06.09.2010 · In der Talkshow von Anne Will tritt die Sarrazin-Debatte in ihre nächste Phase ein. Und in dieser haben die Politiker einen schweren Stand, ganz gleich, welcher Partei sie angehören. Es geht um nicht weniger denn ihre Existenz.
Von Michael HanfeldRichtlinien für Lesermeinungen
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Schön, daß nun angeblich "die Politik" ein Problem erkannt hat, das seit Jahrzehnten offen zu tage liegt. Mit "Verdrängungsmechanismen" allein und der Angst, das NS-Gespenst könnte am Horizont auftauchen, läßt sich derartige Blindheit nicht erklären. Es ist mehr. Politiker glauben wohl allen Ernstes daran, daß, wer die "öffentliche Debatte" bestimmt und die "Themen setzt" durch fortwährende talk-show Präsenz, auch die Wirklichkeit dominiert und bestimmt, was Fakt ist. Eine besondere Form der Wahnerkrankung und nicht (nur) der selektiven Wahrnehmung scheint dies zu sein. Ändern wird nicht nach ein paar Wochen Aufregung leider nichts. Das Sozialschmarotzertum wird auch weiterhin gefördert - und dies vermutlich auch deshalb, weil unsere "Politiker" leider in der Hinsicht eben jenen ("eingewanderten" oder "eingeborenen" "Leistungsempfängern" ohne Leistungsbereitschaft in einem Punkt sehr ähnlich sind. Sie leben von der Arbeit der anderen, geben nichts und nehmen alles.
Egal welche Diskussion man liest, immer das gleiche. Meinungen der Bürger und Politiker unterscheiden sich wie Himmel und Erde. Ich glaube, mit dieser Reaktion der Bürger hat die Politikerschicht nicht gerechnet. Sie erinnern mich immer mehr an das französische Adel am Ende des 18. Jahrhunderts. Und die Kanzlerin ähnelt der ahnungslosen Marie Antoinette.
Wie sich die Zeiten ändern. Seit 40 Jahren wählte ich nur die CDU. Damit ist Schluß. Es tut weh, aber es ist nicht mehr meine Partei.
"Sarrazin mag hysterisch sein, die politische Klasse aber ist oft genug ignorant." - Herr Hanfeld
Gehört Sarrazin selbst nicht auch zur "politischen Klasse"? "Classe politique..." wird in der Schweiz inflationär benutzt und ist eine Art Schimpfwort geworden, auch eine Art Geste, die, kaum ausgesprochen, vielen offenbar eine Art psychische Entlastung verschafft, auch wenn sie selbst aktiv in der Politik tätig sind, ja sogar in der grössten Partei (SVP), aber nein, Classe politique meint natürlich immer irgendwie die Anderen, wenn es um billige Schuldzuweisungen geht, denn selbst gehören diese edlen Nicht-Politische-Klassen-Politiker natürlich zum Volk, Volk, Volk, oh, man will doch gescheichelt sein im Volk. Blöde ist nur, wenn die Anbiederung bei einem nicht gut ankommt.
Ich nehme diese Sache ähnlich wie Sie, nicht todernst. Man könnte sich bei den "Grünen"-Bewerter hier auch bedanken, denn eigentlich brauche ich nur noch die seltenen "Roten"-Beiträge zu lesen, denn von der Hip-Hip-Hurra-Sarrazin-Platte habe ich unterdessen auch in der Schweiz genügend gehört und gelesen, auch die Aber-Einer-Muss-Doch-Mal-Sagen-Meinungsfreiheits-Platte ist mir seit Jahren bekannt, da wird mitunter jede noch so üble Nachrede als tolle, freie Meinungsäusserung verstanden.
@Frau Schüpbach - zu den Bewertungen hier
Nur so nebenbei: Die Heftigkeit der Bewertungen hier sollten Sie sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen - das ist heutzutage auch nur noch eine Frage der Technik. Mittlerweile gibt es genügend Software, die es dem User, dem das ein Herzensanliegen ist, ermöglicht, die eigene IP-Adresse zu verschleiern bzw. beliebig oft zu wechseln. So kann man denn nach Herzenslust immer neu drauflos und missliebige Kommentare ins Tiefrote voten... Oder auch unter wechselnden Nicknames/Identitäten hier - bisweilen verdächtig ähnlich abgefasste - Kommentare einzustellen. Auch ist leicht zu begreifen, dass es natürlich sehr viel wirkungsvoller wäre, wenn etwa ein Deutschland-den-Deutschen-Vertreter sich unter einem türkisch klingenden Nick zu Wort zu melden würde.
