http://www.faz.net/-gqz-8dywt

Digitales Lernen : Was hat die Schule denn vom Internet?

  • -Aktualisiert am

Was sie noch zu programmieren hätte: Die Anleitung steht auf dem Papier. Bild: dpa

Bildungsministerin Wanka beauftragt die Wikimedia-Stiftung, sich um Lehrmaterial zu kümmern, das im Internet frei verfügbar ist. Ob das Schülern und Lehrern nützt, ist zweifelhaft. Sie wurden nie gefragt.

          Ines Bieler hat einen Muntermacher mit in ihre Klasse gebracht. Die Deutschlehrerin lässt ihre Schüler eine Zeitschrift gestalten. Kein Heft aus Papier, sondern ein digitales Magazin, das auch Töne und Filme abspielen kann. Anfangs fremdeln die Achtklässler ein wenig mit der Idee. Aber als sie die Magazin-App auf ihren Tabletcomputern verstanden haben, sind sie kaum noch zu halten.

          Boris und seine Kumpels etwa erklären mit der Zeitschrift die Welt, durch die sie sich in ihrer Freizeit bewegen – Computerspiele. Sie kopieren Spielsequenzen in ihr Heft und schreiben Anleitungen für ihre Lieblingsspiele. Am Nebentisch gestaltet Janine mit ihren Freundinnen ein elektronisches Heft zu dem Kinofilm „Fack ju Göhte“. In ihrem Magazin sollen auch große Bilder des Schauspielers Elyas M’Barek zu sehen sein. Da aber muss die Lehrerin die Begeisterung ihrer Schülerinnen bremsen. Denn ihre Hefte im Internet veröffentlichen wollen die Schüler gern, dürfen es aber nicht. Zu riskant. Bilder sind urheberrechtlich ein Problem.

          Wann kommen digitale Lehrmaterialen?

          Ines Bieler unterrichtet am Burg-Gymnasium in Wettin und ist eine der Vorreiterinnen digitalen Lernens in Deutschland. Die Zeit, in der es reichte, mit den Schülern in Schulbüchern zu blättern, ist für die Lehrerin vorbei. Sie wünscht sich daher ein Pool offener Lernmaterialien - aus dem Internet. Am besten didaktisch aufbereitet, kostenfrei und rechtssicher.

          Das Angebot, auf das die Lehrerin hofft, wird gerade getestet. Die Bundesregierung lässt seit April des vergangenen Jahres prüfen, wie Lehrer künftig Aufgaben, Arbeitsblätter und Bildungsmaterial aus dem Netz nutzen können. Der Pool hat einen Namen - „Open Educational Resources“ (OER). So heißen die freien Lehrmaterialien, die das Schulbuch ablösen können. Allerdings weiß noch kaum ein Lehrer, was das Kürzel und die damit verbundene Praxis eigentlich bedeutet.

          Warum noch aus Büchern kopieren?

          Dabei betrifft es schon heute den Alltag jedes Lehrers. Warum noch aus Büchern kopieren, die schnell veralten, wo das Netz doch eine unerschöpfliche Quelle pädagogischer Vorlagen ist? Wie könnte man sie ordnen und greifbar machen? Aufklärung soll „Mapping OER“ bringen.

          Wikimedia, die Trägerorganisation des Netzlexikons Wikipedia, hat von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) den Auftrag erhalten, eine Landkarte der „Open Educational Resources“ zu zeichnen. Wo sind sie zu finden? Wie kann man ihre Qualität sichern? So lauteten die Fragen. Am kommenden Wochenende will Wikimedia der Ministerin dazu einen Vorschlag überreichen.

          Nicht für die Schule, sondern fürs Leben: An der Grundschule Neu-Ulm Offenhausen lernen Schüler der vierten Klasse, wie man programmiert.

          Der Mathematiklehrer Dieter Welz kennt sich mit Lehrmaterial im Netz aus. Spricht man mit ihm über das Thema, tritt die Qualitätsfrage schnell in den Hintergrund. Denn Welz produzierte schon vor langer Zeit Qualitätslehrinhalte fürs Netz. Der seit kurzem pensionierte Lehrer war ein Vorreiter der frei zugänglichen Lernmaterialien. Vor zwanzig Jahren begann er, Mathematikaufgaben ins Netz zu stellen. Die Arbeitsblätter wurden seither 45 Millionen Mal abgerufen. Dass seine Materialien didaktisch gut sind, ist für Welz gar keine Frage. Warum also, will er wissen, muss dann noch jemand die Arbeitsblätter und Aufgaben überprüfen, die er online bereitstellt?

          Weitere Themen

          Bücher für alle!

          Katalog der Antiquare : Bücher für alle!

          Zum neunten Mal erscheint der Gemeinschaftskatalog der Antiquare. Er öffnet auf 160 Seiten eine wahre Schatzkiste für Bibliophile – und für alle, die noch an das gedruckte Wort und Bild glauben. Hier eine kleine Auswahl aus dem Angebot.

          Galaktischer Gast Video-Seite öffnen

          Astro-Alex bei Kraftwerk : Galaktischer Gast

          Die Besucher staunten nicht schlecht, als Astronaut Alexander Gerst plötzlich beim Konzert der Elektropop- Band erschien. Und der zeigte, dass in ihm auch musikalisches Talent steckt.

          Langer darf auch am Samstag spielen

          British Open : Langer darf auch am Samstag spielen

          Altmeister Bernhard Langer überrascht bei der British Open und darf auch am Wochenende mitspielen. Martin Kaymer ist dagegen in Carnoustie ausgeschieden. Die Führung auf dem Platz an der schottischen Ostküste teilen sich zwei Profis aus den Vereinigten Staaten.

          Topmeldungen

          Scheue Gläubiger : Amerikas Zinsproblem

          Die Finanzierung der gigantischen amerikanischen Staatsschulden wird teurer. Das erhöht die Abhängigkeit Amerikas von den Gläubigern – und ist lange nicht das einzige Problem von Präsident Trump.

          Trockenheit in Deutschland : Die Hoffnung stirbt zuletzt

          In Deutschland herrscht mancherorts extreme Dürre. Die Bauern jammern. Aber noch ist nicht alles auf den Feldern verloren. Und richtig knapp ist das Wasser eigentlich auch noch nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.