19.09.2005 · Ob bei Kinderkrippen, Grundschulen oder Hortplätzen: In Deutschland richtet sich die Betreuung von Kindern kaum nach den Bedürfnissen beruftstätiger Eltern. Mehr zeitliche Flexibilität wäre nötig.
Was Eltern an deutschen Betreuungseinrichtungen nicht paßt: Es gibt zu wenige, sie sind nicht flexibel, und sie sind nicht kundenorientiert.
Mangelhaft für eine Industrienation ist die Ausstattung mit Krippenplätzen für die ganz Kleinen bis zu 2 Jahren. Gerade für 2,7 Prozent gibt es einen Platz in Westdeutschland (in Ostdeutschland für 37 Prozent). Dabei wünschen sich 27 Prozent der Eltern eine Betreuung für 1jährige Kinder, 55 Prozent für 2jährige.
Spontane Unterrichtsausfälle
Die zweite Problemgruppe: Die 6- bis 10jährigen. Die Grundschulen sehen sich nicht in der Lage, den Unterrichtsplan so zu gestalten, daß berufstätige Eltern damit leben können. Nachmittagsbetreuung ist ohnehin die große Ausnahme. Häufig endet der geregelte Unterricht schon um elf oder zwölf Uhr, gelegentlich beginnt er auch erst zur dritten Stunde.
Dazu kommen spontane Unterrichtsausfälle, die nicht selten die Folge haben, daß aufgelöste Grundschüler durch ihre Ortschaften irren und zu Hause vor verschlossenen Türen stehen. Für diese Kinder fehlen Hortplätze: Nur für eines von 20 Kindern gibt es einen Platz (in Ostdeutschland allerdings fast für jedes zweite Kind). Oft springen inzwischen Elterninitiativen in die Bresche und organisieren die Betreuung der Grundschüler.
Mehr Wert auf Pädagogik als auf Service
Kindergartenplätze gibt es genug. Dort verärgern die Öffnungszeiten, zum Beispiel von 8 bis 12, die selbst einen Halbtagsjob der zuständigen Betreuungsperson nahezu ausschließen. Die Erzieherinnen in Westdeutschland (viele mit absolviertem FH-Studium) legen zudem häufig mehr Wert auf Pädagogik als auf Service und Entlastung für Familien: Man darf die Kinder zum Beispiel nicht um halb zehn bringen und nur zwischen 12.30 und 13 Uhr abholen, um Spielfluß und Harmonie nicht zu stören.
Der Versuch, seine Kinder erst nach 18 Uhr abzuholen, schlägt in 95 Prozent der Kindertagesstätten fehl. Nur 25 Prozent der Einrichtungen bieten im Westen Ganztagsbetreuung , die in Ostdeutschland fast Standard ist. Gelegentlich werden die Einrichtungen auch komplett geschlossen, weil die Erzieherinnen dann ihren Weiterbildungstag nehmen.
Viele schwarze (Mutter-)Schafe
Eine große Rolle in der Kinderbetreuung spielen Tagesmütter, die Kinder bei sich zu Hause betreuen oder in die Wohnung der Eltern kommen. Neben den registrierten gibt es viele schwarze (Mutter-)Schafe, die keine Steuer bezahlen, deshalb aber nicht schlecht fürs Kind sein müssen.
Kindergartenplätze kosten Geld. Doch wenn alle Mütter ihren Erwerbswunsch realisieren könnten, würden bis zu sechs Milliarden Euro mehr Steuern eingenommen, rechnet das Familienministerium vor.