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Burn-Out-Syndrom Gib mir mehr

 ·  Er war Manager in einem großen Unternehmen. Nachdem er sechs Wochen wegen eines Burn-Out-Syndroms in der Klinik war, kehrt er an seinen Schreibtisch zurück.

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Am zehnten Tag in der Klinik kehrt bei Martin Preuss die Schlaflosigkeit zurück. Er grübelt wieder: Über die Mail des Headhunters, der ihm einen reizvollen Job angeboten hat. Über seinen Sohn, der seit seiner Abreise schlechter schläft. Und dann wächst in ihm auch die Wut auf seinen Arbeitgeber. Dass der ihn in den Burn-Out getrieben hat und er nun in dieser Klinik sitzt als einzigem Ausweg.

Preuss ist ein nüchterner Typ. Mit seinem schlanken, straffen Körper sieht er fitter aus als andere Mittvierziger. Dabei hat er das Joggen in den vergangenen zwei Jahren nahezu eingestellt. Wenn er über seine Gefühle redet, was in der Klinik zwangsläufig geschieht, hat er denselben Tonfall, als spräche er über eine neue Produktlinie: Knapp, analytisch, auf den Punkt. Manchmal aber sind seine Sätze so kurzatmig, dass sie neben seinen merkwürdig matten Augen am ehesten Aufschluss darüber geben, was ihn in die Klinik gebracht hat. Martin Preuss, der nur in dieser Geschichte diesen Namen trägt, war Marketingmanager in einem Dax-Unternehmen. Das heißt, er ist es immer noch. Aber jetzt ist er erst einmal hier.

Über der Schön Klinik in Bad Arolsen ziehen Schwalben Kreise vor der weißen Rotunde, dem zentralen Abschnitt des vierstöckigen Gebäudes. Sieht man nicht genau hin, könnte man den Bau für ein Raumschiff mit runder Kommandozentrale und eckigem Seitenschiff halten. Inzwischen findet Preuss sich zurecht auf den hellen Gängen des noch jungen Krankenhauses. Vor dreieinhalb Jahren eröffnet, kommt das Innere einem Hotel näher als der Idee einer Klapse, die Spielfilme wie „Einer flog über das Kuckucksnest“ prägten. Nirgends gibt es Tablettwagen mit Nierenschalen. Auf den Türschildern sind die Namen der Patienten montiert, falls sie zuvor zugestimmt haben. Denn die meisten bleiben länger: sechs Wochen oder zwei Monate. Die jungen Frauen mit Essstörungen, die Angstgestörten, die Depressiven, die Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen - sie sollen hier wieder auf stabilere Bahnen zurückgelenkt werden. Auch Martin Preuss erhofft sich, seine innere Mitte wieder zu finden.

Es ist ein sonniger Julitag. Vor eineinhalb Wochen ist er nach einer hastigen Fluchtaktion eingetroffen. Der drastische Schritt, verbunden mit der Lüge einer langen Geschäftsreise gegenüber seinem kleinen Sohn, schien ihm der einzige Ausweg. Denn eigentlich war ihm schon vor zweieinhalb Jahren klar, dass er die Belastung nicht mehr meistern konnte.

„Die Geschichte fing damit an, dass aus einem Job zwei wurden“, sagt er rückblickend. Ein Kollege war ausgeschieden, Preuss bekam dessen Tätigkeit zusätzlich aufgebrummt. Das bedeutete mehr Verantwortung. Ein neues Produkt sollte auf den Markt gebracht werden. Preuss ist bei seinem Wunscharbeitgeber beschäftigt. Er legte sich ins Zeug, erbte fremde Projekte, bald reichte die Zeit im Büro nicht mehr aus, um die Arbeit zu schaffen.