Die sogenannte "Netz-Demokratie" ist in vielerlei Hinsicht eine freie Wildbahn, in der sich nicht immer das bessere Argument, sondern oft die größere "Lautstärke", die stärkere Verbissenheit oder schlicht technische Gewieftheit durchsetzen...
Das herrschende Parteienunwesen schreit seinen eigenen Sturz herbei
Man kann nur zufrieden schmunzeln wie sehr das herrschende Parteienunwesen das Berliner Früchtchen zum Stein des Anstoß gemacht hat, über den es stürzen wird: Hätten sie geschwiegen und dessen Büchlein nicht weiter beachtet, so wäre nicht nur der Kontostand des Berliner Früchtchens ungleich weniger gestiegen, sondern sie hätten den bitteren Kelch der Schilderhebung an sich vorüber gehen lassen; nun werden sie ihn bis zum Grund leeren müssen: Da das liebe Volk zum Thema Mohammedanismus und Einwanderung, auch und gerade aus alltäglichen Erfahrungen, beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr, eine sehr entschiedene Meinung hat und die täglichen Lügenmärchen in den Postillen und den Mattscheiben über die angebliche Religion des Friedens, die zwar den wahren Namen des Friedens, Unterwerfung, trägt, aber doch mit sehr unfriedlichen Mitteln zu wirken pflegt, vermögen das Volk nicht anderen Sinnes werden zu lassen. Das Parteienunwesen mag also weiter zetern: In dem Masse wie es das Berliner Früchtchen angreift, zieht es sich den Boden unter den Füßen weg, zumal sein Ansehen in der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise schon genug erschüttert ist; leicht finden sich nun die zerstörerischen Energien, die zu seinem Sturz notwendig sind.
@ Aslan Yaslar: Ein aufrichtiges Danke fuer Ihre sachlichen Beiträge.
Ich begrüße es sehr, daß sich in diese komplexe Debatte jemand mit Ihrem Erfahrungsschatz einschaltet. Im übrigen stimme ich Ihren Ausführungen voll und ganz zu.
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Sie schreiben: "....der Deutsche Liberalismus/die Supter-Toleranz (fast schon unterwürfig!)"
Nagel auf den Kopf getroffen! Deutschland hat große Schwierigkeiten, die Vergangenheit abzustreifen und ein gesundes nationales Selbstwertgefühl zu entwickeln: tolerant, weltoffen aber auch selbstbewußt. Zu lange wurde man bei jeder noch so zaghaften Regung von Nationalstolz gleich in die rechte Ecke gestellt. Deutschland schämte und schämt sich seiner Vergangenheit und wagt es daher nicht, Grenzen zu setzen wo es nötig wäre.
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Zu diesem Zustand haben zweifellos die 68er beigetragen und davon enorm profitiert. Sie haben sich auf das hohe Roß der Progressivität und Intellektualität geschwungen. Jeder, der ihren Ansichten/Lebensstil nicht folgen konnte oder wollte, wurde als konservativer Spießer diffamiert. Daß unter ihnen auch die Wertschätzung der Familie stark gelitten hat, haben Sie ja in einem anderen Kommentar bereits trefflich analysiert.
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Es ist erfreulich, daß sich mehr und mehr konservative Mitbürger gegen diese linke Propaganda erfolgreich zur Wehr setzen.
In der Tat ist die politische Klasse in der Geschichte der Bundesrepublik vom Volk noch nie so herausgefordert worden. Das Problem ist doch längst nicht mehr Sarrazin, sondern das Verhalten der Politiker aller Richtungen in den letzten Tagen. Ein Bundespräsident der vorverurteilt ( und das in seiner kurzen Amtszeit nicht zum ersten Mal _ Duisburg Sauerland); eine leitende Politikerin, die die Bundesbank ziemlich direkt anweist und dann den geforderten Vollzug als in voller Unabhängigkeit getroffen preist. Ein vielstimmiges Niedermachen des Übeltäters aus allen Parteien, und viele Presseorgane , die sich - zumindest zum Teil -erst langsam wieder auf ihre kritische Funktion in einem demokratischen Gemeinwesen besinnen.( In der ausländische Presse wird dagegen überraschend fundiert und objektiv berichtet).
Wenn das die Bürger nicht aufbringt, wäre unsere Demokratie am Ende. Aber das Internet macht eben einen Volksaufstand gegen eine so starke Bevormundung von oben möglich. Sicher eine eine neue Lehre für unsere politischen Vordenker.
