http://www.faz.net/-gqz-8yk8e

Dichterin Arundhati Roy : Nichts ist gut in Indien

  • -Aktualisiert am

Chronistin der Gegenwart ihres Landes: Arundhati Roy. Bild: ddp

Arundhati Roy publiziert ihren zweiten Roman. In „Das Ministerium des äußersten Glücks“ beschreibt sie die dunkle Seite ihrer Gesellschaft. Da bleibt von Indien-Romantik nichts übrig.

          Vor genau zwanzig Jahren erschien Arundhati Roys erster Roman: „Der Gott der kleinen Dinge“ wurde im Handumdrehen ein Welterfolg und verschaffte der indischen Autorin die höchste Anerkennung der englischsprachigen Literatur, den Booker-Preis. Als sie wie eine Diva in der ganzen Welt herumgereicht wurde, sagte sie, dass dies ihr womöglich einziger Roman bleiben würde. Hatte der emotionale Orkan, den sie im ersten Roman entfacht hatte, sie entleert zurückgelassen? Nein, Arundhati Roy begann ihre zweite Karriere, die der Aktivistin und Chronistin.

          Die Übel der indischen Gesellschaft hat sie mit anteilnehmender Leidenschaft dargestellt. Und nicht nur das, sie spannte sich vor manche große Streitsache, verschaffte ihr Medienaufmerksamkeit und argumentative Schärfe. Jahrelang stritt sie gegen die Eindämmung des nordindischen Flusses Narmada, dem Dutzende von Dörfern und große Waldflächen zum Opfer fielen. Sie begab sich in die Dörfer der maoistischen Guerilleros und berichtete über deren Leben. Sie, diese kleine, zarte Frau, fuhr ins leidgeprüfte Kaschmir, um über das Morden und Brandschatzen, über die Vernichtung der Lebenshoffnung ganzer Generationen zu schreiben. Kein Milieu war ihr zu gefährlich und zu schwierig. Sie legte sich mit der indischen Gesellschaft, den Gerichten, der gewinnsüchtig-eigennützigen Mittelschicht an und machte sich überall Feinde. Ihre gesammelten Brandreden und furiosen Zeitschriftenaufsätze sind auch in deutscher Sprache erschienen.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Seit Jahren aber raunte man darüber, dass Arundhati Roy doch an einem neuen Roman schreibe. In dieser Woche ist er in Indien erschienen: „The Ministry of Utmost Happiness“. Prompt sind die indischen Zeitungen voll mit Interviews, und die ersten Rezensionen sind veröffentlicht. Arundhati Roy ist sich treu geblieben. Was sie in zwanzig Jahren erlebt und miterlitten hat, fügt sie nun in ein Kaleidoskop von Geschichten, die, miteinander verwoben, die dunkle Seite der indischen Gesellschaft darstellen. Maoisten, Unberührbare, diskriminierte Muslime, das zerstrittene Kaschmir, entführte Babys, das Schicksal der Hijras (Transgender), Armut, Elend und Korruption – nichts scheint zu fehlen an dem riesigen fragmentierten Mosaik der indischen Wirklichkeit, das dieses Buch bietet. Vom Indienbild der deutschen Romantik und nachfolgender Indienreisender bleibt kein Fetzen übrig.

          Arundhati Roy ist die einzige international anerkannte indische Schriftstellerin, die auch tatsächlich in Indien ansässig ist. Deshalb fehlt es ihr nicht an Authentizität. In den Gesprächen mit den hiesigen Zeitungen berichtet sie, dass weltweit dreißig Verlage ihr Buch beinahe gleichzeitig herausbringen. Die deutsche Übersetzung, „Das Ministerium des äußersten Glücks“, erscheint denn auch bei S. Fischer bereits im August.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Der Feind im Eigenheim

          25 Jahre Berliner Open Mike : Der Feind im Eigenheim

          Als Türöffner in den Literaturbetrieb wird der Berliner Open Mike gern bezeichnet. Nun feiert der wichtigste deutsche Literaturnachwuchswettbewerb sein 25. Jubiläum – und ist selbst etabliert.

          Dorfbewohner fangen Riesenkrokodil Video-Seite öffnen

          Indien : Dorfbewohner fangen Riesenkrokodil

          Das Reptil näherte sich dem Dorf und versetzte Anwohner und Fischer in Schrecken. Sie fingen den Alligator und ließen das verletzte Tier wieder frei. In Indien stehen Krokodile unter Artenschutz und sind vom Aussterben bedroht.

          Topmeldungen

          Neue Verbindung: Russland baut eine Brücke über die Straße von Kertsch.

          Krim-Annexion : Abgerissene Verbindungen

          Die Krim-Bewohner und wie sie die Welt sehen – drei Jahre nach der russischen Annexion. Würden die Bewohner wieder für einen Anschluss an Russland stimmen?
          Der amerikanische Präsident Donald Trump und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Bethlehem

          Naher Osten : Palästinenser drohen Amerikanern mit Gesprächsabbruch

          Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Palästinensern eskaliert. In Washington muss die Mission der Palästinenserorganisation PLO schließen. Palästinenserpräsident Abbas warnt vor „gefährlichen Konsequenzen für den Friedensprozess“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.