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„Blauer Wittelsbacher“ Der teuerste Juwel aller Zeiten

10.12.2008 ·  Einst krönte der „Blaue Wittelsbacher“ die Bayerische Krone. Jetzt kam er zum zweiten Mal bei Christie's zur Auktion. Nach einem zähen Gefecht ging er für 16,4 Millionen Pfund an den Londoner Juwelenhändler Laurence Graff und wurde zum teuersten Juwel aller Zeiten.

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Allen Unkenrufen zum Trotz hat das Londoner Auktionshaus Christie's am Mittwoch mit dem 35,56 Karat schweren blauen Diamanten aus Wittelsbacher Provenienz das teuerste Juwel verkauft, das je zur Versteigerung gelangt ist. Nach zähem Gefecht fand der sogenannte „Blaue Wittelsbacher“ bei 16,4 Millionen Pfund den Zuschlag. Mit dem Aufpreis beläuft sich die Summe auf 18,75 Millionen Euro. Der über das Telefon bietende Londoner Juwelenhändler Laurence Graff setzte sich schließlich gegen einen Interessenten aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten durch, der dem Auktionshaus scheinbar nicht bekannt war und seinen Namen nicht preisgeben wollte.

Jedenfalls konnte man mithören, wie Raymond Sancroft-Baker, der als Europäischer Leiter der Juwelenabteilung von Christie's die Gebote Graffs an den Auktionator weiterleitete, dem Kunden am anderen Ende der Leitung kurz nach dem Überschreiten von vierzehn Millionen Pfund berichtete, der Gegenbieter sei ihm nicht bekannt.

Die Seltenheit macht den Preis

Zwei Mal versuchte Graff sich mit 14,5 Millionen Pfund durchzusetzen. Aber der Auktionator blieb hart. Wie inzwischen gang und gäbe bei spektakulären Ergebnissen brach mit dem Hammerschlag Applaus aus. Während die beiden Parteien um ihre Trophäe rangen, war der zuvor mit dem üblichen Händlergeschnatter gefüllte Saal in Stille verfallen. Man hätte eine Stecknadel fallen hören. Unterdessen funkelte der blaue Stein aus Indien, der in etwa der Größe einer Zwei-Euromünze gleichkommt, in seiner Vitrine, bewacht von einem Sicherheitsbeamten.

Der enorme Preis erklärt sich nicht nur mit der historischen Bedeutung. Vielmehr ist es die Seltenheit von blauen Diamanten dieser Art, die den Wert ausmacht. Den bisherigen Rekord für ein Juwel hielt ein weißer Diamant mit hundert Karat, der 1995 bei Sotheby's in Genf 16,5 Millionen Dollar erzielte. Ein Stein dieser Art werde sich bestimmt noch mal finden, berichtet Sancroft-Baker. Aber einen blauen Diamanten dieses Ranges gäbe es nicht mehr. Zudem gelangten vergleichbare Steine höchste selten auf den Markt, da sich die meisten im Besitz von Museen befänden.

König der Klunker

Graff scheint noch keinen Kunden für seinen neue Errungenschaft zu haben. Er will den Stein polieren, um das Feuer zu intensivieren, ohne freilich den Schliff zu verändern. Jetzt sei das Blau gräulich. Nach der Behandlung werde es eine strahlend tiefe Farbe bekommen, versichert Sancroft-Baker. Während er diese Einzelheiten preisgab, schellte sein Mobiltelefon. Es sei Graff, der gleich kommen wolle, um den Stein abzuholen, sagte er.

Laurence Graff, auch der „König der Klunker“ genannt, ist nicht nur weltführend in seinem Fach. Er tritt auch als Sammler von moderner Kunst in den Auktionssälen häufig in Erscheinung. Dabei waren seine Anfänge äußerst bescheiden. Im Londoner East End als Sohn eines jüdisch-orthodoxen Schneiders geboren, ging er schon mit vierzehn Jahren von der Schule. Im Alter von vierundzwanzig Jahren eröffnete er einen kleinen Laden in Hatton Garden, dem Londoner Juwelenviertel. Inzwischen hat er Niederlassungen in der edlen Bond Street und in New York, und gehört zu den vermögendsten Männern des Landes - nicht zuletzt Dank eines besonderen Kunden, des Sultans von Brunei. Getrieben hat Graff stets die Suche nach der allerbesten Qualität. Er könne sie geradezu riechen, hat er einmal bekannt.

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