den Punkt gebracht

Es ist schon eigenartig - allwöchentlich haben wir verfolgt, wie telegene Moderatoren und Kommentatoren, Politiker a.D. forderten, män müsse dem volk die Wahrheit sagen.
Dieser Forderung wurde nachgekommen - eigentlich müssten die oben Genannten doch zufrieden Beifall klatschen. Stattdessen erheben sie sich zur Stimme des "einfachen Volkes" (gibt es auch ein kompliziertes, oder gar ein gänzlich anderes) und kommentieren Kirchhofs Ideen in manipulativer Absicht.
So diskreditiert sich eigentlich ein Berufsstand selbst. Schade nur, dass dies von so wenigen Menschen bemerkt wird. Mir wären mehrere Menschen von solcher Kompetenz und solcher Geradlinigkeit lieber - nicht nur in einem Kompetenzteam, sondern auf den Regierungsbänken dieser Nation. Vielleicht ist Kirchhof der Einstieg, wieder die Elite in die Parlamente zu bekommen, statt des "Voll-versorgten Mittelmaßes".
Ich wünsche mir, dass das "Wahlvolk" aufwacht und Programme selbst liest, statt sie sich von Journalisten zerpflückt ausschnittsweise einzuverleiben - und liebe TV Journalisten - Kommentare haben in der Berichterstattung NICHTS zu suchen...
Danke, Herr Schirrmacher!

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Causa Kirchoff

Dieser Leserbeitrag zu diesem Artikel ist wirklich bemerkenswert. Er bringt die Dinge auf den Punkt. Es kann nicht sein, dass wir den Staat als Vaterfigur empfinden, der uns an die Hand nehmen soll und uns die Probleme abnehmen soll. Der Staat muss viel mehr als Konkurrent betrachtet werden. Wir müssen in Deutschland wieder die Tugenden und Gedanken heraufbeschwören, die uns gross gemacht haben. Wir müssen uns in unsere Strukur ändern: wir müssen endlich den Weg hinzu einer leistungsorientieren Gesellschaft finden. Also packen wir es an. "Wir haben kein Erkenntnisproblem in Deutschland, wir haben ein Umsetzungproblem", wie es Roman Herzog in seiner "Hau-Ruck-Rede" formulierte. Also frisch ans Werk und das Kreuz an der richtigen Stelle setzen.

Danke.

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Causa Kirchof

Exzellenter Artikel, der dem Problem endlich einmal gerecht wird. In Wirklichkeit ist das Kirchhof Konzept nicht sehr schwer zu verstehen. Es ersetzt staatliche Bevormundung und Gängelung mit Freiheit.
Manchmal muss man sich aber in Deutschland die Frage stellen, ob Werte wie Freiheit und Risikobereitschaft, Unternehmertum und Veränderungswillen mehrheitsfähig sind. Es steht zu befürchten, dass 50 Jahre staatliche Bevormundung ihre Wirkung getan hat und den Bürger zu einem willfährigen Werkzeug des Staates und aller staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen gemacht hat.
Der Bürger als "Stimmvieh", gegängelt und gelenkt von Staat, Institutionen, Parteien, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und...etc

Die Journalisten der elektronischen Medien (Fernsehen und Radio) sind Teil dieses Systems. Insbesondere diejenigen des öffentlich-rechtlichen Bereichs. Sie selbst sind Profiteure dieses Institutionenstaates. Es ist also nicht verwunderlich, dass diese Journalisten in den "Abgesang des Sozialstaates" vielstimmig mitsingen, sind sie doch selbst potentielle Verlierer im Falle der Verwirklichung des Kirchof Konzeptes. Wir Bürger sind selbst schuldig, dass wir uns diese Bevormundung so lange haben gefallen lassen. Vielleicht ist es Zeit aufzuwachen und endlich die gesamte "Gutmenschenelite" samt ihrer willfährigen Claqueure aus den Ämtern zu jagen. Deshlab: Ja zu Kirchof! Der Weg dorthin führt über die Wahlen am kommenden Sonntag.

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Kuschelige Gesellschaft

Innovative Produkte haben es eben sehr schwer.

Aber zur Produktion gehört doch wohl auch die Vermarktung und die hat Paul Kirchhoff leider in seinem Eifer vergessen.

Als Bundesverfassungsrichter hatte er es eben leichter:
Seine Kommentare wurden aufgrund seinen Status automatisch vom Kohlhammer Verlag veröffentlicht.

Da hatte er quasi eine Monopolsituation.

Nun gibt es aber andere Märkte, die sich durch Angebot und Nachfrage auszeichnen....

Ich muß schon ein bisschen lächeln, wie Paul Kirchhoff peu à peu begreift, dass er sich auf einem deregulierten Markt befindet...

So ist das eben mit der Freiheit...
wer sie fordert, sollte selber auch dafür gewappnet sein

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Matthias Müller
Matthias Müller (MattiM) - 14.09.2005 14:42 Uhr

Auf Messers Schneide

Man kann sich nur fragen wie leicht manipulierbar diese Wahlbevölkerung hier ist, solch vertrottelter Demagogie der SPD zu folgen. Wo bitte ist das Problem diese Regierung abzuwählen?!
Sollte es trotz allem für Schwarz-Gelb reichen, wird diese neuerliche Stimmungsumkehr wohl als letztes Aufbäumen der Deutschen vor den notwenigen Veränderungen zu interpretieren sein. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Aufbäumen sich in den Wahlergebnissen nicht zu weit ausdehnt. Denn sonst stünde die Zukunft auf mehr als wackeligen Beinen. Insofern ist dieses in der Tat eine entscheidende Richtungswahl.

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Maximilian Müller

Causa Kirchhof

Endlich: einer der wenigen Artikel, die Prof. Kirchhof sowohl auf menschlicher, politischer als auch intellektueller Ebene gerecht wird. Danke!

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obsti (obsti) - 14.09.2005 13:35 Uhr

Causa Kirchhof

obiger Beitrag ist klasse. Depremierend sind die in den Wahlkampf-Talkshows fragenden Moderatoren ,deren Fragen meistens an den wirklichen Problemen vorbei gehen und die sich dann auch noch mit den vorgestanzten Wahlparolen zufrieden geben , die mit der Frage oft nichts zu tun haben . Ich kann mich doch als Mensch nicht so verdummen lassen ! Berufsehre ? Was ist das für ein Berufsstand ?
J. Obst

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obsti (obsti) - 14.09.2005 13:25 Uhr

Causa Kirchhoff


einfach klasse

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Jahrgang 1959, Herausgeber.

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