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Veröffentlicht: 08.01.2014, 10:29 Uhr

Beruf und Familie Ihr wollt Kinder? Dann kriegt sie doch!

Sind der Kapitalismus oder die Optimierungsgesellschaft schuld, wenn keine Kinder mehr geboren werden? Keines von beiden, das ist eine Ausrede. Eine Antwort auf meine Kollegin Antonia Baum.

von Stefan Schulz
© picture alliance / ZB Auch Eltern dürfen sich davon überraschen lassen, was ihre Kinder später alles ohne Weiteres erleben werden: Ein Kneipp-Kindergarten

Fast alles, was in Büchern und Zeitschriften über das Kinderkriegen steht, ist falsch. Es beginnt beim Schlaf. Babys sollten alle vier Stunden gestillt werden. Das größte Problem, das wir damit hatten, war, das Kind in der Nacht erfolgreich zu wecken. Jedes Kind kann schlafen lernen; aber wie bekommt man es wieder wach? Das stand nirgends. Beim zweiten Kind wurde es noch verrückter: Statt dass das Größere Eifersucht zeigte, riss es sich um die Fürsorge des Kleineren. Tipps dazu, wie kleine Geschwister einander näherzubringen seien, gibt es viele. Aber wie bremst man den Übermut? Wie sagt man einem dreijährigen Kind, dass es sich manchmal zu rabiat um den Hals des Babys wirft, wohlwissend, dass die Gründe dafür gute und bewahrenswerte sind? Es steht nirgends.

Meine Kollegin Antonia Baum meint unter der Überschrift „Man muss wahnsinnig sein, heute ein Kind zu kriegen“, Nachwuchsplanung sei zum Albtraum geworden. Tatsächlich ist sie, was sie immer war. Das Leben mit Kindern ist anstrengender. Aber es war nie so leicht wie heute. Man darf sich nur nicht in die Irre führen lassen. Der Tag einer Geburt ist ehrlicherweise eher der ängstlichste als der glücklichste im Leben der Eltern. Aber Hebammen sind da, Ärzte kümmern sich, man besuchte Vorbereitungskurse. Wahrscheinlich lässt sich ein Kind nirgendwo so sicher zur Welt bringen wie in Deutschland. Und was in den meisten Fällen recht reibungslos beginnt, muss danach nicht stressiger werden. Es gibt nur ein paar Dinge zu bedenken.

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Junge Väter sollten beispielsweise nicht darüber verzweifeln, dass ihre Kinder sich im ersten Jahr von ihnen fast nie, von der Mutter aber immer beruhigen lassen. Es ist ohnehin normal, dass mit Kindern im ersten halben Jahr wenig anzufangen ist. Während sie es einem schon dadurch einfach machen, dass sie zu Beginn nur herumliegen, lässt sich die erste wichtige Erkenntnis verarbeiten: Das Berufs- und das Familienleben lassen sich nicht ausbalancieren, sondern nur strikt trennen.

Dürfen Kinder außerhalb der Familie überhaupt Spaß haben?

Früher als man glaubt, drehen die Kleinen den Spieß dann ohnehin um. Sind sie erst einmal im Kindergarten, fragen sie manchmal samstagmorgens mit bedauerndem Ton, warum der zuhat. Was sagt man dann? Bedauert man, dass die Kindergärten zuhaben und einem die Chance zu arbeiten nehmen? Deutschland ist in dieser absurden Frage zwiegespalten. Auf der einen Seite gibt es das Gerede von der Leistungsgesellschaft, auf der anderen die tatsächlich ernstgemeinte Diskussion, ob es gut sei, wenn Kinder früh fernab der Familie Menschen finden, mit denen sie Spaß haben und zu denen sie Vertrauen aufbauen.

Der Druck, den junge Menschen heute verspüren, wenn sie an Kinder denken, die sie noch gar nicht haben, ruht entweder auf Absurditäten wie diesen oder auf Missverständnissen, die sich aus ihnen ergeben. Beispielsweise ist das Bild des gelingenden Familienlebens heute geprägt von einer Staubsaugerwerbung im Fernsehen. Eine Frau am Bankschalter behauptet darin stolz, sie arbeite in der „Kommunikationsbranche und im Organisationsmanagement, außerdem gehört Nachwuchsförderung und Mitarbeitermotivation“ zu ihren Aufgaben. Oder kurz: „Ich führe ein sehr erfolgreiches, kleines Familienunternehmen.“

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