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Veröffentlicht: 25.03.2013, 11:04 Uhr

Anti-emanzipatorische Argumente Steinzeit für immer

Männer sind Jäger, Frauen Sammler? Was für ein Unsinn. Warum sich das Bild verändern muss, das wir uns von unseren Urahnen machen - und von der Rolle von Frau und Mann.

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Sie glauben zu wissen, wie man sich einen Tyrannosauraus rex vorzustellen hat? Das Bild des Brontosaurus, der durch den Sumpf schwimmt, war früher auch auf dem Titel Ihres Was-ist-was-Buchs? Und Ihnen wurde erzählt, dass Männer in der Steinzeit Jäger waren, die Frauen Sammler? Beste Voraussetzungen, damit sind wir beim Thema.

Julia Voss Folgen:

Die einfacheren Fälle zuerst: Wer heute ein altes Sachbuch aus der Schulzeit aufschlägt, der erhält eine Ahnung davon, dass Wissenschaft ein historisches Unternehmen ist, in der sich das, was man Wissen nennt, wandeln, verändern oder ganz verschwinden kann. Der Tyrannosaurus rex, zum Beispiel, war die längste Zeit der nackte Drache unserer Kindertage - die meisten Forscher sind sich nämlich spätestens seit 2012 einig, dass zumindest die Jungtiere flauschige Federchen hatten, vielleicht trugen auch erwachsene Tiere noch Reste davon. Der Brontosaurus, der richtig Apatosaurus heißt, gilt inzwischen als reiner Landbewohner, auch wenn der Maler Rudolph Franz Zallinger in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Tier durch einen Sumpf paddeln ließ und damit eine Ikone der Paläontologie schuf, die weltweit in allen Kinderbüchern landete. Zallinger arbeitete damals auf der Höhe des Forschungsstands, sein hinreißendes Gemälde schmückt bis heute das Naturkundemuseum der Yale University, und es zeigt, wie schön, wie überzeugend, wie verlockend es ist, sich die Urzeit auszumalen - und dass doch alles anders gewesen sein kann.

Vom männlichen Vorfahren zum modernen Menschen

Wer in diesen Tagen die Sonderausstellung „Planet 3.0. Klima, Leben, Zukunft: Eine Zeitreise durch den Klimawandel“ im Frankfurter Senckenberg-Museum besucht, kann feststellen, dass das, was für die Wissenschaft von den Dinosauriern gilt, auch für die von den Menschen stimmt. Man läuft in dieser Ausstellung durch ein Labyrinth von Erdzeitaltern, durch kalte, warme, trockene Perioden, Gletscher, Urmeere, Vulkanausbrüche, Sumpflandschaften, bis man vor 40.000 Jahren ankommt, im Europa der Eiszeit - und vor einem Mädchen steht. Einem Eiszeitmädchen.

Eiszeitmädchen - Für eine Ausstellung über Klima und  Erdgeschichte hat das Frankfurter Senckenbergmuseum eine Figur einer Eiszeitfrau geschaffen. Sie ist llustration zu Erkenntnissen über Geschlechterrollen der Vorfahren des modernen Menschen. © Henner Rosenkranz Vergrößern Rekonstruktion eines Eiszeitmädchens im Frankfurter Senckenberg-Museum

Allein das ist schon eine Sensation. Bisher hat sich niemand die Mühe gemacht, durchzuzählen, wie häufig Frauen abgebildet werden, wenn es darum geht, sich in Museen, Büchern oder Filmen unsere Vorfahren in der frühen Menschheitsgeschichte vorzustellen. Jeder kennt aber das berühmteste Bild, die Evolutionsreihe, in dem aus einem männlichen Vorfahren Schritt für Schritt der moderne Mensch wird - als ob es reichen würde, einen Mann zu zeigen, wenn man vom Menschen spricht. Kurzum: Wer darauf achtet, wird bemerken, dass Frauen in Abbildungen zur Menschheitsgeschichte etwa so gut vertreten sind wie in den Dax-Vorständen deutscher Unternehmen.

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