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Beruf und Familie : Man muss wahnsinnig sein, heute ein Kind zu kriegen

  • -Aktualisiert am

Immer und überall überfordert. Nie genügt man irgendeinem Anspruch. Am wenigsten dem des Kindes Bild: picture alliance / JOKER

Die tollste Sache der Welt ist in unserer Gesellschaft für viele zu einem Albtraum geworden. Wie könnte man das wieder ändern?

          Kinder sind so etwa das Tollste, was es gibt, aber ich habe wahnsinnige Angst davor, welche zu haben, und habe bislang also keine, obwohl ich wirklich will, habe ich keine, denn alles, was ich über das Kinderhaben höre und lese, ist so furchteinflößend, dass ich manchmal denke: Man muss ja total wahnsinnig sein, auf die Idee zu kommen, wirklich ein Kind zu kriegen. Mir ist das zu gefährlich, ich traue mich das einfach nicht. Warum sich diese Katastrophe ins Haus holen? Das hört sich jetzt ebenfalls wahnsinnig an, ist es aber überhaupt nicht, wenn man sich umsieht: Deutschland und seine Zeitungen sind voll von gestressten Müttern und Vätern, die bei dem Versuch scheitern, „Beruf und Familie“ oder gar „Karriere und Familie“ zu „vereinbaren“ - eine stehende, eine schreckliche Wendung, von der doch eigentlich niemand so genau weiß, was sie bedeutet, wahrscheinlich, weil sie für alle etwas anderes bedeutet, was vermutlich der Kern des Problems ist.

          Vor kurzem erschien im „Spiegel“ dazu ein Text mit dem Titel „Die große Erschöpfung“, welcher von dem Gefühl der Eltern erzählt, ständig an jenem Vereinbarkeitsversuch zu scheitern. Der Job, die Kinder, der Haushalt. Den Haushalt übernähmen immer noch mehrheitlich die Frauen, was diese noch erschöpfter und unzufriedener machte (absolutely!). Das Familienleben sei leider eine Frage der Organisation, was aber, so räumt die Autorin Claudia Voigt ein, dann schwierig werde, wenn es darum gehe, nahe Gefühlsmomente mit den Kindern zu haben, die sich eben nicht auf „Knopfdruck“ bestellen ließen. Die Politik sei mit ihrer großen Unentschlossenheit in Familienfragen keine Hilfe. Ein möglicher Ansatz zur Lösung des Problems wäre, wenn Mütter und Väter nur noch achtzig Prozent arbeiteten.

          Diktatur des Glücks

          Weiter: in dem Magazin „The Germans“ war der bemerkenswerte Text „Ich liebe mein Kind. Ich hasse mein Leben“ zu lesen, verfasst von der feministischen Autorin Stefanie Lohaus, die noch deutlicher wird: Kinder machten schlicht unglücklich, das gelte für Männer wie für Frauen, auch wenn einem das vorher niemand sage. Zwar herrsche offiziell Gleichberechtigung, aber: „Es hat sich viel weniger verändert, als es uns auf der Oberfläche erscheint. Und das offenbart sich besonders stark, wenn ein Kind geboren wird. Mütter stehen in Wirklichkeit nach wie vor am Herd - obwohl sie gut ausgebildet sind.“ Und dabei bleibe es auch, wenn sie wieder anfingen zu arbeiten.

          Die Männer seien unglücklich, weil sie sich als Familienväter für die Beschaffung des Geldes zuständig fühlten und glaubten, es sei zu wenig, was die Autorin auch auf die verschärfte ökonomische Situation zurückführt: befristete Verträge, gar keine Verträge. Es ist eben nicht mehr so, dass man irgendwo anfängt und dort für immer bleibt. Außerdem leide die Beziehung, weil für romantische Liebe nicht mehr so viel Zeit ist. Die Autorin fordert also: Ausbau der Kindertagesplätze, die Abschaffung der Präsenzkultur in Unternehmen und die „flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen“ (erinnert dem Sprachduktus nach irgendwie an Diktatur. Das Kinder-Kapital muss verstaut werden. Neuesten Berichten zufolge sind die Franzosen mit der umfassenden staatlichen Betreuung ihrer Kinder aber auch nicht besonders glücklich). Wie viele Texte, die sich mit dem Wir-sind-Eltern-und-erschöpft-Thema befassen, endet auch jener Artikel versöhnlich: „Eltern können noch so unzufrieden sein - diese Momente des Glücks kann ihnen niemand nehmen.“ Das klingt ein wenig hoffnungsvoll, das klingt wie, das Gute im Schlechten sehen.

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