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Veröffentlicht: 18.07.2015, 20:15 Uhr

Prinz Asserate im Gespräch Afrikas Hoffnung verlässt den Kontinent

Wir können die Zäune noch so hoch machen, wir können uns noch so sehr um die Integration der in Europa Strandenden bemühen: Das Problem wird fortgeschrieben. Es gilt, die Ursachen zu bekämpfen.

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© AP Die größten Exporteure von Migranten sind Afrikas Diktatoren: Szene vom Grenzzaun zwischen Marroko und der spanischen Enklave Melilla.

Bis zum Ende des Jahres werden eine halbe bis zu einer Dreiviertelmillion Menschen über das Mittelmeer nach Europa geflohen sein. Diese Zahl ist zum einen dem Bürgerkrieg in Syrien geschuldet, zum anderen der Migration aus Afrika.

Jochen Hieber Folgen:

Was die afrikanischen Flüchtlinge betrifft, fürchte ich, werden wir bald nicht mehr von Migration sprechen, sondern von Völkerwanderung. Derzeit, so das UN-Flüchtlingshilfswerk, leben weltweit 59,5 Millionen Menschen außerhalb ihres Heimatlandes. 35 Millionen davon kommen aus Afrika. Die Frage, wie man damit umgeht, ist für mich die größte Herausforderung Europas im 21. Jahrhundert. Was machen wir in Europa, wenn bald nicht mehr Tausende von Afrikanern zu uns drängen, wie wir das heute sehen, sondern Millionen Menschen sich auf den Weg machen? Wenn diese Menschen sagen: „Ihr könnt euer Militär schicken oder Bomben werfen, wir gehen weiter, denn in unseren Heimatländern gibt es keine Hoffnung mehr auf ein menschenwürdiges Leben.“ Das größte Rätsel für mich ist dabei, warum die Europäer bisher fast ausschließlich versuchen, die Symptome des Problems zu behandeln. Sie fragen: Wie hoch kann man die Zäune noch machen? Wie abschreckend wollen wir sein? Oder: Wie können wir die Menschen, die zu uns kommen, am besten integrieren und wie viele? Es gilt aber, die Ursachen der unermesslichen Menschenflucht zu begreifen, um ihr angemessen zu begegnen.

Was sind die Ursachen?

Nehmen wir als Beispiel Eritrea: ein Land in Ostafrika mit rund sechs Millionen Menschen. Ein Drittel der Bevölkerung ist mittlerweile aus diesem Land geflohen, das vor einigen Jahrzehnten mit großen Hoffnungen in die Unabhängigkeit aufbrach. Heute ist Eritrea eine der schlimmsten Diktaturen der Welt. Es gibt keine Pressefreiheit, keine Religionsfreiheit, keine Versammlungsfreiheit. Der gesamte private Sektor wurde de facto abgeschafft. Es gibt keine Verfassung, keine unabhängige Justiz, keine Rechtsstaatlichkeit. Die Regierung wird beschuldigt, Menschen massenweise, mit großer Willkür, ohne Prozess und unter menschenunwürdigen Bedingungen einzukerkern und zu foltern. Eritreer, die im Ausland leben, müssen regelmäßig Devisen an die Regierung überweisen, sonst haben sie damit zu rechnen, dass ihre Verwandten oder Familien, die noch im Land verblieben sind, drangsaliert und schikaniert werden.

Prinz Asfa-Wossen Asserate - Äthiopisch-deutscher Unternehmensberater und Autor im Gespräch mit Werner D'Inka © Helmut Fricke Vergrößern Prinz Asserate blieb Mitte der Siebziger Jahre, nach dem Sturz des Kaisers Haile Selassie, dessen Großneffe er ist, im deutschen Exil.

Wie typisch ist Eritrea für die Situation in Afrika?

Eritrea ist kein Einzelfall. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Staaten, in denen die Menschen unter entwürdigenden Bedingungen leben müssen. In der Rangliste von sogenannten gescheiterten oder fragilen Staaten ist Afrika stets prominent vertreten. Stammplätze haben Länder wie Äthiopien, Somalia, der Sudan und Süd-Sudan, die Zentralafrikanische Republik, Kongo, der Tschad und etliche andere von Gewaltregimen regierte Staaten.

Sind solche Regime auch die Hauptverantwortlichen für die Migration?

Die größten Exporteure von Migranten auf dieser Welt sind afrikanische Gewaltherrscher und Diktatoren, die ihrem eigenen Volk keine Hoffnung lassen auf ein menschenwürdiges Leben. Das Verheerende ist dabei, dass ein Großteil dieser Regime auch noch von europäischen Steuergeldern alimentiert wird.

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