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Archäologie als Erbe Europas : Das Wissen von den alten Dingen

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Sandschippen mit kleiner Sphinx: Historische Ausgrabungen in Sakkara, einer altägyptischen Nekropole Bild: Getty

Schon die antiken Griechen interessierten sich für die Zeugnisse ihrer Vergangenheit. Seither hat die Neugier kaum nachgelassen. Die Archäologie ist die europäischste aller Wissenschaften.

          Die Suche nach dem Ursprung des Wortes Archäologie und seines Bedeutungsspektrums führt an die Wiege Europas, nach Griechenland: „Archaiologia“ verwendet nach Ausweis der Schriftquellen erstmals der Sophist Hippias von Elis (443 bis 399 vor Christus) in einem Streitgespräch mit Sokrates. In dem als „Hippias maior“ überlieferten Dialog erzählt Hippias dem Athener Philosophen, dass er seine liebe Mühe mit den Spartanern habe, da diese etwas ganz anderes interessiere als seine sophistischen Weisheiten, nämlich: „Wenn ich ihnen spreche von den Geschlechtern der Heroen sowohl als der Menschen, und von den Niederlassungen, wie vor alters die Städte sind angelegt worden, und alles überhaupt, was zu den Altertümern (,archaiologia‘) gehört, das hören sie am liebsten; so dass ich um ihretwillen genötigt worden bin, dergleichen Dinge zu erforschen und einzulernen.“

          Wie das „Wissen von alten Dingen“ helfen kann, historische und gesellschaftliche Entwicklungen aufzuzeigen, Altertümer oder schriftliche Überlieferungen für das Verständnis der eigenen Gegenwart zu nutzen, das hat der Historiker Thukydides in der als „Archaiologia“ bezeichneten Einleitung seiner Geschichte des Peloponnesischen Krieges formuliert, dieser großen Auseinandersetzung zwischen Athen und Sparta. In den ersten Kapiteln gab Thukydides einen Abriss der ältesten Geschichte Griechenlands seit mythischen Zeiten. Und inwieweit das Ergebnis seiner historischen Recherche dem Leser bei der Einschätzung der politischen Lage am Vorabend des Waffengangs behilflich sein konnte, führte Thukydides in dem sogenannten Methodenkapitel aus.

          Was ist eigentlich Archäologie?

          Wunderbar, möchte manch einer vielleicht ausrufen, die alten Griechen interessierten sich also schon für die Archäologie! Das ist unter einem bestimmten Blickwinkel nicht ganz falsch, aber es ist auch nicht ganz richtig. Und schon stehen wir vor dem Dilemma um das Verständnis dessen, was Archäologie eigentlich ist.

          Denn auch wenn Hippias und Thukydides Überlieferungen und sichtbare Reste der eigenen Vergangenheit zum Gegenstand ihrer Überlegungen über das Wann, Woher oder Warum machten, so hatte das doch wenig zu tun mit dem, was wir heute mit dem Begriff Archäologie verbinden: die systematische Erforschung, Auswertung und Bewahrung der materiellen Relikte unter Anwendung möglichst sämtlicher zur Verfügung stehender geistes- und naturwissenschaftlicher Methoden und daraus folgend der Versuch einer kritischen Darstellung der kulturellen Entwicklung der Menschen – von der gesellschaftlichen Organisation über Städtebau, Religion oder Kunst bis hin zu politisch-sozialen oder wirtschaftlichen Fragen.

          Viele verschiedene Archäologien

          Angesichts dieser Beschreibung wird schnell klar, dass es heute nicht die eine Archäologie gibt. Vielmehr haben sich zahlreiche Archäologien entwickelt, deren Schwerpunkte und zeitliche Rahmen sehr unterschiedlich, andererseits jedoch auch mehr oder wenig eng miteinander verwoben sein können. Ob nun Archäologie der Steinzeit oder der Industriegeschichte, ob Archäologie des alten Ägyptens oder der Kelten, ob Archäologie Vorderasiens oder der Wikingerzeit: aus moderner Perspektive verdanken sie alle letztlich ihr Entstehen und die Anerkennung als eigene Wissenschaft den historischen Grundlagen und Entwicklungen auf dem europäischen Kontinent.

          Hier erwuchs aus einer einmalig produktiv-drängenden Gemengelage von menschlicher Neugier und Schatzsuchermentalität, aus ästhetischem Diskurs und methodischer Quellenkritik, aber auch aus nationalem Wettstreit und politischer Überheblichkeit allmählich etwas, was nirgendwo sonst auf der Welt vergleichbare Voraussetzungen fand.

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