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Die neue Einteilung der Welt : Hautfarbe, Geschlecht, Nation

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Flagge zeigen, und zwar nicht auf Halbmast: die Vancouver Pride Parade in diesem August. Bild: dpa

Überall Identitäre: Wie links und rechts auf einer Einteilung der Gesellschaft in Menschengruppen bestehen. Und was dabei aus der sozialen Frage wird. Ein Gastbeitrag.

          Ach, es wäre so einfach, Political Correctness zu kritisieren, so einfach, in die Klage darüber einzustimmen, wie sehr sich der Gebots- und Verbotsfuror breitmacht und die Freiheit korrumpiert. Dass dies zu einfach wäre, kann man auch daran erkennen, mit wem man dann in einem Boot säße – mit solchen, die frühestens dann liberal geworden sind, als man Frauen, Homosexuelle, Juden und die Pluralität unserer Gesellschaft vor denen aus dem Morgenland retten konnte. Diese Liberalität schützen sie vor allem damit, die kulturlinke Form der korrekten Sprechweise aufs Korn zu nehmen, die am Ende gar keine Unterschiede mehr macht, sondern sich vor allem von denen unterscheiden will, die unterscheiden: zwischen Männern und Frauen, Hiesigen und Fremden, Weißen und Schwarzen, Klugen und Dummen und so weiter.

          Und doch: Wenn ich an mein universitäres Milieu denke, erfüllt dies tatsächlich viele der Vorurteile, die offensichtlich gar keine sind. Es gibt sogar Kollegen, die das Binnen-I stets und immer so laut sprechen, dass es nur noch die weibliche Form zu hören gibt. Es fällt mir zugegebenermaßen schwer, mich so daran zu gewöhnen, dass es mir nicht mehr auffällt – und das ist es wohl auch, was damit bezweckt wird. Endlich kann das Private politisch sein – ohne hohe Kosten, aber mit dem nicht verhandelbaren Ernst derer, denen jegliche Distanz zu sich selbst fehlt.

          Gender-Genauigkeit macht korrekt und hölzern

          Die Welt ist voller Ungerechtigkeit, sobald das erste Wort gesprochen wurde. Jürgen Habermas meinte noch, dass mit dem ersten gesprochenen Wort wenigstens die Idee eines ungezwungenen Konsenses in der Welt sei. Vielleicht ist Konsens nur möglich, bevor wir den Mund aufgemacht haben. Denn mit jedem gesprochenen Wort ist bereits ein unheilbarer Schnitt in der Welt. Diesen Schnitt gilt es politisch korrekt wiedergutzumachen. Texte strotzen dann nur so von Sternchen, Gaps und Unterstrichen – und das mit einer stupenden Genauigkeit, dass die sonstige eher hölzern wirkende Interpunktionsperformanz erst recht auffällt, selbst bei Studenten mit bayerischem Abitur, die an meiner Universität den Großteil der Klientel ausmachen.

          Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Unsere jungen Leute kriegen schon auch akademische Fertigkeiten beigebracht, da besteht wenig Grund zur Sorge. Aber sie lernen auch jene Sekundärtugenden eines übersensiblen Alltags, den man sich leisten können muss – und dann geht es dem Sprechen oft um explizite Orthophonie und Orthologie, mit den oben genannten Fallstricken der Unhörbarkeit des korrekt Geschriebenen.

          Ich weise die potentiellen Absolventen meines Lehrstuhls inzwischen im Internet explizit darauf hin, dass sie bei uns keine ethische Unbedenklichkeitserklärung für ihre Qualifikationsarbeiten abgeben müssen und freihändig, nach eigenem Gusto mit geschlechter- und sonstigen sensiblen Bezeichnungen umgehen dürfen. Spannenderweise können sie solche Formen der Gelassenheit gerade auch in den soziologischen Gender-Studies lernen, die, anders als viele Vorurteile lauten, eben nicht einfach für Benennungspraxen kämpfen, sondern ihre Bedingungen thematisieren – wenigstens in der Weise, wie sie in München von Paula Villa gelehrt werden.

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