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BBC-Skandal Ich habe die Wahrheit gesehen, warnte ein Redakteur

 ·  Ein Untersuchungsbericht zeigt, wie die BBC Hinweise auf den Kinderschänder Jimmy Savile ignorierte, unter anderem weil im Weihnachtsprogramm Würdigungen geplant waren.

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Nick Pollard, der ehemalige Chef von Sky News, zeichnet in seinem am Mittwoch vorgelegten Bericht über „eine der schlimmsten Führungskrisen in der Geschichte der BBC“ ein vernichtendes Bild von „Chaos und Verwirrung“, von Misstrauen und persönlichen Feindschaften. Trotzdem wird niemand entlassen. Der stellvertretende Nachrichtenchef der BBC hat gekündigt und die Redaktionsspitze der Nachrichtensendung „Newsnight“ wird ausgewechselt, nachdem die Untersuchung der Vorgänge um eine nicht ausgestrahlte Recherche über Vorwürfe der Kinderschändung gegen den prominenten Moderator Jimmy Savile gravierende innerbetriebliche Mängel festgestellt hat.

Der Skandal um Savile, der zehn Monate nach der Absetzung der „Newsnight“-Sendung vom privaten Konkurrenzsender ITV als Kinderschänder enttarnt wurde, hat unter anderem dazu geführt, dass George Entwistle als Generaldirektor der BBC im November nach nur 54 Tagen im Amt zurücktrat. Es habe an Führung und Organisation gemangelt, schreibt Nick Pollard in seinem Bericht. Gleichwohl entlastet er die BBC-Spitze von dem Vorwurf, sie habe Ende des vergangenen Jahres - kurz nach dem Tod von Savile - „unangemessenen“ Druck ausgeübt, um die „Newsnight“-Sendung zu unterbinden.

Der BBC war unterstellt worden, sie habe die Wahrheit über den inzwischen wegen hunderter sexueller Vergehen beschuldigten Savile verschleiern wollen, nicht nur, um den Ruf des öffentlich-rechtlichen Senders zu schützen, der den Star-Moderator jahrzehntelang beschäftigt hatte, sondern auch weil zwei Savile-Würdigungen für das Weihnachtsprogramm in Auftrag gegeben worden waren.

Saviles Schattenseite

Der Pollard-Bericht kommt zu dem Schluss, der „Newsnight“-Chefredakteur Peter Rippon habe die Entscheidung gefällt, die Recherche abzubrechen. Er habe das Material nicht richtig gesichtet und somit die Bedeutung der Geschichte verkannt. Dabei habe auch Misstrauen zwischen der Nachrichtenredaktion und den Reportern eine Rolle gespielt. Rippon habe zwar in gutem Glauben, aber falsch gehandelt. Die Folgen hätten sich für die BBC als „verheerend“ erwiesen. Beunruhigender als Rippons Fehlentscheidung sei jedoch „die vollständige Unfähigkeit“ der BBC, die darauf folgenden Entwicklungen in Griff zu bekommen, sagte Pollard.

Zu den erstaunlichen Punkten des Berichts zählt die Behauptung, der zurückgetretene Entwistle sei, als er noch die Fernsehabteilung der BBC leitete, im Zusammenhang mit den Weihnachtswürdigungen auf Saviles „Schattenseite“ hingewiesen worden. Zudem habe ein Kollege schon 2010, also vor Saviles Tod, Entwistle in einer Email geschrieben: „Ich würde mich unwohl fühlen bei einem Nachruf. Ich habe die Wahrheit gesehen!!!“ Das zeige, dass in der BBC-Fernsehabteilung, zu dem Zeitpunkt, zu dem die Würdigung Saviles geplant wurde, nicht nur Gerüchte im Umlauf waren, sondern es Erkenntnisse über dessen wahres Wesen gab.

Pollard bemängelt auch, dass die BBC ihre Informationen über Savile nicht an die Polizei gab. Es sei auch nicht nachzuvollziehen, weshalb Stephen Mitchell, der stellvertretende Nachrichtenchef des Senders, die „Newsnight“-Recherche über Savile aus einer Liste gründlich zu prüfender Sendungen entfernt habe. Auch zeigte sich Pollard überrascht, dass Helen Boaden, Leiterin der Nachrichtenabteilung, nicht mehr Initiative ergriffen und Verantwortung gezeigt habe, zumal klar gewesen sei, dass „ein wichtiger Teil der Abteilung, der sie vorstand, mehr oder weniger im Zusammenbruch begriffen war“.

Indes tritt Helen Boaden ihre Stelle als Nachrichtenchefin heute wieder an. Für Peter Rippon und seinen Stellvertreter werden neue Aufgaben gesucht. Adrian van Klaveren, Leiter von Radio 5 Live, der in Boadens Abwesenheit mitveranwortlich war für die „Newsnight“-Sendung, die den Politiker Lord McAlpine zu Unrecht als Kinderschänder verdächtigte, wird versetzt, nachdem ein Bericht über diesen Fehler der BBC ähnliche Wirrnisse anlastet wie im Fall Savile.

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