@Yasla: Ich danke Ihnen für Ihren Mut! Werben Sie weiter für Deutschland!
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es gerade für einen Türken sehr viel Mut und Überzeugungskraft kosten muss, für mehr Anpassung unter den Muslimen in Deutschland zu werben. Haben Sie freundlichen Dank. Ich bin überzeugt, dass die meisten, die hier Sarrazin zustimmen, für Sie Sympathie empfinden. Ich möchte Sie bitten, diesen Diskurs mit Ihren Landsleuten weiter zu führen und vor allem Ihnen eine Tatsache zu vermitteln:
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Wie Sie sagen: "das fast unterwürfige Deutschland" entspricht NICHT der Haltung des Deutschen Volkes, es ist die Haltung einer Elite, die weit ÜBERrepräsentiert ist in Medien, Politik und Wissenschaft. Das "durchschnittliche" Volk empfindet wie in der Türkei ein originäres Bedürfnis nach nationaler Identifikaton.
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Das "Geschichtszeichen" bedeutet nach Kant ein Ereignis, das den Fortschritt von Vernunft und Freiheit in der Geschichte anzeigt. Sie, Herr Yasla, werden möglicherweise miterleben können, was es bedeutet, wenn ein Volk sich seine Freiheit gegen die Despotie der Meinungsmacher erkämpft.
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Es freut mich, Sie auf unserer Seite zu wissen!
Ist Integration = Assimilation?
Ein Großteil der Erbitterung, der sich in "Volkes Stimme" zum Thema Integration äußert, rührt von einer - mutwillig in Kauf genommenen - Verwirrung der Begriffe her.
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Stellen wir die Frage einfach: Was ist Integration? Ist das das Gleiche wie Assimilation, also Anpassung? Wer einen Moment ernsthaft darüber nachdenkt, weiß: Nein, das kann nicht das Gleiche sein - Assimilation passt ein Teil an ein Ganzes an. Bei Integration hingegen integrieren sich unterschiedliche Elemente - es entsteht eine (begrenzt) neue Qualität des Ganzen. Was da genau neu entsteht, ist noch nicht ausgemacht, das ist eine Sache des Aushandelns im täglichen Leben. Auch wenn das Ergebnis also noch nicht klar sein kann, eins muss aber klar sein: Das Aushandeln erfolgt entlang von Regeln, auf die sich die Beteiligten einigen und an die sich dann auch alle halten müssen.
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Die Erbitterung rührt daher, dass die Politik zwar "Integration" sagt, aber in Kauf nimmt, dass die allermeisten "Assimilation" hören - und empört sind, weil die "Anderen" sich nicht an "uns" anpassen.
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Es wäre vielleicht geholfen, wenn wir uns weniger über den dereinst zu erreichenden Endzustand, sondern mehr über die Einhaltung der Regeln den Kopf zerbrächen. Auf allen Seiten.
Längst ist eine sachliche Debatte über die "richtige Integration von Ausländern" aus den Fugen geraten. Es geht vielmehr um die Personalie „Sarrazin“, und deren geforderten geforderter Ausschluß aus der SPD. Welche auch immer geartete Haltung man zu Herrn Sarrazin hat, und sicherlich hat er mit seinen Formulierungen kräftig vom Leder gezogen und den Bogen mächtig angespannt, in der Sache hat er recht. Er greift ein heikles Thema auf, dass viele gerade in der SPD gern umgehen möchten, siehe Berlins Bürgermeister Wowereit, der mit dieser Debatte eine tolle Ablenkung seiner finanziell prekären Haushaltslage hat. In Sachen Integration von ausländischen Mitbürgern müßen klar erkennbare Konturen geschaffen werden, die auf der einen Seite ein klares "ja" zu Einbürgerwilligen aber auch ein klares "nein" zu Denen die sich nicht integrieren wollen, her. Parallelgesellschaften kann sich der Staat auf Dauer nicht leisten, wenn man sich französische Verhältnisse ersparen will. Gerade in Ballungszentren (Berlin, Köln, etc.) tritt immer mehr zutage auf was eine falsch geführte Integrationspolitik hinausläuft. Parallelgesellschaften führen zu Ghettobildung, und das kann keiner wollen. Integration nicht um jeden Preis.
Zu den Rot-Grün-Bewertungen hier
Meine nicht Parteien, sondern diese "Abstimmungen" in den FAZ-Kommentarzeilen hier. Nähme man diese todernst, dann fällt auf: Es gibt kaum eine Mitte, bloss Extreme, man zähle mal nach.
