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Bildung Bestanden? Aber wir haben doch gar nichts gelernt!

 ·  Was ist uns lieber: eine reiche oder eine kluge Bevölkerung? Solange Schulen und Universitäten nicht zur Selbständigkeit erziehen, sind wir von beidem weit entfernt. Einige Vorschläge zur Klärung unserer Bildungsziele, die mit einer Reform nichts zu tun haben.

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Gerade wird das neue Konjunkturprogramm diskutiert, mit dem die Bundesregierung der sich abzeichnenden Rezession entgegenwirken will. Dabei sind ihr nach den Automobilen und den Straßen zuletzt auch noch die Schulen eingefallen, für die man Geld ausgeben könnte. Dass es einer tiefen Wirtschaftskrise bedarf, um besondere Maßnahmen zur Instandsetzung von Schulgebäuden zu motivieren, hat eine eigene Aussagekraft. Wir restaurieren Schulen nicht, weil sie uns am Herz liegen und anderes als intakte Schulen für ein wohlhabendes Land eine Schande wäre, sondern damit es die Konjunktur beleben möge. Im Zweifel würden wir, dieser Logik zufolge, eine reiche Bevölkerung einer klugen vorziehen.

Das fällt in den Bildungsdebatten unserer Tage nur darum nicht auf, weil sie es zum Gegensatz von Industrie und Bildung erst gar nicht kommen lassen. Für die meisten Politiker sind Bildungsfragen ganz unmittelbar und in erster Linie Fragen des Erhalts von industriellen Arbeitsplätzen. Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft, hieß es einmal. Und wenn die Zukunft die Wirtschaft ist, dann hat, wer die Bildung hat, auch die Wirtschaft.

„Investieren“ in „unsere Köpfe“

Darum gehen Bildungsreden seit langem so: Zuerst wird betont, dass wir in einem rohstoffarmen Land leben. Wir haben weder Erdöl noch Gold oder Aluminium. Zwar gibt es bei näherem Nachdenken gar kein rohstoffreiches Land, in dem man gerne leben möchte; die allermeisten davon sind hundsarm, verödet und in der Hand von Räuberbanden. Aber die typische Bildungsrede will ja nicht selbst Kenntnisse demonstrieren, ihr genügt es, deren Mehrung für andere in Aussicht zu stellen. Also folgert sie aus der Rohstoffarmut, dass wir nur „unsere Köpfe“ haben. An dieser Stelle muss dann das Wort „investieren“ fallen. Wir müssen in die Köpfe investieren, denn sonst droht unser Weltmarktabsturz.

Hier erscheint es den Bildungsreden eindrucksvoll, die Zahl der Ingenieure zu erwähnen, die von den indischen und chinesischen Universitäten ausgebildet und demnächst gegen uns arbeiten werden. Da diese Zahlen irgendwo in der Nähe der bundesdeutschen Gesamtbevölkerung liegen, verstärkt das einen Eindruck, auf den man in der Bildungsrede später noch zurückkommen kann und der vor allem Hochschulpräsidenten im Publikum mit den Köpfen nicken lässt, den Eindruck nämlich, dass wir langfristig um eine vollständig durchpromovierte Bevölkerung kaum herumkommen werden. Gern verwendet wurde bis vor kurzem auch die Zahl der deutschen Nobelpreisträger nach 1945. Jene Zahl ist zuletzt, zumindest gefühltermaßen, sprunghaft angestiegen, bedauerlicherweise ohne jeden erkennbaren Zusammenhang mit Bildungsreformen. Das dürfte diese Kenngröße ein paar Jahre lang für Bildungsreden ungeeignet machen.

Zahlen wollen erhöht werden

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02.01.2009, 17:47 Uhr

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