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„Cumhuriyet“-Chefredakteur : Can Dündar tritt zurück

  • Aktualisiert am

Richter, die seine Freilassung angeordnet hatten, sind nach dem 15. Juli entlassen worden: Can Dündar ist als Chefredakteur der türkischen „Cumhuriyet“ zurückgetreten. Bild: dpa

Eigentlich wollte er nur eine längere Pause machen. Nun gibt der Journalist Dündar seinen Posten als „Cumhuriyet“-Chef auf und bleibt vorerst in Europa. Vertrauen in die türkische Justiz hat er nicht mehr.

          Nach dem Putschversuch in der Türkei ist der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, von seinem Posten zurückgetreten. Dündar hält sich zurzeit in Europa auf. In seiner Kolumne in der „Cumhuriyet“ kündigte er an diesem Montag an, er werde nicht in die Türkei zurückkehren, solange der Ausnahmezustand andauere.

          Dündar will weiter Kolumnen in der „Cumhuriyet“ schreiben. Seinen Posten als Chefredakteur trete er an seinen Vertreter Oguz Güven ab.

          Staatspräsident Recep Tayyio Erdogan hatte am 20. Juli einen Ausnahmezustand verhängt, der zunächst für drei Monate gilt. Er kann jedoch verlängert werden.

          Dündar und der Hauptstadtbüroleiter der „Cumhuriyet“, Erdem Gül, waren im Mai zu fünf Jahren und zehn Monaten beziehungsweise fünf Jahren Haft verurteilt worden. Sie wurden für schuldig befunden, geheime Dokumente veröffentlicht zu haben, die türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien 2015 belegen sollen.

          Dündars Verteidiger hatte Berufung angekündigt. Ein Verfahren wegen Unterstützung einer Terrororganisation wurde abgetrennt und steht noch aus.

          Den Kopf nichts aufs Schafott legen

          Dündar und Gül saßen drei Monate in Untersuchungshaft, bevor das Verfassungsgericht Ende Februar vergangenen Jahres ihre Freilassung anordnete. Anfang Juli hatte Dündar eine längere Auszeit in Europa angekündigt und sich zunächst vorübergehend als Chefredakteur in der Türkei vertreten lassen.

          Dass er nun vorerst nicht zurückkehrt, begründete Dündar in seiner Kolumne unter anderem damit, dass er das Vertrauen in die türkische Justiz verloren habe. Am Tag nach dem Putschversuch vom 15. Juli seien zwei der Richter entlassen worden, die die Aufhebung seiner Untersuchungshaft unterschrieben hätten. Auch am Berufungsgericht habe es Entlassungen gegeben.

          Der Ausnahmezustand habe der Regierung die Möglichkeit gegeben, die Justiz nach ihrem Willen zu kontrollieren, schrieb Dündar. „Einer solchen Justiz zu trauen hätte bedeutet, den Kopf aufs Schafott zu legen.“

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