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Veröffentlicht: 27.08.2016, 10:10 Uhr

Trumps Wahlkampfchef Bannon Breitseiten erst für Amerika, dann für Europa

Dass Donald Trump den Rechtsaußen-Blogger Stephen Bannon zum Wahlkampfchef berufen hat, finden viele Amerikaner zum Fürchten. Dabei hat Bannon mit dem Portal „Breitbart News“ angeblich noch etwas anderes vor.

von Nina Rehfeld, Phoenix
© Reuters Stephen Bannon macht erst einmal Wahlkampf für Donald Trump. Und dann?

Auf staatsmännisch wirkende Mäßigung im Endspurt um die amerikanische Präsidentschaft deutet diese Personalentscheidung nicht hin: Die Berufung von Stephen K. Bannon an die Spitze von Donald Trumps Wahlkampfmannschaft ist für die Medien in den Vereinigten Staaten ein klares Signal. Denn mit dem 62 Jahre alten Impresario der konservativen Nachrichtenwebsite „Breitbart News“ betraute Trump seinen größten Fan mit der Leitung seiner Präsidentschaftskampagne. „Breitbart ist der einzige Ort, der noch Trump-verliebter ist als Trump selbst“, schrieb der „Weekly Standard“.

Für jemanden, der sich selbst als seinen wichtigsten Berater bezeichnet, mag Bannons Berufung eine folgerichtige Entscheidung sein. Von Bedeutung ist dies indes nicht nur insofern, als es den Versuchen zuwiderläuft, Trump nach seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zu einem moderateren Auftreten und einem traditionellen Wahlkampf zu bewegen, worauf führende Köpfe der Republikaner als auch Trumps vorheriger Kampagnenchef Paul Manafort drangen.

„Die alte Mediengarde vernichten“

Bannons Ernennung setzt ein anderes Signal: Der Medienmacher mit einem Publikum von 13,8 Millionen Lesern gilt als ebenso exzentrischer Radaumacher wie Trump und verachtet das Establishment der republikanischen Partei. Breitbart News feiert Trump als authentische Stimme der Massen. „Ich werde tun, was nötig ist, und ich werde es so tun, wie ich es für richtig halte, um zu gewinnen“, sagte Trump nach dem Umbau seines Teams.

Bannon, der seinen Posten bei „Breitbart News“ nun ruhen lässt, ist ein ehemaliger Navy-Offizier und Absolvent der Harvard Business School. Als Banker bei Goldman Sachs und als Hollywood-Produzent von Spielfilmen und Dokumentationen hat er ein Vermögen gemacht. 2012 wurde er Chef von „Breitbart News“, nachdem dessen Gründer Andrew Breitbart verstarb. Breitbart hatte sein Netzwerk aus politischen Blogs 2005 mit dem Ziel gegründet, „die alte Mediengarde zu vernichten“.

„Der Honigdachs schert sich einen Dreck“

Bannon führt „Breitbart News“ als aufrührerisches Portal unter dem Generaltenor, die politische und kulturelle Elite Amerikas sei für den Niedergang der Nation verantwortlich. In den Kommentarspalten finden sich krude Meinungsäußerungen zuhauf. Als Motto von Breitbart führt Bannon ein beliebtes Internet-Meme über ein aggressives kleines Raubtier: „Der Honigdachs schert sich einen Dreck.“

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Bannon ist stets auf der Suche nach Feindbildern, er findet sie selbstverständlich bei den Demokraten, aber auch bei den Republikanern und sogar bei dem konservativen Sender Fox News. Als der ehemalige Fox-News-Chef Roger Ailes allerdings durch den Vorwurf, er habe Mitarbeiterinnen sexuell belästigt, unter Druck geriet, trommelte Breitbart gegen die Eigentümerfamilie Murdoch, besonders gegen die als „mindere Murdochs“ betitelten Söhne des Medienunternehmers.

In der amerikanischen Medienbranche wird spekuliert, ob Bannons Berufung womöglich unternehmerische Gründe haben könnte. Der „New Yorker“ malt sich einen neuen, ultrarechten Medienkonzern aus - mit Trump, Bannon und Ailes. „Vanity Fair“ berichtete vor einiger Zeit, Trump plane seinen eigenen Kabelsender, um dort mit sich selbst Quote zu machen, gerade im Fall einer Wahlniederlage. Trump, Bannon und Ailes - das wäre fürwahr ein Triumvirat, das Amerikas Medien gehörig herausfordern würde.

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Brüssel, Paris oder Berlin?

Und nicht nur diese: Die letzte Meldung in der Sache steuert das Portal „Politico“ bei. Sie lautet: Direkt nach der Präsidentschaftswahl kümmert sich „Breitbart News“ um Europa. „Wir schauen uns auf jeden Fall einige Plätze in Europa an“, sagte der „Breitbart“-Chefredakteur Alexander Marlow. Als mögliche Standorte gelten Brüssel, Paris, vielleicht auch Deutschland. Eine „Breitbart“-Ausgabe für Großbritannien gibt es schon, nun soll eine für Kontinentaleuropa folgen. Für Brüssel spricht, dass sich „Breitbart“ auf die EU einschießen will, in Frankreich würde das Portal auf die Gefolgschaft des Front National setzen. Sicher sein darf man, dass „Breitbart“ landet, wo nationalistische Strömungen zunehmen - welche Bannons Truppe dann noch weiter stärken wird.

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