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Chinesische Luxusmesse : New York ist doch immer noch ein Schnäppchen!

Diese unverwechselbare Synergie aus alteuropäischer Tradition und modernen Marken: Ein Ferrari auf der Terrasse des „Legendale Hotels“. Bild: Luxury Property Showcase

Wie man zum Weltbürger wird: Eine Messe für Luxusimmobilien in Peking zeigt reichen Chinesen, wo es sich unbehelligt und komfortabel leben lässt.

          Ist Kosmopolitismus am Ende eine Frage des Geldes? Ein von Sotheby’s Beijing herausgegebener „Führer zu Luxushäusern und globalen Lebensstilen“ behauptet: „Global Citizenship nimmt umso stärker zu, je mehr liquide Verbraucher auswählen, wo und wie sie leben, oft mit verschiedenen Pässen und über die ganze Welt verstreuten Wohnsitzen.“ Die Vorhut dieser Art Weltbürgertum sind heute jedenfalls die chinesischen Reichen, von denen einer aktuellen Studie zufolge 64 Prozent ein Standbein inklusive Immobilienbesitz im Ausland anstreben, aus welchen Gründen auch immer. Für diese spezielle soziale Schicht gibt es in Peking den „Luxury Property Showcase“, gerade hat er zum siebten Mal stattgefunden. 5500 „auserlesene chinesische Käufer“ trafen da auf achtzig Verkäufer aus mehr als zwanzig Ländern, die ihnen die Welt erklären, beziehungsweise den für sie relevanten Teil.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          „Kennen Sie Disneyland?“, fragt eine blonde ältere Dame gewinnend in die Runde, die als Brokerin für Südkalifornien tätig ist. „Ist direkt um die Ecke von meinem Büro!“, triumphiert sie strahlend. Mehr braucht die Zielgruppe über die historisch-kulturelle Verortung der Destination nicht zu wissen, jedenfalls wird die Brokerin darüber im weiteren Verlauf der Präsentation nichts Zusätzliches sagen. Stattdessen wird sie Angaben über das Wetter machen (das beste der Welt), über Privatschulen (hohes Niveau), Golfplätze (35) und weitere Outdoor-Aktivitäten (Segeln, Tauchen).

          Unebenheiten des Weltbürgertums

          Genau dies sind die Themen, die auch alle übrigen Anbieter ansprechen, gleich ob es um Australien, Neuseeland oder die Algarve geht. Hinzu kommen bei einigen allenfalls noch die Einbürgerungsbedingungen oder die Sicherheit. Pebble Beach in Kalifornien betont als Wettbewerbsvorteil die Nachbarschaft von Clint Eastwood und Silicon Valley, London - „a gentleman’s country“ - den „Respekt vor Rechtssystem und Menschenrechten“ sowie, in einer etwas kühnen Formulierung, die „Top-Essensqualität“. Seattle lockt mit speziellen Presale-Konditionen für chinesische Investoren, die die Wohnungen, wenn sie dann fertig sind, zu bis zu fünfzig Prozent höheren Preisen weiterverkaufen können sollen. Auf Long Island können sich chinesische Emigrationswillige in die „europäisch beeinflusste“ gated community Stone Hill einkaufen, wo sie, bei äußerster Sicherheit und Privatheit, ohnehin unabhängig von umgebender Kultur sind, aber zugleich nur 35 Minuten entfernt von Manhattan.

          Der neuen „global citizenship“ mit chinesischen Kennzeichen sollen offenbar einige wenige Stichworte aus der globalen Populärkultur genügen, um sich überall zu Hause zu fühlen. Einige Agenturen haben sich auf Paketlösungen spezialisiert, die von der Suche nach Steuerinseln über die Einbürgerung bis zum Concierge-Service für das gerade erworbene Schloss alle möglicherweise noch verbliebenen Unebenheiten des Weltbürgertums glätten.

          Besucher auf der Luxusmesse: Die Reichen sind die Prototypen für die chinesischen „Normalbürger“
          Besucher auf der Luxusmesse: Die Reichen sind die Prototypen für die chinesischen „Normalbürger“ : Bild: Luxury Property Showcase

          Für diese Geschichts- und Schwerelosigkeit auf höchstem Niveau hätte man schwerlich einen passenderen Schauplatz finden Ort können als das „Legendale Hotel“ in der Pekinger Innenstadt. Mit seltener Konsequenz ist das siebzehn Stock hohe Gebäude mit seinen 390 Zimmern neoklassizistisch durchgestylt, so dass nicht einmal die unscheinbarste Ecke von seinen Lüstern und Vergoldungen verschont bleibt. Vor dem Springbrunnen mit seinen etwas unmotiviert herumtollenden Putten steht ein nagelneuer weißer Ferrari. So baut sich zwanglos die unverwechselbare Synergie aus alteuropäischen Zitaten und modernen Marken auf, mit der die Luxusimmobilienmesse den „High net worth individuals“ in China Orientierung bietet.

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