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Veröffentlicht: 25.02.2016, 16:59 Uhr

Digitales Lernen Was hat die Schule denn vom Internet?

Bildungsministerin Wanka beauftragt die Wikimedia-Stiftung, sich um Lehrmaterial zu kümmern, das im Internet frei verfügbar ist. Ob das Schülern und Lehrern nützt, ist zweifelhaft. Sie wurden nie gefragt.

von Christian Füller
© dpa Was sie noch zu programmieren hätte: Die Anleitung steht auf dem Papier.

Ines Bieler hat einen Muntermacher mit in ihre Klasse gebracht. Die Deutschlehrerin lässt ihre Schüler eine Zeitschrift gestalten. Kein Heft aus Papier, sondern ein digitales Magazin, das auch Töne und Filme abspielen kann. Anfangs fremdeln die Achtklässler ein wenig mit der Idee. Aber als sie die Magazin-App auf ihren Tabletcomputern verstanden haben, sind sie kaum noch zu halten.

Boris und seine Kumpels etwa erklären mit der Zeitschrift die Welt, durch die sie sich in ihrer Freizeit bewegen – Computerspiele. Sie kopieren Spielsequenzen in ihr Heft und schreiben Anleitungen für ihre Lieblingsspiele. Am Nebentisch gestaltet Janine mit ihren Freundinnen ein elektronisches Heft zu dem Kinofilm „Fack ju Göhte“. In ihrem Magazin sollen auch große Bilder des Schauspielers Elyas M’Barek zu sehen sein. Da aber muss die Lehrerin die Begeisterung ihrer Schülerinnen bremsen. Denn ihre Hefte im Internet veröffentlichen wollen die Schüler gern, dürfen es aber nicht. Zu riskant. Bilder sind urheberrechtlich ein Problem.

Wann kommen digitale Lehrmaterialen?

Ines Bieler unterrichtet am Burg-Gymnasium in Wettin und ist eine der Vorreiterinnen digitalen Lernens in Deutschland. Die Zeit, in der es reichte, mit den Schülern in Schulbüchern zu blättern, ist für die Lehrerin vorbei. Sie wünscht sich daher ein Pool offener Lernmaterialien - aus dem Internet. Am besten didaktisch aufbereitet, kostenfrei und rechtssicher.

Das Angebot, auf das die Lehrerin hofft, wird gerade getestet. Die Bundesregierung lässt seit April des vergangenen Jahres prüfen, wie Lehrer künftig Aufgaben, Arbeitsblätter und Bildungsmaterial aus dem Netz nutzen können. Der Pool hat einen Namen - „Open Educational Resources“ (OER). So heißen die freien Lehrmaterialien, die das Schulbuch ablösen können. Allerdings weiß noch kaum ein Lehrer, was das Kürzel und die damit verbundene Praxis eigentlich bedeutet.

Warum noch aus Büchern kopieren?

Dabei betrifft es schon heute den Alltag jedes Lehrers. Warum noch aus Büchern kopieren, die schnell veralten, wo das Netz doch eine unerschöpfliche Quelle pädagogischer Vorlagen ist? Wie könnte man sie ordnen und greifbar machen? Aufklärung soll „Mapping OER“ bringen.

Wikimedia, die Trägerorganisation des Netzlexikons Wikipedia, hat von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) den Auftrag erhalten, eine Landkarte der „Open Educational Resources“ zu zeichnen. Wo sind sie zu finden? Wie kann man ihre Qualität sichern? So lauteten die Fragen. Am kommenden Wochenende will Wikimedia der Ministerin dazu einen Vorschlag überreichen.

Grundschüler lernen Programmieren © dpa Vergrößern Nicht für die Schule, sondern fürs Leben: An der Grundschule Neu-Ulm Offenhausen lernen Schüler der vierten Klasse, wie man programmiert.

Der Mathematiklehrer Dieter Welz kennt sich mit Lehrmaterial im Netz aus. Spricht man mit ihm über das Thema, tritt die Qualitätsfrage schnell in den Hintergrund. Denn Welz produzierte schon vor langer Zeit Qualitätslehrinhalte fürs Netz. Der seit kurzem pensionierte Lehrer war ein Vorreiter der frei zugänglichen Lernmaterialien. Vor zwanzig Jahren begann er, Mathematikaufgaben ins Netz zu stellen. Die Arbeitsblätter wurden seither 45 Millionen Mal abgerufen. Dass seine Materialien didaktisch gut sind, ist für Welz gar keine Frage. Warum also, will er wissen, muss dann noch jemand die Arbeitsblätter und Aufgaben überprüfen, die er online bereitstellt?

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