Zu "Wertungen" und konservativ
Man kann den Begriff "konservativ" auch öffnen und allg. benutzen im Sinne von "Bewahren", zum Beispiel wollen tendenziell eher Linke in den Schweizer Alpen keine Vergrösserung von Stauseen, weil quasi Natururlandschaften überflutet würden, damit aber geraten sie selbst in einen Interessenskonflikt punkto der Forderung nach umweltverträglichen Energieformen und wirken quasi konservativ. Und: Jene Inländer in der Schweiz, die gerne über Ausländer herziehen, die wiederum können nicht sagen, wie z.B. manche Betriebe, darunter auch Spitäler, überhaupt noch funktionieren könnten ohne sog. Ausländer. Und dort, wo es um Handfestes und Gewalt geht, wo zum Beispiel mehr Polizeipersonal benötigt wird, sind es eben gerade oft die Erzkonservativen, die auch noch da sparen wollen und im Parlament der Städte so abstimmen. Das kann einen dann schon extrem nerven.
Emre Ertürk sagt quasi: Deutschland gibt es mehrmals
So ist es mit der Schweiz auch, je nachdem, was gewichtet wird, wie alles abstrahiert und verallgemeinert wird, kommt nicht die gleiche Schweiz raus. Schon nur daher kann ich den Buchtitel Sarrazins nicht nachvollziehen. Und würde man ihn beim Untertitel beim Wort nehmen, müsste man fragen, was er eigentlich für ein Spiel spielen wolle, es gibt viele verschiedene.
Ich wollte eigentlich nicht mehr das Propagandafernsehen einschalten
aber ihr Kommentar hat mich dazu gebracht , doch mal auf You Tube nachzusehen.
Der CDU ler ist klueger zu werten als die rote Angie, er hat erkannt, dass Meinungsfreiheit fuer den deutschen Michel ein primaeres Gut darstellt. Erst danach kommt alles andere , auch Sarazins Buch. Nur er wird seine Kanzlerin und ihren Buerodienerpraesident nicht vor dem Ende ihrer Karriere schuetzen koennen.
Kommen wir zu Wowereit, er hat die Augen zugemacht und sagt sich, da muessen wir
halt durch, der Schaden ist e angerichtet. Seine Partei, denke ich, wird ihren Mitgliederbestand halbieren.
Die tuerkische Wissenschaftlerin und Herr Bolz versuchten die Disskusion mehrfach auf das Thema zu lenken, wurden jedoch recht schnell von Frau Will zurueck in die Maerchenwelt der gelungenen Integration gefuehrt. Kurz vor Ende bin ich ausgestiegen, das Geschwafel von Frau Goring-E (Stand der politischender Wortwahl und der Bildung dieser Frau 1968) konnte ich leider nicht mehr ertragen.
Die gesamte Sendung lief wieder mal am Thema vorbei. Die Probleme sind nicht so schlimm und die Meinungsfreiheit ist unangetastet. Ich glaube die Politiker und die Staatsfernsehschlaraffenlandlebebuerger wohnen allesamt in einer Parallelgesellschaft auf dem Mond
Vielen Dank für Ihre Meinung! Das Wort "integrationsunwillig" würde ich nicht benutzen, sondern "Integrationsgeil". Ich bin ja viel im Ausland und es käme mir nie in den Sinn dort "konstruktiv-parallel zu leben. Warum auch? Dort werde ich nicht auf eine Zahl in irgendeiner Ausländer-Statistik reduziert. Und was meinen Leute wie Sie eigentlich mit dem Wort Integration? Dazu habe ich schon 1 Mio. unterschiedlicher Antworten gehört. Für den einen muß ich den ganzen Tag Schlager hören. Beim anderen muß mindestens 1 mal pro Woche Eisbein mit Sauerkraut auf den Tisch, was aber wieder sofort vom Vegetarier abgelehnt wird. Für einen Hamburger muß ich segeln und in Bayern jodeln können. Reicht es nicht, wenn man Deutsch spricht, die Gesetze achtet, niemanden auf die Nerven geht und einer Arbeit nachgeht? Genau das trifft auf die überwältigende Mehrheit der Türken zu.
Ich bin nicht mal entsetzt ...
dass die wenigen Lanzleute, die hier schreiben, so eine extreme Ansicht haben. Ich bitte die Leser dieser Kommentare auch diese nicht auf alle Türken oder türkisch stämmigen zu schließen.
