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Veröffentlicht: 25.02.2016, 16:59 Uhr

Digitales Lernen Was hat die Schule denn vom Internet?


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Schulbuchverlage bleiben außen vor

Das hat ganz praktische Folgen. Eine der bekanntesten deutschen OER-Seiten, „SeGU – Selbst gesteuerter Geschichts-Unterricht“, hat im Monat 68.000 Aufrufe ihrer Module. Aber SeGu gibt Lehrern, die sich Arbeitsblätter herunterladen können, noch nicht die Möglichkeit, eigene Bearbeitungen selbst wieder auf die Seite hochzuladen. Würde das massenhaft geschehen, hätte der Betreiber der Seite, Christoph Pallaske von der Universität Köln, gar nicht die Möglichkeit, die rechtlichen und fachlichen Prüfungen vorzunehmen. Das bedeutet: „remix and share“ gibt es beim selbstgesteuerten Geschichtsunterricht noch gar nicht.

Jugendliche im Netz © dpa Vergrößern Computer gibt es an den Schulen. Manchmal laufen sie auch. Doch was ist mit digital verfügbarem Lehrmaterial?

Zunächst gilt es, „Open Educational Resources“ bekannter zu machen. Daher soll es bald eine zentrale Informationsstelle im Netz geben, bei der sich Lehrer informieren und Materialien suchen können. Das wäre so etwas wie ein Karteikasten im Netz. Die Schulbuchverleger sind der Ansicht, dass auch ihre Online-Angebote dort vermerkt sein sollten. OER-Puristen reagieren darauf gereizt: „Ich bin nicht dafür, dass die Materialien der Schulbuchverlage dort angezeigt werden,“ sagt die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken (SPD), eine engagierte Befürworterin von OER. „Ist es denn die Aufgabe der öffentlichen Hand, auf die App eines Verlags hinzuweisen?“ Man könnte aber auch umgekehrt fragen: Ist es richtig, die Angebote der Verlage, die Bücher mit Lehrinhalten produzieren, auszublenden?

Was sich an Äußerungen wie der von Elly Köpf oder Saskia Esken zeigt, ist zugleich Anmaßung und Unsicherheit in einer Übergangsphase. Das Schulbuch ist weiter präsent, aber auch dabei, seine Leitfunktion einzubüßen. Das Neue freilich, die kaum fassbaren Inhalte und Informationen aus dem Netz, hat noch keine Form gefunden. In diesem Niemandsland findet gerade der Streit um die Hoheit darüber statt, wer die Inhalte für rund 30.000 allgemeinbildende Schulen kuratiert. Und ob diese Inhalte frei zugänglich oder urheberrechtlich geschützt sind.

Der Plan mit dem Schultrojaner

Die Schulbuchverlage, so beleidigt sie jetzt tun, hatten ihrerseits versucht, mit einem Handstreich die Sache an sich zu reißen. 2010 wollten sie eine Plagiats-Software programmieren lassen, um unzulässige Kopien zu verhindern. Das wäre nichts anderes als ein Schultrojaner gewesen, der in jeden Schul-Computer eingeschleust werden sollte, um die Festplatte auf Inhalte aus Schulbüchern zu filzen. Immer wenn er fündig geworden wäre, hätten die Verlage die Hand aufgehalten.

Felicitas Macgilchrist hält den Streit um die Lernkultur zwar für verständlich, aber für falsch. „Denn wir wissen heute noch nicht, wie die Zukunft der Bildungsmedien aussieht“, sagt die Professorin für Medienforschung mit dem Schwerpunkt Bildungsmedien an der Georg-August-Universität Göttingen. „Wir müssen beides fördern, auf der einen Seite die professionellen Verlage, die viel Erfahrung und Möglichkeiten haben. Auf der anderen Seite die Community derer, die spannende Lerneinheiten und Materialien gemeinsam bearbeiten und teilen. Der Idealismus, der in dieser Szene herrscht, ist großartig.“

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