http://www.faz.net/-gqz-6zy1g

Automatisierungsdividende für alle : Roboter müssen unsere Rente sichern

  • -Aktualisiert am

Die nächste Technologiewelle, die unsere gesellschaftlichen Grundfesten erschüttern wird, rollt leise, aber gewaltig an. Es ist nicht eine einzelne Technologie, die sie treibt, sondern die Kombination und gegenseitige Potenzierung paralleler Entwicklungen. Computer und Netze haben die ersten Jahrzehnte der Einführungsphase hinter sich gelassen. Alltagsgegenstände werden längst computerisiert, digitalisiert, vernetzt. Sie beziehen einen Großteil ihrer Funktionalität aus Software. Damit sind sie nicht länger den angestammten Zyklen ihrer Branche unterworfen. Plötzlich gilt Moore’s Law - die Verdopplung der Rechenleistung und die damit einhergehende Explosion an möglicher Funktionalität alle achtzehn Monate - auch für Kameras, Musikabspielgeräte, Fernseher, Telefone, Sensoren aller Art und sogar Autos, die mehr und mehr Computer mit Motor und Rädern sind.

Sogar Lehrer müssen sich Sorgen machen

Maschinelles Sehen, die präzise, stereoskopische Wahrnehmung und Analyse der Umgebung durch Kameras, wird immer billiger. Die Basisalgorithmen waren längst vorhanden und funktionierten, es mangelte ihnen aber bisher an der nunmehr reichlich vorhandenen Rechenleistung, inklusive billigen Speicherplatzes. Neue Materialien, Konstruktions- und Fertigungsverfahren ermöglichen einen dramatischen Preisverfall bei Robotern und Automatisierungsmaschinen. Der Überfluss an Speicher- und Prozessorkapazität, kombiniert mit den durch die Digitalisierung aller unserer Lebensäußerungen entstehenden Datenmengen, führt dazu, dass auch die über viele Jahre entwickelten Algorithmen für maschinelles Lernen und „schmalbandige“ künstliche Intelligenz plötzlich anfangen, alltagstauglich zu funktionieren.

Schon heute Realität: Ein Roboter beim Laserschweißen am Dach einer Auto-Karosserie
Schon heute Realität: Ein Roboter beim Laserschweißen am Dach einer Auto-Karosserie : Bild: Kretzer, Michael

All die Daten, die wir erzeugen und absichtlich oder unabsichtlich hinterlassen, lassen sich ohne größere Kosten speichern und weiterverarbeiten. mehr noch: Wir trainieren mit unseren Daten und Verhaltensweisen die Maschinen und Algorithmen dazu, uns besser zu analysieren. Und zwar in immer mehr Aspekten unseres Seins: Längst ist nicht mehr nur das berufliche Verhalten erfassbar, auch der private und kulturelle Austausch, die Vorlieben und Konsumgewohnheiten lassen sich studieren. Das hat nun eine neue Qualität erreicht: Unser Verhalten wird emulier- und simulierbar. Das ist ein entscheidender Punkt. Maschinen können menschliche Denkleistungen und Verhaltensweisen so intensiv studieren, dass sie sie emulieren und optimieren können. Sie werden besser als die ursprünglichen menschlichen Datenzulieferer. Die sozialen Folgen sind leicht zu prognostizieren: Es sind nicht länger nur die Fließbandarbeiter, deren Job durch einen Roboter ersetzt werden kann. Es sind auch Buchhalter, Anwälte, Personalentwickler, Marketingmitarbeiter, sogar Journalisten und Wissensvermittler, also Lehrer und Professoren, die sich Sorgen um ihr berufliches Arbeitsfeld machen müssen. Diese Veränderungen sind nicht nur rein technischer Natur, die Kombination von Vernetzung, Computerleistung und einer Umgewöhnung der Kunden schafft einen qualitativen Sprung, und das kann sehr schnell dramatische Auswirkungen haben - wie etwa das Beispiel der verschwindenden Reisebüros zeigt.

Weitere Themen

Roboter mit Gefühlen Video-Seite öffnen

Fast schon menschlich : Roboter mit Gefühlen

Pepper ist einer von mehreren Robotern, die in der Lage sind, menschliches Verhalten nachzuahmen und zu interpretieren. Die Herstellerfirma Softbank Robotics will diese Entwicklung noch weiter perfektionieren.

Augen auf, Google guckt

Künstliche Intelligenz : Augen auf, Google guckt

Da staunt der liebe Doktor: Google bringt seinen Maschinen bei, Herzrisiko-Patienten mit einem Blick ins Auge zu identifizieren. Dabei erfährt der Raucher, dass er raucht – und was das intelligente Doktorspiel sonst so leistet. Eine Glosse.

Digitalisierung und Arbeitsmarkt Video-Seite öffnen

Wirtschaftsgipfel Live : Digitalisierung und Arbeitsmarkt

Die digitale Transformation beeinflusst alle Lebensbereiche in unserem Alltag. Wie unsere Gesellschaft damit umgehen muss, darüber wird auf dem Leibniz-Wirtschaftsgipfel in Berlin diskutiert. Verfolgen sie die Debatten im Livestream.-

Topmeldungen

Österreichs Kanzler : Kurz: EU muss sparsamer werden

Am Mittwoch reist Sebastian Kurz zu seinem Antrittsbesuch nach Berlin. Im F.A.Z.-Gespräch äußert sich Österreichs Kanzler skeptisch zum Eurozonen-Budget – und plädiert für einen stärkeren Schutz der EU-Außengrenzen.
Polizeieinsatz am Ort des Mordes in Mitrovica

Serbenführer im Kosovo getötet : Tod in der Hochburg der Balkanmafia

Für die Ermordung des kosovarischen Serbenführers Oliver Ivanovic kommen viele Täter in Frage – doch ein Verdacht liegt besonders nahe. Ivanovic selbst hatte in einem seiner letzten Interviews darauf hingewiesen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.