Martin Preuss und seine Frau haben einen Sohn im Grundschulalter, um den vor allem sie sich kümmert. Sie war nach der Rückkehr von einem gemeinsamen Auslandsaufenthalt, der Preuss mehr als sie befriedigt hatte, nicht in ihren Beruf zurückgekehrt. Nun nimmt er sein Büro gedanklich mit nach Hause, vernachlässigt dafür sein Kind, und wird dennoch anscheinend nie fertig. Im Bett zermartert er sich das Hirn, spielt Lösungen durch, die Nacht wird zur Arbeitszeit. Er kapselt sich ab, ist schnell gereizt, vergisst, was ihm Kollegen gerade erst mitgeteilt haben. Schlafstörungen rauben ihm die Konzentrationsfähigkeit, er wird anfällig für Infekte, das Herz rast. In den wenigen Stunden zu Hause ist er antriebslos. „Ich funktionierte wie ein Hamster im Rad“, sagt er, „Nach dem Essen: Glotze und Zappen, bloß nicht mehr nachdenken.“

2010 entwickelt sich für Martin Preuss zum Horrorjahr. Die Produkteinführung verschiebt sich immer weiter nach hinten. Als der Chef wieder einmal seinen Wunsch zurückweist, den Job aufzuteilen, schleppt er sich wegen seiner Schlafstörungen zum Betriebsarzt. Das Stichwort „Burnout“ fällt. Einen Monat später erleidet er einen Zusammenbruch, lässt sich zwei Wochen lang krank schreiben. Aus Sorge vor der Reaktion seiner Vorgesetzten bittet er aber darum, die Diagnose zu verschleiern. Sein Pflichtgefühl treibt ihn nach einer Woche zurück zur Arbeit. Doch gegen seine bohrenden Kopfschmerzen verfehlen selbst Tabletten ihre Wirkung. Preuss sucht einen ambulanten Psychotherapeuten auf, der sagt: „Ich lade sie zu einer stationären Aufnahme ein.“

Anfang Juli wird es auf einen Schlag konkret. Die Schön Klinik hatte den besten Eindruck auf Preuss gemacht, zumindest abstrakt. Nun findet er einen Brief der Klinik in seinem Briefkasten. „Aus einer Möglichkeit wurde Realität“, erinnert er sich. Seine Frau ermuntert ihn. Danach geht es schnell: Nur zwei Arbeitstage bleiben ihm, um alles Nötige für seine Abwesenheit zu regeln. In einer Rundmail erklärt er die ungewöhnlich lange Pause mit einer „Auszeit“. Mittwoch packt er seine Sachen - viel zu viele Pullover, zu wenig Sportsachen, wie ihm zu spät auffällt. Am Donnerstag erreicht er die nordhessische Kleinstadt. Eine halbe Stunde von Kassel entfernt, eine halbe Stunde von Paderborn, ist sie gerade so gelegen, dass die Patienten sich so reizarm wie möglich auf ihre Therapie konzentrieren können.

Die Schön Klinik liegt ganz am Ende der Stadt, davor ist eine Wiese, dahinter Wald. In einem nahegelegenen Schrebergarten bereitet ein Ehepaar sein Mittagessen vor. Die Walking-Gruppe mit Herrn Wagner schreitet eifrigen Schrittes über den Parkplatz den Fachwerkhäusern der Innenstadt entgegen. „Die Stöcke sind zum Heben da, nicht zum Schleifen“, scherzt einer der Raucher, die vor dem Eingangsbereich qualmen und ansonsten positive Stimmung verbreiten. „Ich bin hier gut aufgehoben - wie in einer Käseglocke“, sagt sich Preuss. Wenn er schildert, welche Erwartungen er an den Aufenthalt hat, behilft er sich mit Metaphern wie „Schnitt“ oder „Batterie auftanken“.

 

„Ich muss immer weiter kommen“

Nachdem die ersten anstrengenden Formalitäten vorbei sind, fällt er an seinem ersten Wochenende in Bad Arolsen erst einmal in ein Loch. Außer dem alten Fürstenschloss mit imposanter Grünanlage, einigen Alleen und einer Handvoll Gaststätten gibt es nicht viel außer Ruhe, obwohl er gerade davon zuletzt zu wenig hatte. Langsam gewöhnt sich Preuss an die Spaziergänge und dass er nun Zeit zum Nachdenken hat. Er nutzt die Sportangebote der Klinik. Sein Körper soll wieder so leistungsfähig sein, wie er nach äußerem Anschein immer noch wirkt. Denn der Sport löst den Geist. Neben Jogging mit Anleitung nutzt Preuss integrative Bewegungstherapie und Krankengymnastik. Kunst- und Gestaltungstherapie lässt er außen vor, um sich zu entlasten.

