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Flüchtlingskrise : Der europäische Gedanke stirbt in Spielfeld

  • -Aktualisiert am

Flüchtlinge am slowenisch-österreichischen Grenzübergang Spielfeld Bild: Imago

An der Grenze zwischen Österreich und Slowenien zeigt sich, wie staatlich geplantes Schleusen funktioniert: Nachts fahren Busse vor und laden Flüchtlinge ein. Alle wollen nach „Germany“. Der Weg ist bestens beschildert.

          Grenzübergang Spielfeld B67 geschlossen“, verkündet ein Schild auf der Autobahn zwischen Graz und Maribor. Wer mit dem Auto von Österreich nach Slowenien will, muss auf der A9 bleiben, und darf dort, wie in den alten Zeiten des Schengenraums, ohne Kontrolle einreisen. Die Fahrbahn wird ein wenig verengt, und es sind viele Polizisten zu sehen. Ansonsten ist alles wie früher, als die Europäische Union noch lebte.

          Die tote Europäische Union trifft man, wenn man erst die Ratschläge und danach die polizeilichen Anweisungen ignoriert, und trotzdem bei der letzten Abfahrt zur B67 abbiegt. Ein Kilometer hinter der Grenze ist ein großer Verkehrskreisel, und am Schild, das Richtung Graz weist, ist darunter ein zweites, großes und amtlich wirkendes Schild montiert. Es steht nur ein Wort in schwarzen Lettern auf gelbem Grund: „Germany“.

          Ein Kilometer hinter Slowenien, 329 Kilometer vor der deutschen Grenze bei Freilassing steht das erste jener „Germany“-Schilder, die zum Symbol für das staatlich organisierte Schleusen von Flüchtlingen geworden sind. An der deutschen Grenze sagen Österreicher, die Schilder sollen die Flüchtlinge vor dem Verlaufen schützen. Aber auf der B67 läuft niemand nach Deutschland.

          Das gehe hier noch Jahre so weiter

          Auf der B67 betrachtet sich Österreich als Transitland, und damit es so bleibt und keiner sich ins österreichische Asylverfahren verläuft, wurde am alten Grenzübergang ein Lager eingerichtet. Vorbei sind die Zeiten, als Hunderte von Taxis hier an der Balkanroute warteten, um Flüchtlinge durch Österreich zu fahren. Der Staat hat übernommen, er zeigt mit Polizei und Militär Präsenz, er hat die Straße zum Zollbereich komplett abgeriegelt und schickt jeden normalen Bürger wieder zurück. Mag für die Flüchtlinge hier der Weg ins erhoffte Germany beginnen: Für den EU-Bürger endet die Freizügigkeit an einer Gitterbarriere, die die weitgehend ausgestorbene Straße nach Slowenien versperrt.

          Daneben ist eine halb beleuchtete Tankstelle, die noch geöffnet hat. Man bekommt Benzin, um die Region zu verlassen, aber nur noch wenig Reiseproviant. Die Stimmung ist schlecht, wie bei allen Läden an der Straße. Es kommt niemand mehr. Keiner kommt aus dem Norden, weil die Grenze geschlossen ist, und kein Flüchtling kommt aus dem Süden, wo sie zu Tausenden in den Zelten warten.

          Dass sie überhaupt hier sind, dass hier die Völkerwanderung nach Deutschland stattfindet, erkennt man allenfalls am aufgegebenen Werkzeuggeschäft gleich hinter der Barriere, das über die private Tankstelle zu Fuß zu erreichen ist. Dort stehen zwischen Säcken und Töpfen junge Freiwillige aus Wien und kochen. Früher, in den wilden Zeiten, als die Flüchtlinge zu Fuß über die Grenze kamen, bekamen sie hier das Essen direkt. Heute kocht man nur noch auf Anfrage des Grenzpersonals, denn die Flüchtlinge durchlaufen 200 Meter weiter den Aufnahmeprozess. Über die Dauer ihrer Tätigkeit machen sich die Helfer keine jener Illusionen, wie man sie von deutschen Politikern kennt: Das gehe hier noch Jahre so weiter, sagt einer, der pakistanische Wurzeln hat und erlebt, dass nicht nur die syrischen Lager in der Türkei, sondern der ganze mittelasiatische Raum und Nordafrika ins Rutschen gekommen sind. Alle wollen nach Germany, sobald sie die abgeschlossene Zeltstadt, die zwischen Österreich und Slowenien steht und am Abend vom Flutlicht hell erleuchtet ist, verlassen dürfen.

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