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Altersvorsorge : Dann stehe ich schlecht da

Pfandflaschen sammeln, um im Alter die Miete bezahlen zu können? Bei knappen Renten muss das Geld ja irgendwo herkommen Bild: dpa

Ich kann es schon nicht mehr hören: „Sie müssen für Ihr Alter vorsorgen.“ Wie denn? Was ist in dreißig Jahren, wenn ich Mitte sechzig bin? Ich habe mal nachgerechnet.

          Der Staat ist ihr größter Feind“, sagte neulich ein Vermögensberater zu mir. Noch tarne er sich zwar geschickt, aber am Ende „werden Sie die Staatsschulden bezahlen müssen. Man denkt immer, das trifft mich nicht, aber es kommt unausweichlich.“ Es war der Tag, an dem die Europäische Zentralbank den Leitzins von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent gesenkt hat, um die schwache Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln. Es ist der niedrigste Stand aller Zeiten. Das Zinsniveau könnte sogar noch weiter fallen. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, sagte: „Wir haben die Untergrenze noch nicht erreicht.“ Gibt es überhaupt eine Untergrenze?

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Enteignung, die gerade vor unser aller Augen geschieht, geht mit einer beunruhigenden Ruhe vor sich. „Kalte Enteignung“ sagt man dazu. Wie kalter Entzug? Der Vermögensverwalter sagt: „Der Staat zahlt kaum noch Zinsen auf das, was er Ihnen schuldet. Er lässt sich vielleicht die ein oder andere Gemeinheit einfallen, er greift in die Rentenkasse ein, er verteilt um, er legt einen Solidaritätsbeitrag fest. Alles ist möglich.“

          In Sicherheit in der Schweiz

          Ich bin in dreißig Jahren 67. Die Chancen, dass ich dann meine Rente beziehe und alle paar Jahre eine kleine Reise unternehme, stehen schlecht. Im Moment ist wieder viel von Altersarmut die Rede, von der Frauen besonders häufig betroffen sind, weil sie vielleicht, um ihre Kinder zu erziehen, einige Jahre ihren Beruf ruhenlassen. Im Alter müssen sie dafür büßen. Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte keine Angst vor Altersarmut. Fest steht: Die Schere zwischen denen, die im Alter relativ gut dastehen, weil sie finanziell vorgesorgt haben, und denen, die im Alter in Armut leben, geht bedrohlich weit auseinander. Und Arm stirbt früher, heißt es.

          „In zwanzig Jahren werden wir uns fragen, warum wir eigentlich alle so arm sind“, sagt der Vermögensverwalter. Viele fragen sich das jetzt schon. Ich frage ihn, was ich tun kann. „Besitzen Sie eine Immobilie?“ – „Nein.“ – „Erben Sie?“ – „Nein.“ – „Dann stehen Sie ziemlich schlecht da. Sie werden später eine Mini-Rente beziehen. Sparen Sie. Fangen Sie schnell damit an, und sparen Sie möglichst viel, und zwar so, dass der Staat nicht so leicht auf Ihr Geld zugreifen kann. Investieren Sie in Aktienfonds.“ Ein Großteil seines eigenen Vermögens liege in der Schweiz.

          Erst trifft es die Versicherungen

          Ich habe kein Vermögen. „Wenn Sie 67 sind“, sagt der Vermögensberater, „sollten Sie, damit Sie entspannt auf Ihr restliches Leben blicken können, das laut Statistik dann noch voraussichtlich zwanzig Jahre dauert, 500000 Euro gespart haben.“ Er greift zum Taschenrechner. „Sie müssten heute also 100000 Euro in Wertpapierform angelegt haben. Über die Jahre liegt die Rendite bei etwa sechs Prozent. Sollten Sie nur festverzinsliche Wertpapiere besitzen, müssten die bereits jetzt 250000 Euro wert sein.“ Aber woher soll dieses Geld kommen? Wer hat mit 37 Jahren 100000 Euro gespart?

          Ich besitze auch keine Aktien. Ich zahle monatlich in eine fondsgebundene Lebensversicherung ein. Die Aktienfonds innerhalb des Versicherungsmantels sind recht gut geschützt. Die Nächsten, die in existentielle Schwierigkeiten geraten werden, sind ja die großen Versicherungen, die hauptsächlich in Zinspapiere angelegt haben, die eine lächerliche Rendite von 1,5 bis 2 Prozent bringen. Too big to fail ist wohl keine Versicherung. „Sie glauben, dass im Alter irgendetwas Gutes passiert, aber das wird es nicht“, sagt der Vermögensberater.

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