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Digitales Lernen : Was hat die Schule denn vom Internet?

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Als Welz begann, gab es noch kein Web 2.0 und keine Smartphones, auf denen Tausende Lernapplikationen zu laden sind, vom Wörterbuch bis zum Spiel. Lehrer arbeiten heute mit Blogs und Schreib-Editoren, setzen Tablets und Notebooks so ein, dass Schüler damit eigene Produkte erstellen können. All das folgt dem Motto des Netzes: copy, remix and share – Kopiere, baue um und teile.

Wikimedia-Workshop fast ohne Lehrer

Warum sich in diesen Prozess jemand einschaltet beziehungsweise wer die Kompetenz dazu haben soll, ist die eine Frage, die sich stellt. Die andere ist, was mit dem bisherigen Medium der Lehrinhalte wird - dem Schulbuch. Früher war das Schulbuch das Leitmedium. Nun können Lehrer und Schüler E-Books selbst verfassen, sie drängen die dominierende Rolle des Schulbuchs zurück. Ob es ganz verschwinden wird, weiß niemand. Ein neues Leitmedium ist noch nicht in Sicht, die „Open Educational Resources“ fächern sich in eine Vielzahl von Formaten auf. Zum Beispiel Lernvideos: Das Angebot an Videos im Netz wird größer, viele werden von Lehrern selbst erstellt und zur Nutzung freigegeben. Schüler können sich Prozentrechnen und Kurvendiskussion zu Hause per Video erklären lassen. Diese Lehrfilme sind bereits jetzt eine offene pädagogische Ressource im Netz.

Die Szene der OER-Fans ist nicht selten von der Realität der Lehrer weit entfernt. Die Workshops von „Mapping OER“ etwa waren schwach besucht. Über zwei Dutzend Teilnehmer kam Wikimedia kaum hinaus, obwohl es immerhin um den Kanon eines Schulsystems mit mehr als acht Millionen Schülern geht. Lehrer waren in den Workshops praktisch keine zu sehen. Da fragt es sich schon, warum Bildungsministerin Johanna Wanka Wikimedia mehr als 600.000 Euro für das Projekt bezahlt: Ein kleiner Experten-Zirkel trifft sich ein paar Mal, stellt einen schmalen Band von 177 Seiten zusammen und eine Homepage ins Netz. „Das Projekt hätten wir auch gerne gemacht, wenn wir die Chance gehabt hätten, uns darum zu bewerben“, sagt der Schulbuchverleger David Klett. „Ich denke, dass wenige so genau über die Bedürfnisse der Lehrer Bescheid wissen wie wir.“

Wofür gibt die Ministerin Geld aus?

Als „Mapping OER“ kürzlich auf einer Konferenz ein Zwischenresümee zog, konnte man in Umrissen erkennen, um was es geht: Die Macher treten für eine „Schule der Zukunft“ ein, die nur noch mit frei verfügbaren Bildungsressourcen arbeitet. „Ob und wie die Verlage weiterbestehen können, wird sich zeigen“, sagt die Wikimedia-Projektleiterin Elly Köpf. Wenn sie die Schule von heute beschreibt, spricht sie vom „Tatort Klassenzimmer“. Der „Shift“ zu einer neuen Lernkultur sei überfällig. „Shift“ – das ist in der Open-Szene das Codewort für „Lernrevolution“. Doch ob es klug ist, eine solche lostreten zu wollen - ohne den Rat der Lehrer und ohne die Verlage?

Auch in den Details hat der Vorschlag, den Wikimedia der Bildungsministerin Johanna Wanka jetzt unterbreiten will, seine Tücken. Ein Beispiel sind die sogenannten „CC-Lizenzen“, mit denen offene Bildungsmaterialien gekennzeichnet werden. Sie sind das Gütesiegel, das OER-Formate für Lehrer als rechtssicher ausweist. Während die einen in der Arbeitsgruppe Urheberrecht die international verbreitete CC-Lizenz für den Goldstandard halten, warnen andere. Wer ein bearbeitetes Lernblatt, Video oder Schaubild wieder im Netz teile, der hafte in vollem Umfang für Fehler – auch für Urheberrechtsverletzungen, die der Erstautor womöglich begangen hat.

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