Doch nun hat, nachdem er zehn Tage unter der Käseglocke „runtergekommen“ war, vergangene Nacht das Grübeln wieder eingesetzt. Auf seinem Laptop, über den er alle zwei Tage mit seiner Frau und seinem Sohn skypt und ab und zu private Kontakte pflegt, fand er eine Mail vor. Sie mussten sich beraten, die Mail stammte von einem Headhunter, der ihm einen Job mit viel Verantwortung angetragen hat. „Das würde noch mehr Leistung von mir verlangen, wäre aber eine neue Herausforderung“, sagt er sichtlich bewegt. Obwohl ihn der Kick reizt, sagt er ab.

Vor ihrem kleinen Besprechungszimmer streckt seine Bezugstherapeutin Gabriele Schmitz ihrem Patienten die Hand entgegen. Sie ist eine junge Frau mit westfälischem Zungenschlag; kastanienbraune Haare, modische Brille, gewinnender Humor. Wenn sie die Gefühle ihrer Patienten wiedergibt, sagt sie häufig „boah“. Nur scheinbar steht das im Kontrast zu ihrem fundierten Sachverstand.

Schmitz zeigt Preuss eine bunte Grafik, ein Stress-Schwellen-Modell. Zwei Kurven veranschaulichen die psychische Belastung von zwei Patienten. Der eine hat einen niedrigen Grundlevel an Stress, im Modell grün dargestellt, der andere einen höheren. Kommt es nun zu einer Mehrbelastung, steigen die beiden Kurven im selben Maß an, aber während die eine damit nur eine Mittellage erreicht, frisst sich die zweite tief in den roten Bereich hinein.

„Uns geht es darum, die Grundanspannung zu senken, damit die Ausschläge nicht mehr so problematisch sind“, erklärt Schmitz. Viel Sport, keine Termine mehr nach zwanzig Uhr - das seien Mittel, um sich für die Erregungsspitzen zu wappnen. „Schon das Butterbrot vor dem Fernseher zu essen, kann ein erstes Frühwarnzeichen sein“, sagt sie. Nach dem Gespräch findet Preuss, ein Aha-Effekt sei bei ihm noch ausgeblieben. Das wird während seines sechswöchigen Aufenthalts so bleiben. Die Ungeduld, mit der Therapie voranzukommen, treibt ihn. Aber das neue Bewusstsein kommt schleichend.

So umstritten es ist, so klar stellt für seine Therapeutin Schmitz Burnout ein eigenständiges Krankheitsbild dar, auch wenn die internationale Einstufung psychischer Erkrankungen noch Anderes sagt. In Bad Arolsen zeige sich immer wieder, dass Depressive mit Burnout mehr Behandlungserfolg haben, wenn sie mit anderen Burnout-Patienten zusammenkommen als mit Depressiven, die einen anderen Hintergrund haben. Die Therapeutin wertet das als Hinweis auf eine eigenständige Diagnose. Deshalb sind ihr die Sitzungen in Gruppentherapie wichtig, die kaum eine andere Klinik anbietet.

Martin Preuss entdeckt viele Gemeinsamkeiten mit seinen Mitpatienten, seine „Mittagessensgruppe“ wächst stetig. Hier fühlt er sich verstanden. Sein Zustand verbessert sich. Er fragt die anderen, was passiere, wenn er in sein altes Umfeld zurückkommt. „Jetzt tanke ich die Batterie auf, aber ich habe Zweifel, dass die eigene Änderung reicht. Ich komme ja wieder in die alten Strukturen zurück.“ Seine Ausführungen sind jetzt weniger knapp. Er scheint sich lieber selbst zuzuhören als zu Beginn des Aufenthalts.

