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Bernard-Henri Lévy Warum wir die Pflicht haben, Mali zu schützen

Der Einsatz für Demokratie darf nicht dort enden, wo der Terror beginnt. Auch jenseits der Grenzen Malis sind die bestens organisierten islamistischen Kämpfer eine Bedrohung.

© dpa Bernard-Henri Levy

Aus vielen Gründen halte ich die französische Intervention in Mali für eine gute Sache. Erstens verhindert sie die Bildung eines terroristischen Staates im Herzen Afrikas und vor den Türen Europas. Spätestens die militärische Gegenwehr der Gegner, ihre Fähigkeit, Kampfflugzeuge vom Himmel zu holen, hat bewiesen, dass wir es mit einer regelrechten Armee von Kriminellen zu tun haben - organisiert, trainiert, furchteinflößend.

Die Intervention vereitelt zweitens die wahren Kriegsziele von Ansar Dine, die weit über Mali hinausreichen: die Stärkung der islamistischen Kampfzellen, die im westlichen Mauretanien und im östlichen Niger operieren; den Zusammenschluss mit den Kämpfern von Boko Haram im Süden, dieser islamistischen Wahnsinnsbewegung, die in Nigeria den Tod sät; das Abtrennen der darunter gelegenen Region durch eine Achse des Verbrechens, die zu zerschlagen ohne den aktuellen Einsatz beinahe unmöglich gewesen wäre.

22793423 © AFP Vergrößern Französische Truppen vor dem Einsatz in Mali

Die Intervention bekräftigt außerdem den Gedanken einer internationalen Schutzpflicht, die bereits als Grundlage des Einsatzes in Libyen fungierte. Für die Anhänger der Pflicht, sich einzumischen, für all diejenigen, die glauben, dass die Demokratie nicht da endet, wo der Terrorismus beginnt, ist es ein Fortschritt.

Bedrohung der französischen Zivilbevölkerung

Schließlich bestätigt die Intervention auch die hervorragende Rolle Frankreichs, das in vorderster Reihe für die Demokratie kämpft. Dabei ist die Frage nicht, was ein Hollande, was ein Sarkozy beigetragen haben. Wichtiger ist der Umstand, dass hier eine neue internationale Doktrin entwickelt wird, die jenseits des Parteienstreits respektiert wird. Darüber sollte man sich freuen dürfen.

Allerdings gibt es zur Stunde, da ich diese Zeilen schreibe, wenig Gründe zu frohlocken. Zu groß ist die Bedrohung, die von den Wüstentaliban ausgeht, von diesem Oumar Ould Hamaha alias Rotbart. Er droht wie üblich mit Terror gegen unsere Zivilbevölkerung. Und es bleibt die Frage nach den Geiseln. Müssen wir damit rechnen, eines Tages einen französischen Daniel Pearl betrauern zu müssen? Eine schauderhafte Vorstellung.

Und dann ist da noch das Terrain. Man sagt oft, die Wüste sei von allen Geländen das übersichtlichste und dass man dort leichter zu entdecken und verletzlicher sei als anderswo. Das ist ein Irrtum, das Gegenteil ist der Fall: Wer je, wie in Libyen, die Kämpfer mit dem Wüstensand hat verschmelzen sehen, wer je gesehen hat, wie eine Pick-up-Kolonne, von allen Satelliten unentdeckt, aus dem Nichts hervorkam, in dem sie sich verborgen hatte, weiß, dass dieser Krieg lang dauern und tückisch sein wird - die Mali-Taliban zu besiegen wird kein Spaziergang.

Rückkehr zu neokolonialen Attitüden?

Und wir müssen an der politischen Lösung weiter arbeiten. Was sagen wir den Tuareg, deren Streben nach Unabhängigkeit alt ist und in gewisser Hinsicht legitim? Wie baut man ein Land auf ohne Staat, wie eine Nation ohne Regierung und Armee? Und auf wen kann man, selbst in Bamako, zählen, damit Demokratie verwirklicht wird?

Bald wird der Chor der Kassandrarufe ertönen, die diversen Experten werden Mali mit Vietnam vergleichen, und viele werden finden, dass die Sache schon zu lange dauert. Der Geist, der einst das Münchner Abkommen begrüßte, weht noch durch Teile Frankreichs, wo man alles besser weiß und keinen Großmut kennt. Werden wir uns der wohlfeilen Verachtung jener entgegenstellen, die jetzt schon vor der Rückkehr zur „Françafrique“ und neokolonialen Attitüden warnen?

François Hollande muss nun seine erste echte politische Prüfung bestehen - und seine Begegnung mit der Geschichte.

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Aus dem Französischen von Hannah Lühmann.

Quelle: F.A.Z.

 
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