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Apokalypse Now? Astronomischer Prüfbericht zum Ende der Welt

 ·  Jeder religiöse Tüftler kann das Weltende vorhersagen. Zugleich ist aber auch das astronomische Wissen über die Endlichkeit des Planeten gewachsen: Eine Analyse der Wahrscheinlichkeit kosmischer Katastrophen.

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© Esa/Nasa Vergrößern Noch ist die Sonne ein freundlicher Feuerball. In wenigen Milliarden Jahren aber wird unser Gestirn so heiß sein, dass jegliches Leben auf der Erde erlischt.

Seit einigen hunderttausend Jahren geniessen die Menschen ihr Leben auf der Erde. Das klingt wie eine lange Zeit, ist aber nur ein Zehntel der durchschnittlichen Lebensdauer einer Spezies. Weshalb sollten wir also die wiederkehrenden Spekulationen über unseren bevorstehenden Untergang ernst nehmen? Ist es möglich, dass ein katastrophales Ereignis die komplette Ausrottung der menschlichen Rasse herbeiführen kann, und das bereits morgen? Wie steht es mit der Möglichkeit eines kosmischen Zwischenfalls, der sich unserer Kontrolle entzieht? Wie man sich vielleicht vorstellen kann, hält das Universum einige ziemlich unangenehme Varianten bereit, auf die es uns zur Strecke zu bringen vermag. Sehen wir uns einige der wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Weltuntergangsszenarien an, die unseren ganzen Planeten zerstören oder alles Leben auf seiner Oberfläche auslöschen könnten:

1. Prophezeiung (Wahrscheinlichkeit: 0.0%)

Eine Prophezeiung ist eine göttlich inspirierte Nachricht, und viele kreative Individuen haben versucht, das Weltende zu prophezeien. Allerdings haben all diese Prophezeiungen kläglich versagt. Die letzte Bedrohung der Menschheit wurde von New Age-Autoren verfochten, die glauben, dass die Kultur der Maya wusste, wie die Welt enden würde.

Sie behaupten, dass der antike Kalender der Maya bewusst nach dem vierten „Weltzeitalter“ endet, was am 21. Dezember 2012 eintreten soll. Die Maya waren einfallsreich und schlau, aber sie hatten nicht die Technologie um irgendetwas vorherzusagen, das über das Auftreten von Tag und Nacht und den Jahreszeiten hinausging. Durchgefallen.

2. Entartete Schwarze Löcher (0.0000000000000000000001%)

Schwarze Löcher sind nicht einfach eine unmögliche Erfindung von Physikern; sie existieren tatsächlich. Es gibt hunderte von Millionen von ihnen, die in unserer Galaxie herumkreisen, genauso wie all die Sterne, die man am Nachthimmel beobachten kann. Man kann Schwarze Löcher nur einfach nicht sehen! Die Wahrscheinlichkeit, das eines von ihnen in die Erde knallt, ist sehr gering. Aber sie liegt eben nicht bei Null, und diesem Ereignis beizuwohnen wäre eine solch unglaubliche Erfahrung, dass ich es hier trotzdem beschreibe.

Während das Schwarze Loch sich nähert, würde alles, das hinter ihm liegt, verzerrt und gestreckt wirken. Es wäre, als betrachte man die Welt durch eine Lupe. Das kommt daher, dass die Gravitationskraft eines Schwarzen Lochs so stark ist, dass sie buchstäblich den Raum um sich herum krümmt. Sie würden fühlen, wie diese intensive Gravität Sie streckt wie ein altertümliches Folterinstrument - die Gravitationskraft an Ihrem Kopf wäre viel stärker als an Ihren Füssen. Das Schwarze Loch reißt alles buchstäblich auseinander wie Spaghettistränge. Binnen Sekunden hätte seine Gravitationskraft die gesamte Erdoberfläche aufgebrochen, was zu globalen Fluten von Lavaströmen führen würde. Alles Leben endet augenblicklich.

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Ben Moore ist Professor für Astrophysik an der Universität Zürich. Er ist Autor des Buches „Elefanten im All“ (Kein & Aber).

Quelle: F.A.Z.
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