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Bernard-Henri Levy : „Wer 'Stoppt den US-Imperialismus' wiehert, hat nichts begriffen“

  • Aktualisiert am

„Keine Sympathie für Bush”: Levy Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Ist Amerika in der Krise? Der französische Philosoph Bernard-Henri Levy hat das Land ein Jahr lang bereist. Ein Gespräch über Macht, Religion, George W. Bush und poetische Idee einer Nation.

          Ist Amerika in der Krise? Das Magazin „The Atlantic“ suchte eine Antwort von außen - und bat den französischen Philosophen Bernard-Henri Levy darum. Der ist ein Jahr lang durch die USA gereist und hat ein Buch darüber geschrieben.

          Ein Jahr lang sind Sie auf den Spuren Alexis de Tocquevilles durch die Vereinigten Staaten gereist und haben ein Buch darüber geschrieben. Wie ist denn „The State of the Union“?

          Die Reise selbst liegt ja nun schon eine Weile zurück, aber ich will Ihnen meinen stärksten Eindruck verraten: das Land ist, ganz entgegen dem, was man in Europa, aber auch in den USA selbst so oft hört und liest, nicht so schlecht dran, wie man denkt. Ich glaube überhaupt nicht daran, daß sich das soziale Gefüge auflöst, daß die politische Klasse in den Faschismus kippt, daß die Religiösen die Macht übernehmen oder die ganze Nation nach rechts abdriftet.

          Das Imperium wird also nicht stürzen?

          Hören Sie, ich bin ganz gegen diesen Begriff des Imperiums. Da klebt man den USA ein Etikett auf, das mehr mit der europäischen Geschichte und unserer Erblast zu tun hat.

          Sie meinen den Kolonialismus?

          Ja. Das Verhältnis der USA zur Welt ist kompliziert und sicher nicht frei von Spannungen, aber es ist kein imperiales Verhältnis. Ich glaube wie Toni Negri in seinen neuesten Schriften, daß die heutigen Herrschaftsverhältnisse mit einem schlichten Begriff von imperialer Macht gar nicht mehr beschrieben werden können. So läuft das einfach nicht mehr. Die heutigen Machtstrukturen sind anders gelagert, da steht nicht mehr eine Nation - und sei sie noch so groß - ganz allein im Zentrum.

          Ich bin mir nicht mal sicher, ob es so ein Machtzentrum überhaupt gibt und wenn, ob Staaten dazuzählen. Die diffuse Imperialität der Gegenwart wird von ganz anderen Akteuren getragen, von den großen Firmen, den Medienimperien, aber auch von der öffentlichen Meinung. Sie alle sind an einer neuen Form der internationalen, imperialen Machtausübung beteiligt. Wer, wie ein Teil der deutschen und französischen Linken, immer nur „Stoppt den US-Imperialismus“ wiehert, der hat weder etwas vom Zustand der Welt noch vom Wesen heutiger Machtverhältnisse und schon gar nichts von den USA begriffen.

          Wie kamen Sie überhaupt auf die seltsame Idee, auf Tocquevilles Spuren durch die USA zu reisen?

          Das war die Idee ... ach, eigentlich war es ein richtiges Märchen. Die Leute von „The Atlantic“, dem großen alten amerikanischen Magazin, haben mich aufgesucht und gesagt: Amerika ist in der Krise, wir stehen am Scheideweg. Das war vor dem Irak-Krieg und den letzten Präsidentschaftswahlen, und sie suchten einen Blick von außen. Um ganz offen zu sein, habe ich erst einmal abgelehnt, ich hielt es für außerhalb meiner Reichweite.

          Aber sie haben dann sehr überzeugend insistiert und mir die Hilfe ihres Netzes von Korrespondenten angeboten, da habe ich mich hinreißen lassen. Eigentlich bin ich dann aber nur meinen Interessen gefolgt, habe mir Gefängnisse angesehen, Museen, Kirchen, Indianerreservate, mythische Orte aufgesucht und ganz normale. Norman Mailer habe ich getroffen und Sharon Stone, es war eine absolut willkürliche Auswahl. Das Buch erscheint übrigens zuerst in den USA und später in Frankreich.

          Als atheistischer französischer jüdischer Intellektueller sind Sie nicht gerade der Prototyp dessen, was man in ländlichen Gebieten Amerikas gerne die Einfahrt entlangkommen sieht. Wie ist man Ihnen begegnet?

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