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Antwort auf Sebastian Nerz : Die neuen Säulen des Wachstums

  • -Aktualisiert am

Auch wenn Biogas eine Lösung ist: Monokultur ist keine Bild: dapd

Wir brauchen keine Nachhaltigskeitsdebatte, sondern eine zeitgemäße Neudefinition unseres Wachstumsbegriffs: „Blaues Wachstum“ und was darunter zu verstehen ist.

          Nachdem sowohl in den Ausführungen von Sebastian Nerz als auch in der Replik von André Reichel der Wachstumsbegriff der FDP gestreift wurde, möchte ich das verzerrte Bild geraderücken. Beide Autoren legen Wert darauf, sich von der FDP und der „neu entdeckten Wachstumsliebe“ scharf abzugrenzen.

          Zuerst einmal möchte ich die vorgebliche Wachstumsliebe relativieren. Für mich ist Wachstum keine Heilige Kuh - genau so wenig wie für meine Partei. Nur: Wenn man die öffentlich Debatte verfolgt, kehrt ein Gedankenspiel immer wieder. Ein gefährliches Gedankenspiel aus drei Sätzen - auf das auch Sebastian Nerz in seinem Beitrag hereinfällt.

          Die Sätze lauten: Erstens: Wir verbrauchen mehr als die Erde verträgt. Zweitens: Wir müssen weniger verbrauchen. Drittens: Wir können nicht immer weiter wachsen.

          Vom Verbrauch zum Gebrauch

          Jeder dieser Sätze hat zwar einen wahren Kern - aber jeder dieser Sätze hat auch blinde Flecken. Unser Ressourcenverbrauch ist zu hoch!?

          Einmal angenommen, dieser Satz ist richtig. (Wenngleich in meinen Augen diese doch sehr pauschale Aussage für jede einzelne Ressource differenziert betrachtet werden muss). Aber angenommen, die These stimmt - was ist die Schlussfolgerung? Weniger zu verbrauchen einzig und allein durch Effizienzsteigerungen und Einschränkungen? Oder gibt es nicht doch andere Wege? Glauben Nerz und Reichel, dass weltweit in Zukunft weniger verbraucht werden wird? Wie wollen wir das Menschen erklären, die keinen Zugang zu Elektrizität oder sanitären Anlagen haben? Ich glaube das nicht. Das ist die egoistische Sicht der entwickelten Welt.

          Für mich ist es naheliegend, nicht nur Ressourcen weniger zu verbrauchen, sondern vor allem mehr und besser zu gebrauchen. Wenn jeder Bürger, jedes Unternehmen, jeder Wissenschaftler und jeder Politiker seine Kreativität dafür aufwendet, Ressourcen möglichst oft und möglichst effektiv zu nutzen, minimiert das den Verbrauch gleichermaßen. Das von Herrn Reichel angesprochene Carsharing ist dafür nur ein Beispiel. Wir alle produzieren tonnenweise Müll, machen uns aber nur selten Gedanken darüber, wem dieser nutzen kann.

          Das Buch, das über den Druckrandstreifen einer Zeitungsdruckerei auf dem ohnehin verwendeten Papier gleich mitgedruckt wird.

          Der Fernseher, der beim starken Erhitzen in seine rohen Bestandteile zerfällt und neu zusammengesetzt werden kann.

          Der Safthersteller, der seine Orangenschalenreste zum Feuerschutzmittel oder zur Seife weiterverarbeitet.

          Kein Politiker wird auf diese kreativen Lösungen von selbst kommen können, es ist auch nicht seine Aufgabe. Aber wir müssen uns der Aufgabe stellen, solche Lösungen zu fördern und zu fordern. Wenn wir einseitig die Minderung in den Fokus stellen, vernachlässigen wir diese Option.

          Blaues Wachstum

          Wir denken zu kurz, wenn wir wegen des Stromverbrauchs herkömmliche Glühbirnen durch quecksilberhaltige Energiesparlampen ersetzen. Es ist falsch, Flächenverbrauch und boden- und wasserschädliche Maismonokulturen für die Erzeugung von Biogas nach oben zu schrauben. Es bringt uns nicht weiter, Palmöl für Biodiesel und Bioseife einzusetzen und gleichzeitig tropische Wälder abzuholzen. Es gibt Alternativen. Ich bin weit entfernt davon, zu behaupten, wir hätten für jedes einzelne Problem sofort eine Lösung parat. Aber man muss diese Lösungen erst einmal finden wollen.

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