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Veröffentlicht: 20.07.2017, 12:37 Uhr

Hitler-Attentat Das andere Deutschland

Der 20. Juli 1944 steht für den Widerstand gegen Hitler. Auch im Grundgesetz gibt es ein Widerstandsrecht. Es schließt die Gewalt gegen den freiheitlichen Staat aus. Ein Gastbeitrag.

von Gerhart Baum
© Galerie Valentien Alfred Hrdlicka: „Plötzensee“, Aquarell, 2006

Dieser Ort – Plötzensee: An diesem Ort zu sein, wo nach dem 20. Juli 1944 aufrechte Männer ermordet wurden, macht mich immer beklommen. Zu erinnern ist an die vielen – man schätzt, dass es mehrere tausend waren – in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Attentat, die Hitlers Rache traf. In den Gerichtsverhandlungen – soweit es überhaupt welche gab – bewahrten sie Haltung und Würde. Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, einer der zentralen Initiatoren der Verschwörung, hielt dem brüllenden Blutrichter Roland Freisler entgegen: „Wir haben die Tat auf uns genommen, um Deutschland vor einem namenlosen Elend zu bewahren. Ich bin mir klar, dass ich daraufhin gehängt werde, bereue meine Tat aber nicht und hoffe, dass ein anderer sie in einem glücklicheren Moment durchführen wird.“ Noch am selben Nachmittag wurde er hier hingerichtet. Dieses und alle anderen Bekenntnisse der Angeklagten vor Gericht gehören zu den wichtigsten Zeugnissen des Widerstands gegen die Hitler-Barbarei. Da stand das „andere Deutschland“ vor den Richtern.

Wir gedenken heute der Männer und Frauen des 20. Juli. Wir gedenken auch all derer, die in anderen Gruppierungen und in anderen Situationen Widerstand geleistet haben – und das waren nicht wenige. „Das vollständige Bild des Widerstands muss zur Anschauung kommen“, fordert Elisabeth Ruge, die Enkelin des Grafen Schulenburg. Das ist wichtig. Viele Deutsche wissen um den Widerstand, aber sie kennen oft nur einzelne Teile. Viel zu viele aber nicht einmal diese.

47593407 © dpa Vergrößern Gerhart Baum (FDP), ehemaliger Bundesinnenminister während einer Talkshow im März 2017

In der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“, einem Lern- und Begegnungsort im Bendlerblock, wo die Thematik vorbildlich aufgearbeitet wird, werden die verschiedenen Facetten des Widerstands sichtbar: Widerstand im Kriegsalltag, Widerstand von Christen, Juden, von Sinti und Roma, von Jugendlichen, von Künstlern und Intellektuellen, Widerstand von der Arbeiterbewegung, der „Weißen Rose“ , der „Roten Kapelle“, des „Kreisauer Kreises“ und Widerstand Einzelner wie des Georg Elser. Politisch gesehen, gab es eine Vielzahl von Netzwerken unterschiedlichster Art von Kommunisten bis zu Deutschnationalen, die teils auch miteinander in Verbindung standen. Der 20. Juli ist zum Sinnbild des Widerstands schlechthin geworden. Es gehörten zum Widerstand Menschen aller Schichten, aller Richtungen. Später ist diese Tatsache verfälscht worden, etwa in der DDR, als die Deutung des Widerstands zwischen die Fronten des Kalten Krieges geriet.

Teile der Deutschen haben die Demokratie nicht angenommen

Dennoch: der deutsche Widerstand stand weitgehend allein. Die meisten Deutschen sympathisierten mehr oder weniger mit den Nazis oder fanden sich mit den Zuständen ab. Die Weimarer Demokratie ist eben auch daran gescheitert, dass Teile des Bürgertums das Geschenk der Demokratie nicht angenommen haben. Sie haben ihrer Zerstörung tatenlos zugeschaut. So wie später, im Jahre 1934, in der Aktion gegen den SA-Führer Röhm. Mindestens neunzig Menschen – darunter der frühere Reichskanzler von Schleicher und seine Frau – wurden auf Hitlers Befehl ermordet. Dies blieb ohne sichtbare Reaktion, obwohl alle Zeitungen darüber berichtet haben.

Deutschland war zu einer Willkür-Herrschaft geworden, mit Hitler als Gerichtsherr über Leben und Tod. „Der Führer schützt das Recht“, kommentierte der Staatsrechtler Carl Schmitt diese Morde und versuchte damit eine formaljuristische Rechtfertigung.

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