Mit einigen anderen aus seiner Truppe sitzt Preuss in einem großen hellen Gymnastikraum. Socken, Sporthose, Laufschuhe von Adidas, ein beiges Polohemd. Schon um sieben ist er seine Joggingrunde gelaufen. „Ich bin jetzt fit“, sagt er, bevor die integrative Bewegungstherapie beginnt. Neun Patienten bilden einen Kreis. „Holen Sie mit den Armen etwas heran, das sie gern haben und schieben sie Dinge weg, die Sie nicht mehr brauchen“, haucht die Therapeutin mit rhythmischer Stimme. Zum Schluss verbeugen sich die Patienten vor sich selbst.

Körper und Geist denken sich die Klinikverantwortlichen als Einheit. Mit Hilfe der Gruppentherapie will Gabriele Schmitz zu den verborgenen Leitsätzen ihrer Patienten vordringen - inneren Anweisungen, die ihre Werthaltungen verkörpern und ihr Denken und Handeln bestimmen. Doch Preuss fällt es schwer, auf seinen eigenen Leitsatz zu kommen. Vier Tage dauert es, fünf Tage. Schlechtes Gewissen setzt ein. Er kommt nur schwer an gegen dieses tief sitzende Gefühl, ein beruflicher Spätzünder zu sein. Spät und lang hat er promoviert, seine Freunde hatten schon Haus, Auto, Kinder. Er wollte aufholen. Doch sein hohes Verantwortungsbewusstsein ließ ihn auch immer Rücksicht auf seine Familie nehmen.

Endlich findet er dann seinen Leitsatz: „Ich muss immer weiter kommen.“ Er beherrsche sein Handeln, alle anderen Sätze leiteten sich daraus ab.

In der Gruppentherapie stellt er ihn auf die Probe: Seine Mitpatienten übernehmen Rollen seines Umfelds: Ehefrau, Sohn, Vorgesetzter, Freunde. Mit seinem Leitsatz tritt er an sie heran und wartet auf ihre Reaktion. Und die anderen spielen mit. Seinen imaginären Chef glotzt er wütend an. Dagegen fühlt er sich einer anderen Teilnehmerin gegenüber schuldig, die seine Familie verkörpert und sagt, er solle kürzer treten. Das Rollenspiel ist so echt, dass es ihn tief berührt. „Das musste ich erst mal verdauen“, erzählt er danach.

Wie jeden Tag spaziert er mit seiner Essensgruppe durch einen nah gelegenen Waldweg. „Fünfundvierzig Minuten Deprirunde“ spötteln sie. Hinter dem Parkplatz geht es einen Abhang hinunter, Laubbäume werfen Schatten. Nach der Hälfte des Wegs kommen sie an einem Gatter mit Schafen vorbei, ein kleines Bächlein plätschert. Wieder einmal erörtern sie ihre Fragen. Was ist, wenn ihn die Kollegen nach seiner Rückkehr herabstufen, wenn er als einer gilt, der nicht belastbar ist, wenn das Unverständnis des Chefs seine Frühwarnsignale konterkariert?

Nur zwei Worte eines Mitpatienten setzen bei Martin Preuss eine Gedankenkette in Gang: „Na und?!“

 

„Nächste Woche geht es wieder los“

Sechs Wochen zuvor hielt sich Preuss für perspektivlos. In seinem Arbeitsumfeld gab es kein Verständnis für Prävention. Wie in vielen Unternehmen verdichtete sich die Arbeit. Ausbeutung, Mensch als Ressource, Dank zur Weihnachtsfeier und danach alles weiter wie bisher - mit solchen Stichworten hat Preuss in der Klinik begonnen, seine Arbeit zu beurteilen. Das Streben nach Effizienz habe einen Preis, der in den Führungsetagen übersehen wird. Zwar kommen seine Leitsätze aus ihm selbst. Aber sein Arbeitgeber verschärfe die Lage. Ein zweites Mal noch hat er schlecht geschlafen: nachdem er mit seinem Unternehmen über die Rückkehr gesprochen hatte. Es gibt keine Aussicht, dass sein Job aufgeteilt wird. Die Anspannung hielt für zwei Tage. „Zu meiner Überraschung konnte ich danach loslassen. So kannte ich mich nicht“, sagt er. „Na und?!“ zu sagen, funktionierte.

