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Veröffentlicht: 01.01.2010, 15:07 Uhr

Ausblick der F.A.Z.-Kulturkorrespondenten Anderswo passiert auch was

Was 2009 in China, Russland, England, Frankreich, Italien, Spanien oder den Vereinigten Staaten das Kulturleben beschäftigt hat, haben unsere Korrespondenten täglich berichtet. Was aber wird aus 2010? Was plant das Ausland?

© picture-alliance/ dpa In Kopenhagen ist Afrika aus der Reihe getanzt: Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao im Juni 2006 in Tansania

Was 2009 in China, Russland, England, Frankreich, Italien, Spanien oder den Vereinigten Staaten das Kulturleben beschäftigt hat, haben unsere Korrespondenten täglich berichtet. Was aber wird das für 2010 bedeuten? Was steht uns bevor?

CHINA
Die Folgen des Klimagipfels

Die Weltausstellung in Schanghai könnte dieses Jahr auf andere Weise die neue Rolle der Entwicklungsländer demonstrieren, als der Veranstalter das ursprünglich im Sinn hatte. Eigentlich wollte China auf der Expo seinen Anspruch unterstreichen, Pate der Dritten Welt und damit Hauptmotor einer globalen Umgestaltung zu sein, bei der nicht mehr der Westen das letzte Wort hat. Durch einen Fonds über hundert Millionen Dollar wird mehr Entwicklungsländern denn je die Teilnahme ermöglicht, und mit besonderer Fürsorge kümmert sich der Gastgeber um den afrikanischen Pavillon. Doch auf dem Klimagipfel in Kopenhagen ereignete sich ein dialektischer Umschlag, der China noch lange beschäftigen dürfte: Während das Land dem Westen gegenüber seine Macht so offensichtlich und offensiv wie nie zuvor erweisen konnte, bekam es gleichzeitig den unerwarteten Widerstand einer ganzen Reihe von Entwicklungsländern zu spüren, die die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mit dem gleichen Maß wie die der Industrieländer messen wollten. Pekinger Staatsmedien bezeichnen die Abstimmung mit diesen Ländern daher nun schon als eine der größten Herausforderungen für 2010; weniger der Westen als die bröckelnde Gemeinsamkeit gegenüber dem Westen macht ihnen Sorge - während Europa, etwa in seinen Klimaverhandlungen, jetzt gerade auf die Verschiedenheit der nationalen Perspektiven setzen will. Die nachwestliche Ordnung, in der die frühere Dritte Welt durch die Schwellenländer einen ungekannten Einfluss hat, scheint unübersichtlicher zu werden, als China bisher ahnte. Mark Siemons

major russland © picture-alliance/ dpa Vergrößern Kripomajor Jewsjukow im April im Moskauer Supermarkt „Ostrow”

SPANIEN
Verteilungskämpfe in Kunst und Kultur

Es ist langweilig, aber unausweichlich: Das Thema des Jahres 2010 in Spanien wird die Arbeitslosigkeit sein. Nicht „die Krise“, das Finanzsystem, die Ersparnisse, sondern die schlichte Frage des würdigen Überlebens mit bezahlter Beschäftigung. Bis vor zwei Jahren gehörte Spanien zu den am kräftigsten wachsenden Wirtschaften der Europäischen Union. Seitdem ist das Land, das in hohem Maß von der Bau- und Immobilienbranche abhängt, sehr tief gefallen. Als die Europäische Kommission für Spanien vor knapp einem Jahr eine Arbeitslosenquote von 16,1 Prozent für 2009 und 18,7 Prozent für 2010 vorhersagte, sah die Zapatero-Regierung das Ganze noch in viel milderem Licht.

Heute, bei rund 4,5 Millionen Arbeitslosen und einer Quote von weit über neunzehn Prozent, wissen wir, dass auch die schlimmen Zahlen aus Brüssel das Ausmaß der Krise nicht erfasst haben. Und so wird 2010 in Spanien nicht unbedingt das Jahr des Mitleids, sondern erbitterter Verteilungskämpfe sein, auch im Bereich von Kunst und Kultur. Eine achtlose Bemerkung aus dem Kulturministerium über Subventionsabbau bei Filmfestivals hat den ganzen Sektor in helle Aufregung versetzt; viele Gemeinden haben die Ausgaben für ihre volkstümlichen Fiestas, eine der ersten Einnahmequellen im Tourismus, weit heruntergefahren; und in der Übergangsphase vom verkäuflichen Tonträger zum kaum kontrollierbaren Download sind spanische Sänger und Musiker auf die Straße gegangen, um den minimalen Respekt vor dem Urheberrecht zu fordern, das ihre schöpferische Leistung schützt. Nichts von alldem wird 2010 besser werden. Bleibt nur, auf Kunstwerke zu hoffen, die uns die Zahlen vergessen lassen. Paul Ingendaay

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