http://www.faz.net/-gqz-7j9i9

Big Data : Warum man das Silicon Valley hassen darf

  • -Aktualisiert am

Die Welt ist, was Google ist: So sieht Google Earth aufs Silicon Valley Bild: Google Earth

Die Kritik am Silicon Valley muss politisch sein: Wie die Internetkonzerne den Diskurs steuern und uns Enteignung und Manipulation als den Fortschritt verkaufen.

          Wenn Ronald Reagan der erste Teflon-Präsident war, dann ist Silicon Valley die erste Teflon-Industrie. Man kann sie mit noch so viel Schmutz bewerfen, nichts bleibt haften. Während „Big Pharma“, „Big Food“ und „Big Oil“ abwertende Ausdrücke sind, mit denen man die in diesen Branchen herrschende Gier beschreibt, gilt das für „Big Data“ nicht. Dieser unschuldige Ausdruck wird nie zur Kennzeichnung der gemeinsamen Ziele von Technologieunternehmen verwendet. Welcher gemeinsamen Ziele? Haben diese Leute denn nicht nur das eine Ziel, die Welt zu verbessern, Programmzeile für Programmzeile?

          (English Version: Why We Are Allowed to Hate Silicon Valley)

          Etwas Merkwürdiges geht hier vor. Uns ist klar, dass die Interessen von Unternehmen der Pharma-, Lebensmittel- und Ölindustrie selbstverständlich von unseren Interessen abweichen; aber Silicon Valley begegnen wir nur selten mit dem nötigen Misstrauen. Stattdessen behandeln wir Daten weiterhin so, als wären sie ein besonderes, geradezu magisches Gut, das sich ganz allein gegen jeden bösen Geist verteidigen könnte, der es auszubeuten droht.

          Ein winziger Krater auf der rhetorischen Teflonschicht

          Dieses Jahr zeigte sich ein winziger Kratzer auf der rhetorischen Teflonschicht von Silicon Valley. Die Snowden-Affäre hatte ihren Anteil daran, aber auch andere Ereignisse trugen dazu bei. Die Welt scheint endlich erkannt zu haben, dass der Ausdruck „Störung“ – das Lieblingswort der digitalen Eliten – ein ziemlich hässliches, schmerzhaftes Phänomen beschreibt. So klagen inzwischen Hochschullehrer über die „Störung“, die von den MOOCs (Massive Open Online Courses) ausgeht; Bewohner von San Francisco beklagen die „Störung“ der Mietpreise in einer Stadt, die sich plötzlich mit einer Invasion von Millionären konfrontiert sieht.

          Blick auf die Stanford University mit Google Earth

          Und dann sind da noch die verrückten, jämmerlichen Ideen, die direkt aus dem Silicon Valley kommen. Der jüngste, von einem technischen Direktor kürzlich auf einer Konferenz unterbreitete Vorschlag besagt, Silicon Valley solle sich von seinem Land trennen und „eine auf freiwilligem Beitritt beruhende, technologisch gelenkte, letztlich außerhalb der Vereinigten Staaten stehende Gesellschaft aufbauen“. Teilen wir seinen Schmerz: Ein Land, das ein Kongress-Hearing benötigt, um eine Website zu reparieren, ist eine Schande für Silicon Valley.

          Jeder Jubel wäre verfrüht

          Die Unzufriedenheit ist ermutigend. Sie könnte sogar dabei helfen, einige der um Silicon Valley gesponnenen Mythen zu begraben. Wäre es nicht schön, wenn wir eines Tages bei dem Satz, mit dem Google seine „Mission“ beschreibt, nämlich „alle Informationen der Welt zu organisieren und sie weltweit zugänglich und nutzbar zu machen“, endlich zwischen den Zeilen lesen und dessen wahre Bedeutung erkennen könnten, nämlich: „alle Informationen der Welt in Geld zu verwandeln und sie weltweit unzugänglich und profitabel zu machen“?

          Weitere Themen

          Alphabet muss offenbar Rekordstrafe bezahlen

          Wettbewerb : Alphabet muss offenbar Rekordstrafe bezahlen

          Die EU-Kommission wird laut einem Medienbericht eine deutlich höhere Kartellstrafe verhängen als zuletzt. Schon im vergangenen Jahr musste der Internetkonzern rund 2,3 Milliarden Euro Strafe zahlen.

          Welcher Bürotyp sind Sie? Video-Seite öffnen

          Testen Sie sich! : Welcher Bürotyp sind Sie?

          Großraumbüro – bloß nicht? Oder fürchten Sie sich eher vor der unkommunikativen Einzelzelle? Dieser Test hilft Ihnen, sich selbst besser einzuschätzen.

          Wer stürmt den Fußball-Olymp? Video-Seite öffnen

          Frankreich oder Kroatien : Wer stürmt den Fußball-Olymp?

          Es ist das wohl größte Fußballspiel dieses Planeten. Alle vier Jahre ermittelt die Fußballwelt einen neuen Weltmeister. Der heißt dieses Jahr weder Brasilien, noch Deutschland oder Argentinien und schon gar nicht Italien. Setzt sich mit Frankreich der Favorit durch? Oder setzt sich das vier Millionen Einwohner starke Kroatien erstmals die Fußballkrone auf?

          Topmeldungen

          Der vor allem in westlichen Ländern weit verbreitete Gedanke, Wale besonders schützen zu müssen, stößt in weiten Teilen der japanischen Bevölkerung auf Unverständnis

          Fischerei : Japan will mehr Wale fangen

          Seit 1985 ist der geschäftsmäßige Walfang untersagt. Japan versucht nun, das internationale Verbot zu lockern. Walarten, deren Existenz nicht mehr bedroht sei, sollen wieder geschäftsmäßig gejagt werden dürfen.
          Google-Logo am Hauptsitz des Unternehmens in der kalifornischen Stadt Mountain View

          Wettbewerb : Alphabet muss offenbar Rekordstrafe bezahlen

          Die EU-Kommission wird laut einem Medienbericht eine deutlich höhere Kartellstrafe verhängen als zuletzt. Schon im vergangenen Jahr musste der Internetkonzern rund 2,3 Milliarden Euro Strafe zahlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.