Es ist August. Nur noch zwei Tage bis zu seinem Abschied. Preuss liegt rücklings auf dem Laminatboden von Raum T125: Physiotherapeut Michael Heim reicht ihm einen großen Gymnastikball. „Sie entscheiden, wie weit Sie ihn herübertragen“, weist er Preuss an. Wofür die Übung sei, fragt dieser, bevor er sie präzise ausführt. „Nicht mit zu viel Ehrgeiz herangehen. Denken Sie auch an die Entlastung“, bremst Heim ihn. Burnoutpatienten wollten manchmal zu viel auf einmal. Wenn er übermorgen nach Hause fahre, solle er daran denken, die Übungen fortzuführen. Es ist ihre letzte Sitzung. „Ich hoffe, wir sehen uns nicht wieder“, sagt Preuss zum Abschied, ohne dass man es ihm übel nehmen könnte und schickt doch noch hinterher: „Zumindest als Patient.“

Am letzten Abend versammelt Preuss noch einmal alle aus der Deprirunde um sich. Man werde versuchen, sich einmal im Jahr zu treffen, schwören sie sich, obwohl sie zum Teil weit auseinander wohnen. Er kann sich jetzt wieder freuen, bemerkt er. Sechs Wochen nach der vollständigen Perspektivlosigkeit ist das etwas wert. Nicht nur das „Na und?!“ hat er verinnerlicht. Auch die Erkenntnis aus der Gruppentherapie, dass er kürzer treten darf - seinen alternativen Leitsatz. Nach dem Abschied ist er so bewegt, dass er eine Schramme in den Kotflügel fährt.

Einige Wochen später, es ist September, bei Preuss zu Hause, hat der Regen die gesamte Joggingstrecke vermatscht. Er hat die lange Variante genommen: hinter der Autobahn, an den Feldern vorbei, die Anhöhe im Wald hinauf. Fünf Kilometer hat er zurückgelegt. Zweimal die Woche ist sein Pensum. Und heute hat er es gebraucht. In sechs Tagen wird er zu seinem Arbeitgeber zurückkehren. „Je näher der Termin rückt, desto mehr beschäftige ich mich damit“, sagt er. Erste Rückschläge nach seinem Abschied von der „Käseglocke“ liegen hinter ihm. Sein Chef hat entschieden: die Stelle wird nicht wieder aufgeteilt. Preuss zweifelt mehr denn je daran, dass man in seinem Unternehmen aus seiner Erfahrung gelernt habe.

Das „Na und?!“, den Konter auf seinen ungesunden Leitsatz, beherrsche er inzwischen. Er lebe achtsamer, werde sich auch einmal erlauben, früher nach Hause oder später zur Arbeit zu gehen. „Ich komme mir aber gerade vor, wie das Kaninchen vor der Schlange: Nächste Woche geht es wieder los.“ Der Vortag sei der schlechteste gewesen, seit er aus der Klinik heraus ist. Der Fernseher lief bis tief in die Nacht. Die alten Muster brachen wieder auf. „Ich habe daran gedacht, dass es immer noch keine Lösung gibt“, sagt er. Seine innere Unruhe überträgt sich, die Sätze sind wieder knapper. Trotz einer Woche Urlaub in Spanien scheint die Entspannung aus der letzten Klinikwoche verflogen. Sein Aufenthalt kommt ihm inzwischen wie eine Reise auf den Mond vor. Immerhin hat er jetzt das Joggen. Es hat ihn auf den Boden zurück geholt.

Er hat sich einen ambulanten Therapeuten gesucht. Die Wartezeit beträgt ein Dreiviertel Jahr. Bis dahin werde er klarkommen, ist sich Martin Preuss sicher. Am Montag wird er es dann sehen. Eine Karte von seinem Vorgesetzten als Willkommensgruß würde ihn freuen.

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Jahrgang 1977, Redakteur in der Wirtschaft.

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