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Veröffentlicht: 18.05.2012, 13:37 Uhr

Automatisierungsdividende für alle Roboter müssen unsere Rente sichern


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Die nächste Technologiewelle, die unsere gesellschaftlichen Grundfesten erschüttern wird, rollt leise, aber gewaltig an. Es ist nicht eine einzelne Technologie, die sie treibt, sondern die Kombination und gegenseitige Potenzierung paralleler Entwicklungen. Computer und Netze haben die ersten Jahrzehnte der Einführungsphase hinter sich gelassen. Alltagsgegenstände werden längst computerisiert, digitalisiert, vernetzt. Sie beziehen einen Großteil ihrer Funktionalität aus Software. Damit sind sie nicht länger den angestammten Zyklen ihrer Branche unterworfen. Plötzlich gilt Moore’s Law - die Verdopplung der Rechenleistung und die damit einhergehende Explosion an möglicher Funktionalität alle achtzehn Monate - auch für Kameras, Musikabspielgeräte, Fernseher, Telefone, Sensoren aller Art und sogar Autos, die mehr und mehr Computer mit Motor und Rädern sind.

Sogar Lehrer müssen sich Sorgen machen

Maschinelles Sehen, die präzise, stereoskopische Wahrnehmung und Analyse der Umgebung durch Kameras, wird immer billiger. Die Basisalgorithmen waren längst vorhanden und funktionierten, es mangelte ihnen aber bisher an der nunmehr reichlich vorhandenen Rechenleistung, inklusive billigen Speicherplatzes. Neue Materialien, Konstruktions- und Fertigungsverfahren ermöglichen einen dramatischen Preisverfall bei Robotern und Automatisierungsmaschinen. Der Überfluss an Speicher- und Prozessorkapazität, kombiniert mit den durch die Digitalisierung aller unserer Lebensäußerungen entstehenden Datenmengen, führt dazu, dass auch die über viele Jahre entwickelten Algorithmen für maschinelles Lernen und „schmalbandige“ künstliche Intelligenz plötzlich anfangen, alltagstauglich zu funktionieren.

Produktion eines Opels - Die Herstellung eines Opels wird im Rüsselsheimer Werk mit allen Produktionsschritten gezeigt © Kretzer, Michael Vergrößern Schon heute Realität: Ein Roboter beim Laserschweißen am Dach einer Auto-Karosserie

All die Daten, die wir erzeugen und absichtlich oder unabsichtlich hinterlassen, lassen sich ohne größere Kosten speichern und weiterverarbeiten. mehr noch: Wir trainieren mit unseren Daten und Verhaltensweisen die Maschinen und Algorithmen dazu, uns besser zu analysieren. Und zwar in immer mehr Aspekten unseres Seins: Längst ist nicht mehr nur das berufliche Verhalten erfassbar, auch der private und kulturelle Austausch, die Vorlieben und Konsumgewohnheiten lassen sich studieren. Das hat nun eine neue Qualität erreicht: Unser Verhalten wird emulier- und simulierbar. Das ist ein entscheidender Punkt. Maschinen können menschliche Denkleistungen und Verhaltensweisen so intensiv studieren, dass sie sie emulieren und optimieren können. Sie werden besser als die ursprünglichen menschlichen Datenzulieferer. Die sozialen Folgen sind leicht zu prognostizieren: Es sind nicht länger nur die Fließbandarbeiter, deren Job durch einen Roboter ersetzt werden kann. Es sind auch Buchhalter, Anwälte, Personalentwickler, Marketingmitarbeiter, sogar Journalisten und Wissensvermittler, also Lehrer und Professoren, die sich Sorgen um ihr berufliches Arbeitsfeld machen müssen. Diese Veränderungen sind nicht nur rein technischer Natur, die Kombination von Vernetzung, Computerleistung und einer Umgewöhnung der Kunden schafft einen qualitativen Sprung, und das kann sehr schnell dramatische Auswirkungen haben - wie etwa das Beispiel der verschwindenden Reisebüros zeigt.

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