Es sind zwei Komponenten, die beide zu lange gewirkt haben, als das man noch eine Diskussion mit Sachverstand führen kann:
a) der Deutsche Liberalismus/die Supter-Toleranz (fast schon unterwürfig!)
b) die starke türkische Kultur, der Stolz und und die Freiheit einer Parallelgesellschaft (doppelte Staatsbürgerschaft, Pakt für soziale Sicherheit, etc. etc. etc.)
Wenn Sie glauben es sei als Deutscher schwer mit so einer Ansicht - dann sein sie erst mal ein Türke mit so einer Ansicht. Interessant ist, dass ich dieses Verhalten viel mehr hier in Deutschland sehe, als in der Türkei. Vielleicht sind auch einige meiner Landsleute genau aus diesem Grund hier her gekommen - weil sie auch in der Türkei nicht glücklich waren.
Ich habe mich angepasst. Meine Kultur bewahre ich mir zuhause oder wenn ich in der Türkei Urlaub mache. Deutschland hat mir genug zurück gegeben um damit klar zu kommen und wenn ich alt bin, gehe ich vielleicht auch wieder zurück in die Türkei - je nachdem, wie schlimm es dann hier ist...
Es ist schon erstaunlich, dass Manche den Begriff "Meinungsfreiheit" offenbar so verstehen, dies bedeute entweder, von einer Meinung "frei" zu sein - also keine zu haben - oder allenfalls eine solche, die mit Politik und Feullieton kompatibel ist.
Nun kommt also jemand wie Sarrazin daher und zeigt unter minutiöser Darlegung seiner Quellen auf, dass er sich zu der Frage der Integration Gedanken gemacht und eine Meinung gebildet hat. Umgehend beginnt die öffentliche Hetzjagt - bis zum Jobverlust - und am liebsten bis zur medialen Hinrichtung?
Den Thesen Sarrazins mag man zustimmen - oder auch nicht. Jedenfalls ist Sarrazin gewiss eines nicht: "Hysterisch". Ich kenne niemanden, der das Gegenteil davon besser verkörpert. Diese Zustandbeschreibung passt erheblich besser auf die hyperventilierende (Zitat aus "Hart aber fair") "veröffentlichte Meinung", die mit der allgemeinen Meinung gerade in diesem Falle nichts zu tun hat. Gerade auch in der Sendung "Hart aber fair" war hübsch zu sehen, wie sogar das Studiopublikum "gebrieft" war - egal was TS sagte, kein Applaus; dann aber das Wundern, dass über 80% der Zuschauermeldungen für ihn positiv waren.
Das lässt einen ja grausen. Eva Herman lässt grüßen!
Das freut mich für Sie, daß Sie sich hier so wunderbar integriert haben. Nur warum haben Sie und ihre kroat. Landsleute dies im früheren Yugoslawien nicht auch so gemacht? Und dies trotz gleicher Sprache und Religion! Das hätte uns viel Leid erspart. Ich glaube Sie sind deshalb nicht gerade der ideale Ratgeber in Sachen Integration. Und mit wem die Türkei gute Beziehungen hat ist absolut unwichtig. Ich habe hier MEINE Verhältnisse dargestellt. Und daß zur Integration beide Seiten sich bewegen müssen ist kein "Gelaber". Der Literaturpapst Marcel-R.-Ranicki hat 1938 in Berlin sein Abitur gemacht (mit einer eins in Deutsch) und war ein Bewunderer der Deutschen Kultur. Trotzdem hat ihm das alles nichts genutzt.
Nein, keine Verharmlosung: Der Sarrazinsche Biologismus ist nun alles andere als nur die Frucht einer übelwollenden Leseweise - er lugt an allen möglichen Ecken hervor, insbesondere Schirrmacher hat das in dieser Zeitung in wünschenswerter Klarheit dargelegt.
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Das Interessante daran ist aber, dass dieser Biologismus für Sarrazins Argumentation streng genommen gar nicht notwendig wäre. (Das macht es im übrigen auch so vielen Kommentatoren leicht, ihn als Beimischung eilfertig abzutun und um so vehementer auf der Beschäftigung mit Sarrazins "eigentlichem" Anliegen zu beharren.)
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Vielleicht hilft es weiter, wenn wir Sarrazins Rede von den "Genen", den "angeborenen" Qualitäten etc., das von Fachleuten hinreichend als laienhaftes Dahingerede decouvriert worden ist, als etwas Anderes nehmen - als Chiffre. Dann wäre das "Biologische" als Ausdruck einer Abwehrhaltung zu verstehen, des - etwas unbeholfenen - Versuchs, gesellschaftliche "Identitäten" und Differenzen als quasi unveränderbar und damit als möglichst unantastbar zu definieren.