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Judenhass von rechts und links : So wird dämonisiert

  • -Aktualisiert am

Demonstration gegen Judenhass in Berlin. Bild: Picture-Alliance

Das Gerede von der „Jüdischen Weltverschwörung“ hat links wie rechts Konjunktur. Der neue Antisemitismus-Beauftrage der Bundesregierung wird viel zu tun haben. Ein Gastbeitrag.

          „Jüdische Weltmacht“ oder „Jüdische Weltverschwörung“ – das Thema ist wieder auf der Tagesordnung. Nicht nur in der islamischen Welt oder unter deutschen Muslimen, auch bei Alteinheimischen erhitzt es wieder die Gemüter. Deshalb hat nun eine überparteiliche Bundestagsmehrheit – sogar vor und unabhängig von der neuen Regierungsbildung – einen „Antisemitismus-Beauftragten“ installiert. Er oder sie wird sich auch mit dem Klassiker des weltweiten Antijudaismus auseinanderzusetzen haben: der Legende von der Jüdischen Weltmacht. Diese war bekanntlich so mächtig, dass Hitler und seine Schergen sechs Millionen Juden ohne Gegenwehr vernichten konnten.

          Die Jüdische Weltmacht nennt man heute „Jüdische Lobby in den USA“ und Israel, also den jüdischen Staat. Die vermeintliche Lobby stellt etwa zwei Prozent der amerikanischen Bevölkerung dar, diese zirka sechs Millionen von 7,5 Milliarden Erdbewohnern. „Tut nichts! Der Jude wird verbrannt“, verkündet der Patriarch in Lessings „Nathan der Weise“. Hieran knüpfen mehr als nur im übertragenen Sinne alteingesessene Deutsche an, die fast jeder kennt. Stellvertretend seien zwei Beispiele erwähnt. Das eine von rechts, das andere von links.

          Die „Israelisierung der Welt“

          Das rechte stammt von Wolfgang Gedeon (AfD): „Weltbedeutung hat das Judentum heute nicht direkt durch seine Religion, sondern im Wesentlichen indirekt, nämlich durch Judaisierung der christlichen Religion und Zionisierung der westlichen Politik.“ Und weiter: „Als sich im 20. Jahrhundert das politische Machtzentrum von Europa in die USA verlagerte, wurde der Judaismus in seiner säkular-zionistischen Form sogar zu einem entscheidenden Wirk- und Machtfaktor westlicher Politik. (. . .) Der vormals innere geistige Feind des Abendlandes stellt jetzt im Westen einen dominierenden Machtfaktor dar.“

          Autor des linken Beispiels ist Jakob Augstein. Er beschreibt die „Israelisierung der Welt“. Darunter versteht er „eine bestimmte Art und Weise, die Welt zu betrachten, mit Konflikten umzugehen, Politik zu betreiben“. Durch Donald Trumps Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt sei die Welt „auf dem Weg der Israelisierung ein großes Stück vorangekommen“, nämlich „statt auf die Stärke des Rechts auf das Recht des Stärkeren zu setzen“. Das sei „ein Zeichen für die Krise des Westens. Diese Politik hätte „in Israel deutlich vor den ersten Anzeichen der Krise des westlichen Liberalismus die Oberhand gewonnen“. Schriebe dieser Mann nicht im „Spiegel“, trüge er nicht den Namen Augstein und wäre sein Vater nicht Martin Walser, zitierte jeder, wie bei Gedeon, einen anderen Klassiker (Shakespeare, Hamlet): „Obwohl es Wahnsinn, so hat es doch Methode.“ Die Methode heißt Dämonisierung. Am Anfang ist das Wort. Es führt zu Hass, und Hass führt zu Gewalt und Tod.

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